Eppingen
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Stadt und Eltern stellen im Eppinger Kinderhaus Notbetreuung sicher

Die Stadtverwaltung hatte angekündigt, die Betreuungszeiten im Kinderhaus wegen Personalengpässen zu kürzen. Mit Hilfe einer gemeinsamen Aktion von Schulträger und Eltern können Familien nun ihre Kinder in Notfällen bis 16 Uhr betreuen lassen.

Jörg Kühl
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Stadt und Eltern stellen im Eppinger Kinderhaus Notbetreuung sicher
Mittagessen im Kinderhaus: Nachmittags können Kinder, die keine andere Betreuungsmöglichkeit haben, notfalls bis 16 Uhr bleiben. Foto: Jörg Kühl  Foto: Kühl, Jörg

Trotz erheblichen Personalmangels kann für die drei Ganztagsgruppen im städtischen Kinderhaus Elisabeth und Jakob Dörr mit Haus Hellberg eine Notbetreuung bis 16 Uhr gewährleistet werden. Auf eine entsprechende Regelung haben sich die Stadt als Trägerin der Einrichtung mit Elternvertretern geeinigt. Es handelt sich um eine gemeinsame Aktion, teilt der für Bildung zuständige Stadtsprecher Sönke Brenner mit.

Die Stadt Eppingen stellt für die Betreuung von Kindern, die keine anderweitige Aufsicht bekommen können, Fachpersonal von 14 bis 15 Uhr bereit. Das Zeitfenster bis 16 Uhr decken Eltern auf freiwilliger Basis ab. Die Regelung gilt zunächst bis Ende August. Bis dahin rechnet die Stadt mit einer personellen Entspannung. So werden dann zwei angehende Erzieherinnen, die ihre Ausbildung in Kürze abschließen, in der Einrichtung übernommen, teilt Yvonne Röth, Abteilungsleiterin für Bildung im Eppinger Rathaus, mit.

Wie lange die Regelung erstmal dauert

Die Erfahrungen der ersten Woche seien positiv, heißt es aus dem Rathaus. Es seien sogar Dankschreiben von Eltern eingegangen, berichtet Brenner. Die Entscheidung darüber, welche Familien die Notbetreuung beanspruchen dürfen, fällt der Elternbeirat des Kinderhauses. "Die Eltern sind sehr gut vernetzt und können das untereinander besser regeln, als wir hier im Rathaus", sagt Yvonne Röth.

Die Stadt habe zur Zeit der coronabedingten Notbetreuung schon entsprechende Erfahrungen gesammelt, ergänzt Sönke Brenner. Auch versicherungstechnisch seien alle Fragen geklärt. "Wir haben das Okay des Landesjugendamtes und der zuständigen Aufsichtsbehörden", so Yvonne Röth. Mit der gemeinsamen, von Stadt und Eltern getragenen Lösung endet die Unsicherheit in der Eppinger Einrichtung. Noch Ende Mai hatte die Stadt angekündigt, die Betreuungszeit ab 7. Juni von 40 auf 31 Wochenstunden kürzen zu müssen.

 

Als das Kinderhaus in Betrieb ging, konnten 50 Wochenstunden angeboten werden

Wie die Eppinger Stadtverwaltung damals mitteilte, werde der Ganztagsbetrieb in drei Gruppen eingestellt, weil die Stadt den vorgeschriebenen Personalschlüssel nicht mehr zur Verfügung stellen könne. Die Regelung solle bis zum 31. August gelten.

Oberbürgermeister Klaus Holaschke nannte erfolglose Ausschreibungen im Erzieherbereich als eine Ursache. Wie es weiter hieß, müssen zusätzliche Krankheitsausfälle und Urlaubstage kompensiert und aufgefangen werden. "Eine prekäre Situation, die wir nicht mehr verantworten können und die uns zu dieser weitreichenden Maßnahme zwingt", sagte das Stadtoberhaupt Ende Mai.

Als das Kinderhaus 2014 in Betrieb ging, konnte die Stadt Kindern und Eltern noch 50 Wochenstunden Betreuung anbieten. Aufgrund des Fachkräftemangels und besonders vieler Ausfälle während der Corona-Pandemie musste das Angebot im Vorjahr schon auf 40 Wochenstunden heruntergefahren werden.

Warum ein Vater eine Fachaufsichtsbeschwerde startete

Eltern und Elternvertreter nutzten die Einwohnerfragestunde der jüngsten Gemeinderatsversammlung, um ihrer Sorge und Verärgerung Ausdruck zu verleihen. "Können wir darauf vertrauen, dass es ab September wieder die 40-Stunden-Betreuungszeit pro Woche gibt?" fragte Carolin Bittner. Inzwischen engagiert sich die Mutter in der Koordination der Notbetreuung. Ein Vater begründete in der öffentlichen Sitzung, warum er eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt gestartet hat: "Es wurde mit dem Personalzuwachs zu lange gewartet", so der Vater. Es gebe in der Belegschaft eine hohe Fluktuation. Die Stadt müsse die Ursachen dafür beseitigen, forderte er im Gemeinderat.

Eppingens Oberbürgermeister Klaus Holaschke sagte, die Stadt sei mit den Personalengpässen bei Erziehern nicht allein. "Das Problem gibt es landauf, landab, es wurde durch Corona nochmals verstärkt", so Holaschke, der auch Erster Vizepräsident des Gemeindetags Baden-Württemberg ist. Die Stadt prüfe derzeit alle Modelle, um die 40 Betreuungsstunden pro Woche gewährleisten zu können. Dennoch blieben Unwägbarkeiten. Auch der Einsatz von Personal ohne spezielle Ausbildung komme in Betracht.

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