Neue Ganzkörpertraingsanlage in Eppingen-Mühlbach
Im Bürgerpark Mühlbach steht auf Betreiben von Parkour Eppingen jetzt eine hochwertige Calisthenics-Anlage.

Manchmal gehen Dinge trotz Pandemie, Krieg und Zeiten von Materialknappheit schnell. Etwa der Bau der Calisthenics-Anlage im Bürgerpark Mühlbach, die jetzt eingeweiht wurde. Zu verdanken war dieses Tempo vor allem der Hartnäckigkeit einer Frau: Sabine Haider hat als Vorsitzende von Parkour Eppingen alle Hebel bewegt, damit ihr Verein eine solche Übungsanlage bekommt. Sie hat das Konzept dem Mühlbacher Ortschaftsrat vorgelegt, den Leuten von Leader Kraichgau - dem Förderprogramm der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg für den ländlichen Raum, sie hat die Eppinger Stadtverwaltung überzeugt und weitere Unterstützer und Sponsoren gewonnen. Darunter auch die Volksbank Kraichgau Stiftung.
Hier darf jeder trainieren
Vertreter aller Förderer kamen am Freitag zur Einweihung der Anlage und waren voll des Lobs: "Das ist schon etwas Besonderes, was hier entstanden ist", sagte Herbert Meixner, der den verhinderten OB Klaus Holaschke vertrat. Die Stadt Eppingen sei gerne als Co-Finanzierer dabei gewesen. Der stellvertretende Bürgermeister betonte: "Die Anlage steht der ganzen Bevölkerung zur Verfügung, nicht nur dem Verein. Die ist öffentlich."
Selbst weiß der bekennende Nicht-Sportler aber wenig damit anzufangen. "Ich gehe davon aus, dass die, die draufgehen, wissen, was sie machen", zeigte er sich angesichts von an Barren erinnernden Gerätschaften und Hindernisse bildenden Wände skeptisch.
Konzept begeistert - Stadt Eppingen unterstützt Verein
Die Geschäftsführerin von Leader Kraichgau, Dorothee Wagner, lobte ihrerseits die Eppinger Verwaltung: "Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Stadt einen Verein so unterstützt." Denn auch wenn ihre Initiative mit knapp 44.000 Euro 60 Prozent der Nettokosten trage, nutzten diese Gelder nichts ohne die Unterstützung der Stadt. Was die 30 Leute, die bei Leader über die Fördergelder entscheiden, an Haiders Konzept überzeugte, war die Kombination von Kindern, Sport und Bewegung, für die der Parkour-Sport steht.
Das Konzept hat auch Klaus Bieler begeistert. Zudem stelle die Anlage "die erste Trainingsmöglichkeit dieser Art im Kraichgau" dar. Daher, so der Vorsitzende der Volksbank Kraichgau Stiftung "freuen wir uns, dazu beigetragen zu haben".
Mit dem Körper Hindernisse elegant überwinden
"Das hat mich sofort beeindruckt", sagte auch Willi Ernst. Der Vorsitzende des Sportkreises Sinsheim mit 190 Mitgliedsvereinen kannte Parkour zunächst gar nicht. Doch "die Idee, Vorhandenes zu nutzen und mit dem eigenen Körper zu überwinden" hat ihn ebenso überzeugt wie der Ehrenkodex für das Parkour-Training. Die gegenseitige Unterstützung, die sich Parkourläufer, auch Traceur genannt, zusichern ebenso wie Respekt vor privatem und öffentlichen Eigentum, sei hier "nicht nur ein Lippenbekenntnis". Allerdings unterstütze sein Dachverband keine Baumaßnahmen. Aber Jugendarbeit. Haiders Enthusiasmus und Engagement lobte Ernst in den höchsten Tönen.
Grundstückseigentümer fördern Allgemeinwohl
Auch Mühlbachs Ortsvorsteher Theo Antritter hat Sabine Haider als engagiert und hartnäckig kennengelernt. Am 14. November 2019 habe sie ihren Verein im Ortschaftsrat vorgestellt und "seither haben sie uns nicht mehr von der Schippe gelassen". Kritische Stimmen und Bedenken, was etwa mit Jean-Louis Rollins Sandsteinskulptur "Africa" geschehen solle, wurden laut. Gleichzeitig stellte die Anwohnerfamilie Edel umgehend einen großen Teil ihres Gartengrundstücks für die Errichtung der Anlage zu Verfügung und habe damit sogar, so Antritter, "Allgemeinwohl über privates Wohl gestellt".
Nicht bei der kleinen Einweihungsfeier am Vormittag dabei waren die, welche die neuen Gerätschaften am meisten nutzen werden: Von 80 Vereinsmitgliedern sind 72 Kinder und Jugendliche, verriet Sabine Haider. Die waren morgens um 11 Uhr natürlich in der Schule. Doch am Nachmittag erwartete Haider 40 Mitglieder und dazu 40 Nicht-Mitglieder zum Schnuppertraining.
Parkour Eppingen
Die neue, hochwertige Calisthenics-Anlage im Mühlbacher Bürgerpark besteht hauptsächlich aus Edelstahl und hat zehn Jahre Garantie. Alles Material ist wiederverwendbar. Damit die Anlage lange interessant bleibt, sind einzelne Elemente sind austausch- und veränderbar - allerdings mit einem Schlüssel, den der Parkour-Verein verwahrt. In der Sportart Parkour geht es um "die Kunst der effizienten Überwindung von Hindernissen", wie sie Vereinsvorsitzende Sabine Haider kurz definiert: eine Kombination von Leichtathletik und Turnen.
Dabei sollen die Traceur, also die Parkourtreibenden, leicht und elegant wirken. Trainiert wird der ganze Körper. Gleichzeitig geht es bei der Sportart darum, auf die Umwelt zu achten und dort nichts zurückzulassen. Parkour Eppingen ist nicht nur aufgrund seiner überwiegend jugendlichen Mitglieder als jugendfreundlicher Sportverein zertifiziert, sondern auch, weil er aktiv im Bereich von Drogen- und Gewaltprävention wirkt.
Trainiert wird immer freitags zwischen 14 und 18 Uhr. Interessenten finden alle Infos auf der Vereinshomepage www.parkour-eppingen.de.
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