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Erinnerungen an vergangene Gartenschauen blühen wieder auf

Gartenschauen sind ein Stück Stadtentwicklung und zugleich der Versuch, eine seit Jahrhunderten gezähmte Natur nachzubilden. Sichtbar wird dieser Spagat, wenn am 20. Mai die Tore der Gartenschau in Eppingen öffnen. Für uns ein Grund, zurückzuschauen.

Von unserer Redaktion
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Gartenschauen in der Region seit 2003 | 2016 Öhringen Gladiatoren | 20 Bilder

Gartenschauen haben, egal welcher Größe, eine bunte Fangemeinde: Einheimische, die fast jeden Tag dort verbringen und keine Veranstaltung auslassen oder Ausflügler, die schon viel gesehen haben, die genau hingucken, kritisch sind und vergleichen.

Vor allem nach dem Erfolg der Bundesgartenschau in Heilbronn 2019 gibt es in der Region viele, die sich nun auf die Eröffnung der Gartenschau in Eppingen am Freitag, 20. Mai, freuen. Und nicht wenige tun dies, weil sie schöne Erlebnisse bei vergangenen Ereignissen dieser Art gesammelt haben. Grund für uns, zurückzublicken und an Grünprojekte in der Region zu erinnern. 


1985: Die Initiale zum Wertwiesenpark - Landesgartenschau in Heilbronn

Zur Landesgartenschau 1985 fanden eine Million Besucher den Weg in den daraus gewachsenen Heilbronner Wertwiesenpark.  Foto: Archiv/Eisenmenger

Heißluftballons, Brieftauben, Majoretten und am Rande eine Friedensdemo: Die Szenerie der Eröffnungsfeier zur Landesgartenschau 1985 in Heilbronn war symptomatisch für die damalige Stimmung in der Käthchenstadt, sie schwankte zwischen heiler Welt und Protesten im Nachhall des Pershing-Unglücks. Auch das Projekt Laga war zunächst nicht unumstritten. Grüne und SPD waren im Vorfeld dagegen. Am Ende zählte man eine Million Zuschauer und so gut wie alle waren begeistert, von den gärtnerischen Höhepunkten, dem bunten Veranstaltungsstrauß und der breit gefächerten Gastronomie, während sich an manchen der 74 Exponate eines Skulpturenwegs am Altneckar die Geister schieden.

Längst steht fest: Das Konzept war zukunftsweisend. Denn ein Sammelsurium aus Äckerchen und Gartenparzellen wurde für nur zehn Millionen Mark in einen in vielerlei Hinsicht nachhaltigen, 15 Hektar großen Park verwandelt, der bis heute zu den beliebtesten im Unterland zählt: der Wertwiesenpark. Mit seinen Spielplätzen, Rasenflächen, einer Halfpipe für Skater bis zur Minigolf- und Kneipp-Anlage bietet er vielfältige Freizeitmöglichkeiten. Sommers wird hier viel gegrillt, manchmal gibt es auch Open-Air-Events.

Ein faszinierendes Bild ergibt fast das ganze Jahr über eine Staudenfläche mit über 13 000 Pflanzen. Ebenso beachtenswert: der Duft-, der Gräser- sowie der Rosengarten.


2003 Nordheimer Blumensommer - Eigene Marke mit Strahlkraft

Die Euphorie vom Blumensommer ist noch heute in Nordheim zu spüren. Das Gelände in der Ortsmitte wurde auf Dauer angelegt.  Foto: Ralf Seidel

Grünprojekt sollte sie eigentlich heißen, die Gartenschau, für die Nordheim 2003 vom Land Baden-Württemberg einen Zuschlag aus dem Förderprogramm „Mehr Natur in unserer Gemeinde“ erhalten hatte. Der Gemeinde kommt noch heute zugute, dass sie die Bezeichnung in Blumensommer änderte und so eine eigene, unvergessene Eigenmarke schuf.

Nach dem Erfolg der ersten Sommerveranstaltungen mit 140 000 Besuchern war man in Nordheim derart begeistert, dass die Gemeinde die Folgeveranstaltungen aus eigener Kraft stemmte. Wie erfolgreich das Konzept war, zeigte sich an den rund 300 000 Besuchern, die jedes Jahr kamen. In Nordheim sorgte der Blumensommer für Gemeinschaftsgefühl und Euphorie, verbunden mit einer landschaftlichen Aufwertung des Ortes, einer erlebbare Grünzone, der Gestaltung der Ortsmitte oder der Renaturierung des Katzenbachs.

Die Veranstaltungen stärkten die Identifikation der Nordheimer mit ihrer Gemeinde, sie waren aber auch ein enormer Kraftakt. Und so war, wenn auch schweren Herzens, 2013 mit der letzten Ausgabe Schluss. Im Vorfeld des 1200-Jahre-Jubiläums, das die Gemeinde 2023 feiert, kamen erste Hoffnungen auf ein Blumensommer-Comeback auf. Die Verwaltung trennt die Veranstaltungen aber bewusst voneinander. Einen Blumensommer-Charakter könnte die Jahrfeier dennoch bekommen.


2008 Das Bad im Blütenmeer - Landesgartenschau in Bad Rappenau

Landesgartenschau 2008
In bester Erinnerung: Von der Landesgartenschau 2008, hier ein Bild aus dem Salinengarten, profitiert Bad Rappenau bis heute.  Foto: Archiv/Gast-Prior

Als Bad Rappenau den Zuschlag für die Landesgarten 2008 bekam, war der damalige Bürgermeister Gerd Zimmermann gerade Landtagsabgeordneter – und manch eine böse Zunge behauptete, dass es kein Zufall sei, dass die Kurstadt hier zum Zuge kam. Dabei hatte Bad Rappenau mit seinen bereits vorhandenen drei großen Parks ideale Voraussetzungen. Auch war der Ort, der damals trotz seiner Lage an der Autobahn über keine Industrie und wenig Gewerbe verfügte, stetiger Empfänger von Mitteln der Tourismusförderung. Städtebaulich profitierte Bad Rappenau vor allem außerhalb der Parks, etwa von dem totalen Umbau der Raiffeisenstraße, die heute sowas wie eine Einkaufsmeile ist.

Kaum etwas, das es vor dem „Bad im Blütenmeer“ noch nicht gegeben hätte, ist geblieben. Doch die Aufwertung der Parks ist bis heute sichtbar: Der Kurparksee wurde saniert, zwischen Kur- und Salinenpark entstand ein futuristischer Verbindungsturm, das eigens gebaute Gradierwerk, das größte in Süddeutschland, ist noch immer in Betrieb.

Bis heute sind an manchen Wochenenden die Parks in Bad Rappenau voll wie zu Zeiten der Landesgartenschau 2008. Das liegt auch an dem Feuerbeet, das die Stadt jedes Jahr anlegen lässt. In der Zeitwald-Gastronomie, auch ein Relikt aus Landesgartenschau-Zeiten, kehren die Ausflügler immer noch gerne ein, bevor sie zufrieden nach Hause gehen.


2016 Ein Sommermärchen - Landesgartenschau in Öhringen

Gartenschauen in der Region seit 2003
4000 Aktionen erlebten 1,3 Millionen Besucher 2016 in Öhringen. 900 Helfer waren das sympathische Gesicht der Stadt.  Foto: HSt-Archiv

Welch ein Anblick: Zum Auftakt der Öhringer Laga im April 2016 wippen weiße, rosa und lila Tulpen über dem frischen Schnee. Das goldene Ei aus der Sammlung Würth mittendrin, tausendfach fotografiert, wie auch die Skulptur von Tony Cragg, die einen prächtigen Sommer das Hofgartenrondell schmückte. Zu den Höhepunkten veranstaltungsreicher Monate - 4000 Termine galt es zu besuchen - gehörten die wechselnden Blumenschauen im Schlosskeller, die nicht nur das Handwerk, sondern vor allem die Kunst der Floristen zeigten.

Viele Dinge waren vergleichbar mit einjährigen Blumen: einen einzigen Sommer lang wunderschön. Deshalb musste man sie bewundern, so lange es ging.

1,3 Millionen Besucher taten es bis zum 9. Oktober. Einige Dinge aber sind geblieben: 28 Millionen Euro wurden auch in Daueranlagen investiert. Die goldene Treppe zum Hofgarten, die umgestaltete Cappel-Aue mit dem Kletterturm, der Jugendpavillon mit Skaterpark und der Platz vor der Kirche St. Joseph gehören ebenso dazu wie die nun erlebbare Ohrn. Weil die Hohenloher während der Landesgartenschau die Lust am Feiern und Festeln entdeckt haben – kaum ein Tag verging ohne mehrere Veranstaltungen – gehören die Hohenloher Scheune, der dortige Garten und die Spielplätze auch zu den bleibenden Dingen, den mehrjährigen, die von Jahr zu Jahr schöner werden.


2019 Nachhaltige Stadtentwicklung - Bundesgartenschau in Heilbronn

Gartenschauen in der Region seit 2003
An Sommerabenden zogen Wassershows die Besucher in Massen an. Doch die Buga in Heilbronn war mehr als Events und Blumen.  Foto: HSt-Archiv

2,3 Millionen Besucher, 964 gepflanzte Bäume, 67 Mustergärten, eine Million Blumenzwiebeln, 23 Gebäude, 10 000 Veranstaltungen: Die Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn war in vielerlei Hinsicht eine Schau der Superlative.

Die über ein Jahrzehnt vorbereitete Garten- und Stadtausstellung entwickelte sich zum Sommermärchen, ihre Symbolfigur, der Karl, zum Sympathieträger. Den Weg frei zur Buga, zum Stadtteil Neckarbogen, zur Stadt am Fluss, letztlich zu einem neuen Kapitel Stadtgeschichte, machte der Rückbau einer Bundesstraße. Und dies inmitten einer autogerechten Stadt: Was für ein Signal! So war die Buga nicht nur eine schöne Blumen- und Pflanzenschau mit tollen Events. Vielmehr wurde eine Hafen- und Gewerbebrache zum Vorzeige-Stadtteil.

Ein Drittel der Buga-Grünflächen bleibt erhalten, inklusive zweier Seen und Neckarpromenade. Neben der Jugendherberge baut derzeit die Dieter-Schwarz-Stiftung eine internationale Schule. Zu den 22 Wohnhäusern kommen bald weitere, alles Beispiele für eine ganzheitliche Baukultur. 2027 sollen hier 3500 Menschen leben und 1000 arbeiten. Ob die Paula-Fuchs-Allee wie geplant zur Durchfahrtsstrecke wird und womöglich neue Verkehrsprobleme aufwirft, auch mit Rasern? Man wird sehen. Die blitzförmige Buga-Brücke seht für etwas anderes. Als Fahrrad- und Fußgängersteg setzt sie ein Zeichen für die Mobilitätswende.

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