Eppingen
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Eppinger Grundschüler spüren in Singpause Tönen und Takt nach

Musikschule und Chorverband Elsenzgau initiieren Pilotprojekt "Singpause" - Pilotprojekt an Hellbergschule Eppingen.

Susanne Schwarzbürger
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Lesezeit 3 Min
Eppinger Grundschüler spüren in Singpause Tönen und Takt nach
Die Kinder aus der 1a von Beate Mireisz sind mit Eifer dabei, wenn Eileen Pflettscher mit ihnen das musikalische Alphabet do-re-mi-fa-so übt. Foto: Susanne Schwarzbürger  Foto: Schwarzbürger, Susanne

Wenn Eileen Pfettscher an die Tür des Klassenzimmers klopft, ist Pause angesagt. Die Hellbergschüler aus der 1a lassen die Griffel fallen. Doch die Mädchen und Jungen packen kein Vesper aus, stürmen nicht nach draußen. Wenn die Musikpädagogin von der Musikschule Eppingen (Muse) hereinkommt, lernen die Kinder weiter. Nur nicht Mathe oder Deutsch, sondern Musik. Und das so spielerisch, dass sie gar nicht merken, dass es sich um Unterricht handelt: Die Erst- und Zweitklässler der Eppinger Hellbergschule (HBSE) nehmen an dem Pilotprojekt "Singpause" teil.

Zwischen liturgisch anmutendem Wechselgesang zur Begrüßung und dem lustigen "Auto von Lucio", das so oft wiederholt wird, bis die Kinder fast nur noch mit Summ-, Brumm-, Schnalz- und Schmatzgeräuschen und Gesten die Geschichte vom Wagenbesitzer erzählen, der das Loch in seinem Reifen mit Kaugummi flickt, liegen viele spielerische Solmisationsübungen.

ABC der Tonfolge sitzt zwischen Nabel und Mund

Solmi-wie? Solmisation bedeutet, die Töne nach der mittelalterlichen Tonleiter do-re-mi-fa-so-la-ti-do zu benennen, erklärt Muse-Leiter Adrian Fischer. Für die Kinder spielt der Begriff keine Rolle. "Wo sitzt das Do?", fragt sie Eileen Pfettscher. Stühlerücken. Um auf den Nabel zu zeigen, darf man nicht zu nah am Tisch sitzen. Beim Re geht das schon leichter: Die Schüler legen die flache Hand vor die Brust. Mit dem Mi kommen sie auf Lippenhöhe an. Gezeigt, gesungen. Rauf und runter, kreuz und quer klingt es jetzt do-re-mi, mi-re-do durchs Klassenzimmer. Stehend, die Arme auf die Höhe der Töne rudernd.

"Kommt, wir holen unsere Schalen raus", heißt es, als Töne und Kinder (wieder) sitzen. Wer jetzt an Tonschalen denkt, sieht sich vergeblich im Raum um. Die Sechs-und Siebenjährigen wölben die rechte Hand nach unten und nutzen die linke als Schlägel. Denn jetzt geht"s um Rhythmus. Pfettscher pinnt je eine gelbe, blaue und rote Karte an die Tafel, auf denen Striche lange und Punkte kurze Töne symbolisieren. "Erst denken, dann singen" fordert die Pädagogin die Kinder immer wieder auf, wenn sie ihnen "Rätsel" stellt.

Kleinen Dirigentenausbildung ist inklusive

Die Kids sind aufmerksam dabei. Lösen begeistert die gestellten Aufgaben, führen Töne und Rhythmus als Bewegung ohne Gesang aus, zeigen die Melodie mit Gesten und genießen so unauffällig nebenher eine kleine Dirigentenausbildung.

Die "Förderung von Musik" allgemein, nicht nur von Gesang, ist Michael Mireisz ein großes Anliegen. Daher hat der Vorsitzende des Chorverbands Elsenzgau im Februar Kontakt mit Adrian und Carolin Fischer von der Muse aufgenommen und ist mit seinem Vorschlag, in Eppingen eine "Singpause" an Grundschulen zu etablieren, auf Begeisterung gestoßen. Besonders in Nordrhein-Westfalen sei das Projekt bereits seit vielen Jahren sehr erfolgreich an Schulen im Einsatz, weiß Mireisz.

Ganzheitliche musikalische Erfahrung für jedes Kind

"Das ist eine ganzheitliche musikalische Erfahrung, die hier jedes Kind machen darf", betont Adrian Fischer. Chorverband und Muse geht es nicht nur um musikalische Alphabetisierung, es geht auch um Selbstbewusstsein, um emotionale Intelligenz, die mit Musizieren erworben werden. Und ums Fördern sozialer Kompetenzen, der Ausdrucksfähigkeit, es wirkt sich positiv auf die Konzentrationsfähigkeit aus, und es erleichtert die Integration nicht-deutschsprachiger Kinder. "Das hat Vorteile für enorme Kompetenzen und die ganze Schule", meint Mireisz. Adrian Fischer weist auf geplante Konzerte hin: "Das schafft Gruppengefühl."

Mit ihrer Idee liefen die Initiatoren bei HBSE-Leiterin Ulrike Speck offene Türen ein. Und bei der Eppinger Stadtverwaltung. Ob, wie angedacht, einmal alle Eppinger Grundschulen mit allen Klassen daran teilnehmen können, "müssen wir abhängig machen vom Budget", so Schirmherr Klaus Holaschke. Der OB baut aber darauf, genügend Sponsoren zu finden, um weitere Mentoren wie Eileen Pfettscher einsetzen zu können. Für 1500 Euro im Jahr könne man die Patenschaft einer Klasse übernehmen, so Carolin Fischer.

 


Sponsoren gesucht

Nach kurzer Vorbereitungszeit startete der Chorverband Elsenzgau in Zusammenarbeit mit der Musikschule Eppingen (Muse) an der Hellberg-Grundschule das Pilotprojekt "Singpause". Seit nach den Pfingstferien besucht Eileen Pfettscher einmal pro Woche alle Erst- und Zweitklässler auf dem Schulhügel für je 20 Minuten im Unterricht, um die Kinder an Gesang, beziehungsweise die Musik, heranzuführen und durch Singübungen ihre Konzentration zu stärken. Die Kursleiterin für musikalische Früherziehung an der Muse hat sich für das anderweitig schon bekannte Projekt eigens ausbilden die Muse einen Flyer drucken lassen, Schirmherr Klaus Holaschke hofft, genügend Sponsoren zu finden, um die "Singpause" bald an allen Eppinger Grundschulen anbieten zu können. Nach den Sommerferien startet auch Adelshofen in das Projekt.

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