Gemmingen/Eppingen
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Selina Grässle und Thomas Mairhofer sind ein wahres Meisterpärchen

Die junge Frau und ihr Lebensgefährte legten in verschiedenen Berufen ihre Prüfungen ab. Gegenseitige Unterstützung und die Corona-Pandemie haben das Vorhaben positiv beeinflusst.

Von Nicole Theuer
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Selina Grässle und Thomas Mairhofer sind ein wahres Meisterpärchen
Hörakustikerin und Schreiner: Selina Grässle zog ihre Meisterschule in sechs Monaten durch und schloss etwas früher als ihr Lebensgefährte Thomas Mairhofer ab. Foto: Franz Theuer

Handwerk hat goldenen Boden, sagt der Volksmund. Selina Grässle und ihr Lebensgefährte Thomas Mairhofer schienen sich davon inspirieren zu lassen, als sie sich ein sozusagen familieninternes Duell um die Erlangung der Meisterwürde lieferten. Die 24-jährige Grässle, gebürtige Gemmingerin, hatte am Ende die Nase vorne. Ihr wurde die Meisterehre als Hörakustikerin vor ihrem zwei Jahre älteren Lebensgefährten zuerkannt, der seinen Meister als Schreiner ablegte. "Und das, obwohl sie erst nach mir mit der Meisterschule begonnen hat", merkt Mairhofer an.

Der Stolz über das Geleistete ist dem jungen Paar deutlich anzumerken. Die Coronavirus-Pandemie könnte ihnen in die Karten gespielt haben. "Thomas ist und ich gehen gerne auf Konzerte und Festivals oder treffen uns mit Freunden. Das fiel weg und so konnte ich mich ganz auf die Schule konzentrieren", sagt Selina Grässle. In einem halben Jahr hat sie die Meisterschule in Landau durchgezogen, dafür musste sie alle Prüfungen auf einmal ablegen. "Vollzeit kam nicht in Frage, denn es gibt in Deutschland nur eine Schule, die das anbietet und die ist in Lübeck."

Berufs- und Lebenserfahrung zahlt sich aus

Auch den Entschluss, nach zwei Jahren als Gesellin den nächsten Schritt zu gehen, musste Selina Grässle schnell fassen. "Freitags hat mich mein Chef angerufen und gesagt, es werde die Stelle einer Filialleiterin frei, doch dafür braucht man den Meisterbrief. Bis montags musste ich mich entschieden haben." Im Nachhinein habe sie sich gefragt, warum sie ihren Meister nicht schon früher gemacht habe. "Wobei ich auch merke, dass es mir gutgetan hat, zwei Jahre Berufs- und auch Lebenserfahrung zu sammeln."

Dem kann Thomas Mairhofer nur zustimmen. "Ich denke auch, dass es besser ist, vor der Meisterschule Berufserfahrungen zu sammeln." Er ist einer der Juniorchefs der Schreinerei Mairhofer. Bevor er seine Meisterwürde in Angriff nahm, besuchte er seit 2019 die Schule, um den Holztechniker zu machen. "Es war eine Vollzeitschule, Teilzeit wäre für mich nicht infrage kommen. Das hätte vier Jahre gedauert, der Unterricht hätte abends, samstags und sonntags stattgefunden." Da ihm sein Arbeitsplatz sicher war, war die Entscheidung für Vollzeit einfach.

Lebensgefährte verhindert Prüfungsangst

Der Holztechniker wird auf Teil zwei in der Meisterschule angerechnet. Die Teile drei und vier, Betriebswirtschaftslehre und Ausbilder, waren bei beiden Jungmeistern gleich. "Thomas hat die Prüfungen in diesen Gebieten früher gemacht, so dass ich teilweise seine Bücher nutzen konnte und er mir seine Prüfung zur Übung gegeben hatte", so Selina Grässle. "Auch hat er mir die Angst vor den Prüfungen genommen." Wobei ihr in Betriebswirtschaftslehre zugute kam, dass sie bereits eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau gemacht hatte.

Schwer gefallen sei ihr die Meisterschule nicht, sagt Selina Grässle. "Ich war schon in der Berufsschule gut. Mich hat der Beruf schon immer interessiert." Als Hörakustikerin erfahre man viel Wertschätzung: "Wir helfen den Kunden, dass sie wieder hören können und das macht sie glücklich."

Handwerkliches Arbeiten als zentrale Motivation

Selina Grässle und Thomas Mairhofer schätzen beide dasselbe an ihren Berufen: "Wir machen was mit den Händen, wir sehen, was wir geleistet haben", sagt er. Das sei für ihn auch schon immer die Motivation gewesen, den Beruf von Vater und Onkel zu ergreifen. "Gedrängt hat mich mein Vater nie, doch ich habe schon als Schüler in unserer Schreinerei gearbeitet. Es hat mir immer Spaß gemacht, und deshalb war für mich die Entscheidung, diesen Beruf zu ergreifen, einfach", sagt Mairhofer. "Ich möchte nichts anderes machen."

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