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Putten, chippen, Umwelt schützen auf der Eppinger Gartenschau

Ein Tiger Woods wird aus unserer Redakteurin wohl nicht mehr. Aber dass Golfspielen nur etwas für Polohemden tragende Menschen ist, ist ein Klischee. Auf dem kleinen Platz auf dem Gartenschaugelände können die Besucher bald selbst ausprobieren, ob ihnen der Sport liegt.

Elfi Hofmann
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Putten, chippen, Umwelt schützen auf der Eppinger Gartenschau
Den Ball im Auge behalten: Rainer Gehring erklärt, wie es richtig geht.  Foto: Helmut Melchert

Es sieht so einfach aus: Ball hinlegen, ausholen, Ball treffen und anerkennend nicken, wenn das Runde im Loch landet. Zumindest macht das Tiger Woods - laut Experten einer der besten Golfspieler aller Zeiten - genau so. Der Amerikaner begann angeblich bereits im Alter von sechs Monaten die Bewegungen seines Vaters nachzuahmen. Ich weiß nicht, was ich in dem Alter getan habe; Golfspielen war es nicht.

Training mit dem Geschäftsführer des Golfverbands

39 Jahre später bietet sich aber endlich die Gelegenheit, versteckten Talenten auf den Grund zu gehen: Auf dem Gelände der Eppinger Gartenschau hat der Baden-Württembergische Golfverband (BWGV) ein kleines Green anlegen lassen. Dort wartet Geschäftsführer Rainer Gehring mit seinem Golfbag und hoffentlich viel Geduld in selbigem.

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Doch bevor es ans Eingemachte geht, erklärt Gehring, dass hinter der Anlage mehr steckt, als Menschen für den Sport zu begeistern. "Anlass ist das Pilotprojekt Lebensraum Golfplatz", erklärt er. "Damit sollen möglichst viele Clubs dazu bewegt werden, Artenschutzmaßnahmen umzusetzen." Denn nur zwei bis drei Prozent der Fläche werden intensiv genutzt.

Biodiversität soll gefördert werden

Auf den restlichen Hektar wäre also ausreichend Platz, um Biodiversität zu fördern. 62 baden-württembergische Golfclubs engagieren sich mittlerweile in dem Projekt, 38 werden am 20. Mai bei der Gartenschau für die Umsetzung ausgezeichnet.

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Dass auf dem kleinen Green im hinteren Teil des Geländes nur Rasen in unterschiedlichen Höhen zu sehen ist und eher wenig auf die Förderung von Artenvielfalt hinweist, ist dem starken Regen in den vergangenen Wochen geschuldet. "Das Saatgut wurde einfach weggeschwemmt", erzählt Reiner Gehring. Außerdem drücke das Grundwasser in diesem Bereich so nach oben, dass aus dem Sandbunker ein Wasserloch geworden ist, das noch zugeschüttet werden soll.

Das Ziel sind die Tees

Putten, chippen, Umwelt schützen auf der Eppinger Gartenschau
Ball getroffen und niemanden verletzt: Das Abschlaggreen wird während der Gartenschau mit einem Netz gesichert, um die Besucher nicht durch herumfliegende Bälle zu gefährden. Die wiegen rund 45 Gramm.  Foto: Helmut Melchert

Da wir uns aber treffen, um hinter die Geheimnisse des Golfspielens zu schauen, interessiert der kleine Teich weniger. Mit viel Elan holt Gehring einen Schläger aus seinem Golfbag und drückt ihn mir in die Hand. "Wir putten jetzt", verkündet er strahlend. Linke Hand nach oben, rechte über den linken Daumen, und bloß nicht die Handgelenke hin- und herdrehen. "Der Schwung kommt nur aus den Schultern." Weil noch keine Löcher gesetzt wurden, steckt der BWGV-Geschäftsführer mehrere kleine Tees zu einem Rechteck in den Boden. Die kleinen Stifte werden eigentlich genutzt, um den Ball für den Abschlag aufzulegen. Heute sind sie mein Ziel, dem ich von Schlag zu Schlag immer näher komme.

Das liegt auch an den Korrekturen durch den Experten: "Beine weiter auseinander, Arme leicht anwinkeln, Ball anschauen", ruft er mir zu. Ähnlich läuft es beim Chippen des Balls. Auch hier ist viel Feingefühl gefragt, das ich überraschenderweise zu besitzen scheine. Doch vielleicht ist es auch nur Anfängerglück, das den Golfball in einem kleinen Bogen immer wieder in Richtung der Tees segeln lässt.

Ein Netz schützt die Besucher

Zum Abschluss geht es auf ein quadratisches Feld, von dem aus der Abschlag geübt werden soll. Während der Gartenschau wird um den Abschnitt ein Netz gespannt, damit durch die fliegenden Bälle keine Besucher verletzt werden. Doch bis auf einige Arbeiter, die letzte Hand am Gelände anlegen, ist heute niemand unterwegs.

Vertrauensvoll gibt mir Rainer Gehring einen weiteren Schläger, legt den Ball zurecht und kontrolliert, ob auch wirklich niemand durch die voraussichtliche Flugbahn laufen könnte. "Jetzt den linken Arm lang machen, den rechten anwinkeln, Handgelenke während der Bewegung auch", erklärt er. Wieder soll die Drehung des Oberkörpers Schwung in die Sache bringen. Und tatsächlich: es funktioniert. Der gelbe Ball fliegt durch die Luft. Fast wie Tiger Woods drehe ich meinen rechten Fuß und betrachte mein Werk. Vielleicht ist es ja doch noch nicht zu spät.

Einführungskurs auf der Gartenschau

Putten, chippen, Umwelt schützen auf der Eppinger Gartenschau
Das Golfgreen lädt an Wochenenden sowie an Feier- und Brückentagen zum Mitmachen ein. Dann werden Kurse für Anfänger angeboten.  Foto: Stadt Eppingen

Samstags, sonntags sowie an Feier- und Brückentagen wird von regionalen Golfanlagen zum Informieren und zum Ausprobieren des Golfspiels unter fachkundiger Anleitung auf das Golfgelände eingeladen. Zusätzlich findet zweimal täglich von 11.15 bis 12 Uhr und von 14.15 bis 15 Uhr ein Einführungskurs mit einer Dauer von 45 Minuten für jeweils bis zu acht Personen statt. Dafür ist eine vorherige Anmeldung unter tochtermann@bwgv.de notwendig. Termine unter www.bwgv.de.

 
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