Brass-Tag begeistert die Massen auf der Gartenschau Eppingen
Trotz der Absage der Band Fättes Blech gehen viele Besucher als Fans des Musikstils Brass von der Gartenschau nach Hause. Fünf Bands rocken Eppingen einen ganzen Nachmittag lang.

Der große Brass-Nachmittag war einer der letzten Höhepunkte der Eppinger Gartenschau, die sich langsam ihrem Ende entgegenneigt und in 13 Tagen ihre Pforten schließt. Nachdem der Top-Act des Abends, die Tettnanger Band Fättes Blech, aus gesundheitlichen Gründen ihren Auftritt absagen musste, sprang Cobrass kurzfristig in die Bresche und spielte gemeinsam mit Lentilsbelly, der Allgaier Schlanzlmusi, Dis M und Die Brasserie für die unzähligen Besucher auf.
Musik vom Bodensee
Samstag, am frühen Abend: Auf der Sparkassen-Bühne geben die zehn Jungs von Die Brasserie alles. Laut, melodisch und vor Lebensfreude sprühend, rocken die Musiker vom Bodensee das Zelt. Besucher wie Steffen Gomer sind begeistert, mit einem Daumen hoch signalisiert der Adelshofener, dass ihm der Vortrag gefällt. So wie unzähligen weiteren Besuchern, die die Band vom ersten Ton an im Griff hat. Die Besucher gehen begeistert mit, klatschen, schwenken die Arme und singen die Refrains der Stücke mit. Die sind nur den wenigsten geläufig, denn Die Brasserie überzeugt durchweg mit eigenen Songs und Texten, wie "Am See", einer Hymne an die Heimat Bodensee, oder einem Song für Singles mit dem Titel "Hungriges Herz".
Eigene Songs und Covers in traditionellem Stil
Neben diesen Eigenkompositionen erklingt dann, in einem Arrangement für Blechbläser, der Ärzte-Gassenhauer "Schrei nach Liebe". "Das war fantastisch", findet Leonie Schnaiter. "Ich bin ein großer Fan von Brass-Musik." Das sei wohl ein Erbstück, meint die junge Frau lachend. "Meine Großeltern und auch meine Eltern lieben Blasmusik, nur mit der traditionellen Richtung kann ich wenig anfangen. Da finde ich Brass moderner und vor allem: Zu der Musik kann man einfach richtig gut abtanzen."
Fast zeitgleich mit Die Brasserie spielt Dis M auf der Dieffenbacher Bühne auf. Die drei Musiker aus Bayern rocken den Biergarten und finden schnell neue Fans. "Das ist wirklich gut", stellt Günther Steidel schon nach wenigen Takten fest.
Besucher nutzen vielfältiges Musik-Angebot
Extra wegen des Brass-Tages sind Elias und Aaron Lerche gekommen. "Wir spielen Trompete und Posaune", erzählen die Brüder, "deshalb interessiert uns natürlich, was so gespielt wird, denn wir überlegen, neben unserem Engagement in einem Blasorchester noch eine zusätzliche Beschäftigung zu suchen." Sie seien am Überlegen, "ob wir eine Big Band aussuchen sollen oder doch lieber Brass". Allerdings, bedauert Aaron, "gibt es nur wenige Brass-Bands bei uns in Hessen." Deshalb nutzen sie die Möglichkeit, von Bühne zu Bühne zu wandern und möglichst alle der fünf Bands zu hören. "Leider können wir nicht alle Auftritte ganz anhören, da sich einige überschneiden", bedauern sie. "Aber das ist wohl nicht anders möglich."
Besonders gespannt waren die Hessen auf Dis M und Cobrass. "Wir haben uns im Internet über die Bands informiert und fanden es spannend, dass Dis M auf dem Oktoberfest spielt, was uns zeigt, dass sie gut sein müssen. Von Cobrass haben wir einige Videos gesehen und waren begeistert, was für eine Stimmung die machen." Nur wenig später wird deutlich: Die Erwartungen der hessischen Besucher werden nicht enttäuscht, die Schwarzwälder schaffen es mühelos, die große Bühne zu rocken. "So was habe ich echt noch nicht erlebt", staunt Manuel Goldmann. "Ich bin hergekommen, weil ich neugierig war, was Brass wirklich bedeutet, und war enttäuscht, nachdem ich gelesen habe, dass Fättes Blech nicht kommen kann. Doch Cobrass ist mehr als ein Ersatz, das ist gigantisch."
Alles richtig gemacht, stellt auch Andrea Schindler fest. "Ich bin nur meinem Freund zuliebe mitgekommen. Der ist absoluter Brass-Fan und hat mich überredet." Einen Favoriten kann sie nicht ausmachen: "Jede Band für sich ist Extraklasse, jede ist einen Touch anders, jede individuell und witzig."
Woher kommt Brass-Musik?
Obwohl Brass-Musik in Deutschland sich erst so langsam ins Bewusstsein der Bevölkerung spielt, ist es keine neue Blasmusikbewegung. Bereits vor knapp 200 Jahren entwickelte sich diese Blasmusik-Formation in Großbritannien, die sich dann nach Kontinentaleuropa ausbreitete. Anders als man vermuten könnte, gibt es in Österreich und Deutschland nur wenige Brass-Bands, in den Vereinigten Staaten und Australien genießt Brass dagegen einen hohen Stellenwert. Der Name leitet sich vom englischen Wort brass (übersetzt: Messing) ab. Es wird als Sammelbegriff für Blechblasinstrumente verwendet. red
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