Eppingen
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Eppinger Kinder sollen sicher zur Schule radeln können

Ein Verkehrsexperte informiert sich bei einer Tour durch die Fachwerkstadt über Schwachstellen und gibt viele Tipps zur Verbesserung des Radwegenetzes

Susanne Schwarzbürger
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Lesezeit 3 Min
Eppinger Kinder sollen sicher zur Schule radeln können
Engagierte Radfahrer zeigten den Grünen-Mitgliedern des Landtags Hermino Katzenstein (Mitte) und Erwin Köhler (2. von rechts) die Schwachstellen in Eppingens Radwegenetz. Foto: Susanne Schwarzbürger  Foto: Schwarzbürger, Susanne

Doch, sie werde wieder aufs Rad steigen, versichert Heidi Callewaert-Zotz. Aber noch nicht heute. Am Montagnachmittag ist die Leiterin des Eppinger Figurentheaters zu Fuß zum Auftakt einer Radtour durch Eppingen mit Radwegecheck auf dem Ludwigsplatz erschienen, um die Devise auszugeben: "Wir kämpfen fürs Klima, aber auch für die Sicherheit. Dafür stehe ich hier als lebender Beweis."

In der Bahnhofstraße, in Sichtweite des Treffpunkts mit den Mitgliedern des Landtags Erwin Köhler und Hermino Katzenstein (beide Grüne), erlitt Callewaert-Zotz im September 2021 einen schweren Unfall. "Auf dem Behindertenparkplatz stand eine Frau, die nicht behindert war", ärgert sie sich jetzt noch, dass das Unglück nicht nur aus Unachtsamkeit, sondern auch gesetzeswidrig verursacht wurde. Die Autofahrerin öffnete just in dem Moment die Tür, als Callewaert-Zotz vorbeiradelte. Mit schweren Folgen: "Ich war bis vor zwei Wochen krankgeschrieben", berichtet das Unfallopfer. "Meinen ersten öffentlichen Auftritt werde ich erst wieder am 12. August haben."

Balance zwischen Verkehrsteilnehmern finden

Der 55-Jährigen "geht es nicht darum, eine Straße für Autos zu sperren. Es geht mir darum, die Balance zu finden." Auto- und Radfahrer sowie Fußgänger sollten gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sein. So wie sie es von mehreren Städten in ihrem Heimatland Belgien kennt. Überwiegend um Sicherheit geht es auch den 15 Teilnehmern der fast sieben Kilometer umfassenden Radrunde, auch wenn die meisten der klimabewussten Grünen-Fraktionsmitglieder aus dem Stadtrat dabei sind. Besonders die Kinder haben sie dabei im Blick. Die sollten nicht nur sicher von der Nordstadt zum Schulcampus südlich der Bahngleise gelangen können, sondern auch zum Kinderhaus auf dem Hellberg.

Radfahren ist auch Lifestyle

"Mein Sohn ist vier, der fährt schon Rad", sagt etwa Andi Mündörfer. Und: "Man macht es Eltern, die den Lifestyle Radfahren weitergeben wollen, nicht einfach."

Da steht die Truppe samt selbst radelnden und im Anhänger transportierten Kids schon am Südring, und einer der schwierigsten Punkte auf dem Weg von der Talstraße zum Schulhügel ist bewältigt: Die Querung der Bismarckstraße: "Das ist die meistbefahrene Straße Eppingens", glaubt Grünen-Stadträtin Brigitte Hilkert. Da sie auch breiter ist als die querende Zeppelinstraße, "wird"s schwierig", meint Katzenstein, dieser die Vorfahrt als Radstraße zu verleihen. Der Verkehrsexperte rät: "Was aber auf jeden Fall gemacht werden sollte, ist eine Ampelschaltung für Radfahrer."

Autofahrer rechnen nicht mit Einmündung

Sehr ungünstig für Radler ist auch, dass es ihnen nicht erlaubt ist, von der Rappenauer Straße Richtung Marktplatz gegen die Einbahnstraße abzubiegen - was viele dennoch tun - das ist schließlich praktisch. Gefährlich ist es auch, weiter nördlich Richtung Kreisverkehr links abzubiegen. Da kommen Autos vom Kreisel, die nicht so bald mit einer Einmündung rechnen.

Vor der Kita am Südring befindet Katzenstein schließlich die Fahrbahn für "ungewöhnlich breit für ein Wohngebiet". Dafür ist der Gehweg recht schmal, Autos parken längs davon. "Fahrer denken beim Aussteigen oft an den Schulterblick, bevor sie die Tür öffnen. Beifahrer meistens nicht." Kindern oder begleitenden Eltern droht hier Callewaert-Zotz" Schicksal.

Blick geht zur Uhr statt zur Straßenmarkierung

Bizarr empfindet der Ortsunkundige auch die unübersichtliche Abbiegesituation von der Waldstraße in den Berliner Ring. Hier vernebelt eine große Standuhr den Überblick.

Ob Tempolimit, Markierungen, breitere Radwege, schmalere Autofahrbahnen und mehr: Die Tourteilnehmer haben nun ein paar Anregungen bekommen, wie die ihnen bekannten Schwachpunkte in den Radverbindungen der Fachwerkstadt behoben werden könnten.

Politik fördert Rad- und Fußverkehr

Hermino Katzenstein engagiert sich als gebürtiger Münsteraner - "Ich bin auf dem Fahrrad geboren" - seit jeher fürs Radfahren, aber auch fürs zu Fuß gehen. Aber der stellvertretende Vorsitzende im Arbeitskreis Verkehr im Landtag gibt zu: "Ich bin kein Verkehrsplaner". Doch kennt er sich mit der Radverkehrspolitik in Baden-Württemberg und dem LGVFG, dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz, aus. Daher hören insbesondere die Grünen Stadtratmitglieder nach der Radtour im Lokal noch interessiert zu. Jetzt geht es um die Theorie. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, sollte jeder zweite Weg zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden. Es gilt, den Typ Radfahrer, der "interessiert, aber besorgt" sei, von der Sicherheit dieses Verkehrsmittels zu überzeugen. Die Grüne Fraktion macht sich eifrig Notizen. Die Informationen dienen als Grundlage für ihre weitere Arbeit im Eppinger Gemeinderat.

 

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