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Eppingen

In Mühlbach ist der Kuckuck los

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Es ist ein alter Frühlingsbrauch der Alemannen, der jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten im Eppinger Stadtteil zelebriert wird: das Kuckucksholen. Beim Umzug in Mühlbach symbolisieren Mehlfrau und Pärchen die Liebe und das Leben.

Von Nicole Theuer
Historisch wichtig und unverzichtbar: Die Schlepperparade im Rahmen des Umzugs.
Fotos: Nicole Theuer
Historisch wichtig und unverzichtbar: Die Schlepperparade im Rahmen des Umzugs. Fotos: Nicole Theuer  Foto: Theuer, Nicole

Es gibt wohl kaum eine Ortschaft in der Region, die die Tradition des Kuckucksholens am Dienstag nach Pfingsten so intensiv pflegt wie der Eppinger Stadtteil Mühlbach. Angelehnt an die Überlieferungen wird der vermutlich auf die Zeit der Alemannen zurückgehende Brauch auch heute noch gepflegt und ist "en vogue" wie schon lange nicht mehr.

"Wir stellen fest, dass von Jahr zu Jahr mehr junge Leute zum Zug kommen und mitlaufen", berichtete Zugführer Tobias Holzwarth stolz. 17 Gruppen konnte er bei seinem dritten Auftritt an der Spitze des Zuges hinter sich vereinigen. Noch vor drei, vier Jahren war die Zahl der Teilnehmer eher rückläufig. "Erfreulich ist vor allem, dass durch die Bank in jedem Verein und in jeder Gruppe Kinder und Jugendliche dabei sind", so Holzwarth.

Spitzenjob ganz vorne im Zug

Er selbst ist mit dem Brauch aufgewachsen und stolz, Zugführer zu sein. "Ich bin immer noch äußerst aufgeregt, aber es ist ein toller Job, an der Spitze des Zuges zu sein." Stilecht in Frack und Zylinder marschierte er vorweg, einzig mit den schweißtreibenden Temperaturen hatte er zu kämpfen. Nur gut, dass er immer wieder grüßend den Zylinder schwenken und so für Entlüftung unter der Kopfbedeckung sorgen konnte.

Ihm auf den Fuß folgten die Turnkinder des VfL Mühlbach mit geschmückten Fahrrädern, danach reihte sich die Feuerwehrkapelle ein, die mit schmissigen Melodien für Unterhaltung sorgte. Für die Musiker sind die vier Feiertage über Pfingsten arbeitsreich, am Samstagabend gaben sie ihr Jahreskonzert in der Bürgerhalle, am Montagabend hatten sie zum Musikfest auf den Schulhof geladen und nun marschierten sie bei großer Hitze durch das Steinhauerdorf.

Spannung, wer hinter der Maske steckt

Während die Mehlfrau (links) zu Fuß gehen muss, wird das Pärchen auf dem Pferdewagen chauffiert. Wer die Symbolfiguren darstellt, wird erst zum Schluss enthüllt.
Während die Mehlfrau (links) zu Fuß gehen muss, wird das Pärchen auf dem Pferdewagen chauffiert. Wer die Symbolfiguren darstellt, wird erst zum Schluss enthüllt.  Foto: Theuer, Nicole

Davon ließen sich die Teilnehmer, darunter auch Oberbürgermeister Klaus Holaschke und Gattin Kerstin, die sich zum Ortschaftsrat gesellt hatten, nicht abhalten. Zuschauer waren in Scharen gekommen und fragten sich gespannt, wer sich unter den Verkleidungen des Pärchens und der Mehlfrau verbergen würde. Bis zur Auflösung mussten sich die Besucher allerdings gedulden: Die Auflösung auf die Frage, wer die Symbolfiguren darstellt, ist das am besten gehütete Geheimnis des Ortes. Erst am Ende des Umzugs erfolgt die Demaskierung.

In diesem Jahr nahmen Mario Knopp und Kim Bauer als Pärchen auf dem Wagen Platz und symbolisierten die Liebe und die Lebenskraft, die der Frühling in den Menschen wachruft. Kraftvoll und anmutig schwang das Pärchen an jeder Haltestelle das Tanzbein und animierten die Zuschauer, mitzutanzen. Begleitet wurde das Pärchen von der ebenfalls verhüllten Mehlfrau, die die Aufgabe hat, das Pärchen, die Liebe und das Leben vor den Blicken zudringlicher Dämonen zu schützen. Stefanie Mack hatte die Aufgabe in diesem Jahr übernommen und flankierte den Pferdewagen zu Fuß.

Vogel ist heutzutage aus Pappe

Sieht blutrünstig aus, ist aber Kult: Die Gruppe der Metzger gehört zum Umzug wie der Eiffelturm zu Paris.
Sieht blutrünstig aus, ist aber Kult: Die Gruppe der Metzger gehört zum Umzug wie der Eiffelturm zu Paris.  Foto: Theuer, Nicole

Da die Menschen aber nicht alleine von Liebe und Luft leben können, gehören auch Vertreter der leiblichen Genüsse zur Tradition. Wirte und Jäger reihten sich ebenso in den Zug ein wie die blutbeschmierten Metzger, die mit ihrer roten Farbe auf Gesicht und Kleidung davon Zeugnis ablegten, dass der Kuckuck erlegt ist. Aufgespießt auf einem langen Holzstab wurde ein Pappexemplar des Vogels in der Mitte des Zuges zur Schau gestellt.

 

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