Bad Rappenau
Lesezeichen setzen Merken

Spendenaktion für Kinder: Ben und Lion sollen nicht länger warten

Nach zwei abgesagten Gesundheitsläufen initiiert die Vulpius-Klinik eine kleine Spendenaktion für die beiden Kinder aus Neckarbischofsheim. Der Heilbronner Mehmet Topyürek hat seinen Beitrag bereits geleistet.

Ulrike Plapp-Schirmer
  |  
Ben und Lion sollen nicht länger warten
Der Heilbronner Mehmet Topyürek (links) lief im Juni einen Halbmarathon für Lion und Ben (hier mit Dr. Ulf Bertram, seiner Mama und seinem Geschwisterchen). Foto: privat

Ben Heinich und Lion Ricoso sind zwei fröhliche Kinder aus Neckarbischofsheim. Und das, obwohl die beiden Jungen mit schweren Behinderungen leben müssen. "Wir laufen für Ben und Lion" hieß daher das Motto des zunächst für 2020, dann für 2021 geplanten Gesundheitslaufes der Bad Rappenauer Vulpius-Klinik.

Beliebte Freizeitsportveranstaltung

Rund 1500 Menschen kommen dort Anfang Oktober immer bei einer Sportveranstaltung mit Pastaparty, Siegerehrung und Tombola zusammen. Nachdem diese nun zweimal abgesagt werden musste, stand fest: Ben und Lion sollen nicht länger warten.

Noch vor Weihnachten soll Geld an die beiden Familien ausgeschüttet werden. Wer dabei sein will: Die Bankverbindung findet sich auf der Website der Klinik unter Aktuelles und Veranstaltungen. Die Aktion läuft bis 15. Dezember.

Im Sommer hat Mehmet Topyürek bereits knapp 1840 Euro überwiesen. Das Geld stammt zum Teil aus den virtuellen Spendenläufen, die der Ausdauersportler im ersten Corona-Jahr 2020 durchgeführt hatte - und aus einem Halbmarathon, den der Heilbronner allein im Bad Rappenauer Stadtwald absolvierte: wie üblich nur mit einem 25 Kilogramm schweren Baumstamm auf den starken Schultern.

Das schwere Schicksal der beiden Kinder motivierte Topyürek. Ben bekam bei der Geburt zu wenig Sauerstoff, er erlitt eine Gehirnblutung und lebt seitdem mit einer infantilen Cerebralparese, einer Störung des zentralen Nervensystems.

Zwei schwere Schicksale

Motorisch und sprachlich ist Ben beeinträchtigt. Er braucht Logopädie, Ergo- und Physio-Therapie. Ärzte haben seinen Eltern eine spezielle Bewegungstherapie zwei Mal im Jahr in der Slowakei ans Herz gelegt. Die soll Ben bei seiner Entwicklung helfen, doch der Aufenthalt dort kostet jedes Mal 5000 Euro.

Auch Lion hat ein schweres Los gezogen: Ein Gendefekt schränkt den Jungen motorisch ein. Lion fehlt die Kraft in den Beinen, er hat Krampfanfälle und verletzt sich selbst. Seine Eltern brauchen dringend ein neues Auto, das Haus muss behindertengerecht umgebaut, Zusatztherapien, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden, müssen bezahlt werden.

Das Geld aus dem Gesundheitslauf der Vulpius-Klinik, finanziert aus der Startgebühr der Läuferinnen und Läufer sowie aus Firmenspenden, ist für Menschen mit Behinderung wie ein warmer Regen. "Die Absagen haben weh getan", sagt daher Organisatorin Katrin Walzel: "Der Lauf lebt von der Emotion, von den Personen vor Ort." Die Kombination, sich selbst, aber auch anderen etwas Gutes zu tun, treibe die Teilnehmer an: "Wobei der soziale Aspekt der wichtigere ist."

Als orthopädische Fachklinik, die bislang ohne Ausbruch gut durch die Pandemie gekommen ist, gab es zu der Absage aber keine Alternative: Als Klinik habe man nochmal eine ganz andere Verantwortung, betont Geschäftsführer Joachim Off. "Wir werden ein kleines Weihnachtswunder unter den Weihnachtsbaum legen", heißt es im Newsletter des Gesundheitslauf-Teams: "Wie klein, das entscheiden wir alle gemeinsam."

2019 war für die Lehrensteinsfelder Zwillinge Hanna und Helena die Rekordsumme von 24 000 Euro zusammengekommen. So viel wird es dieses Mal wohl nicht werden. Katrin Walzel rechnet trotzdem mit einem fünfstelligen Betrag: Spender wie Mehmet Topyürek haben den Grundstein dafür bereits gelegt.

Weitere Veranstaltungen

Auch Patientenschulungen, zu der die Bad Rappenauer Vulpius-Klinik bisher ins Kurhaus eingeladen hatte, finden derzeit nur virtuell statt. Zwei gibt es noch vor Weihnachten: Chefarzt Dr. med. Wolfgang Pötzl klärt am Dienstag, 7. Dezember, ab 18 Uhr über Schulterschmerz auf; Chefarzt Dr. med. Volker Seipel spricht am Mittwoch, 8. Dezember, ab 18 Uhr über Möglichkeiten der konservativen Orthopädie und speziellen Schmerztherapie. Anmeldung über www.vulpiusklinik.de.

Kommentar hinzufügen
Kommentar hinzufügen
  Nach oben