Eppingen
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Bauernmuseum erklärt, wie der Tabak in den Kraichgau kam

Rohrbacher sammelt und restauriert in seinem Privatmuseum historische Werkzeuge und Geräte. Themen sind der Anbau von Tabak und Obst. In der Sammlung gibt es so manchen Schatz und zu entdecken. Die kuriosesten Exponate:

Jörg Kühl
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Lesezeit 2 Min
Bauernmuseum erklärt, wie der Tabak in den Kraichgau kam
Blick in die Tabakscheune: Beinahe jeder Quadratmeter ist mit alten Gerätschaften gefüllt. Fast jedes Exponat hat der Eigentümer des Privatmuseums Klaus Rupp eigenhändig restauriert. Fotos: Jörg Kühl  Foto: Kühl, Jörg

Jeder Gegenstand, den Klaus Rupp anfasst, erzählt eine Geschichte. Gleich am Eingang der aufwendig restaurierten Tabakscheune packt der 69-Jährige einen hundert Jahre alten Eisstock und kommt ins Erzählen. Früher habe es in Rohrbach vier Gaststätten gegeben, die Bier brauten. Zum Kühlen wurden im Winter Stücke mit der Säge aus dem Eisweiher geschnitten und in die Keller der Brauereien transportiert. "Der Tümpel wurde natürlich auch zum Eisstockschießen genutzt."

Das Hauptthema der Privatsammlung ist nicht das Bierbrauen, sondern der Tabakanbau und dessen Weiterverarbeitung. Und das hat auch etwas mit Klaus Rupps Familiengeschichte zu tun. Der Rohrbacher holt dabei bis in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg und örtlich bis zum Comer See aus. Dort nämlich wuchs Francesca de Mayoni auf, eine Landadlige aus der Region Tremezina.

Wie das Schmuckstück des Museums funktioniert

Sie kam nach dem verlustreichen Krieg in den Kraichgau, um beim Wiederaufbau zu helfen. In Rohrbach heiratete sie Michael Rupp, einen Vorfahren des Sammlers und Ahnenforschers. "Die Italiener brachten damals den Tabak mit in den Kraichgau", erläutert der Rohrbacher den ackerbaulichen Hintergrund. Klaus Rupp kennt sich auch im historischen Obstbau gut aus. Seit 33 Jahren ist er im Vorstand des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins engagiert.

In Rupps Privatmuseum befinden sich allerhand Utensilien, die mit dem Tabak zu tun haben. Schmuckstück ist eine Maschine, die das Aufknüpfen der Tabakblätter zum Trocknen erleichtert. Der gelernte Werkzeugmacher hat den Apparat komplett auseinandergenommen und wieder zusammengebaut. Heute schnurrt das hundert Jahre alte Maschinchen wieder wie neu. "Ich mag kein Museum, in dem alles still steht und in dem man alles nachlesen muss", so der passionierte Sammler, der bis zu einer gesundheitlichen Zäsur als Lokomotivführer bei der Bahn arbeitete. Mit dem erzwungenen Vorruhestand hatte der damals 55-Jährige die Chance ergriffen, seinen Traum eines privaten Bauernmuseums zu erfüllen.

Bauernmuseum erklärt, wie der Tabak in den Kraichgau kam
Klaus Rupp inmitten seiner Schätze: Unter der Decke hängen historische Eggen.  Foto: Kühl, Jörg

Was den Sammler an der historischen Agrartechnik besonders fasziniert

Rupps ältestes Exponat ist eine Egge, die aus der Zeit um 1700 stammt. Der Rahmen des Geräts ist aus robuster Eiche, die Zinken aus der langfasrigen Akazie. Die Zinken wurden in Überlänge in den Rahmen gesteckt und konnten je nach Abnutzungsgrad einfach nach unten nachgeschoben werden. Es sind solche Finessen der Vorfahren, die Klaus Rupp bewundert. Deswegen demonstriert er gelegentlich auch, wie die alten Werkzeuge funktionieren. Erst kürzlich dengelte er im Rahmenprogramm der Gartenschau an der Saftscheune Dutzende von Sicheln.

"Ich sammele die Gegenstände schon seit meinem 30. Lebensjahr", berichtet Rupp. Die Sammlerei sei immer mehr zum Selbstläufer geworden. Leute aus dem ganzen Kraichgau tragen Klaus Rupp historische Sachen an. Manches davon stapelt sich im Innenhof und wartet auf seine Restaurierung. "Inzwischen kann ich auswählen, was ich annehme."

Bauernmuseum erklärt, wie der Tabak in den Kraichgau kam
Auch Schlitten jeder Größe zählen zu der Sammlung des Rohrbachers. Das große Exemplar wurde im Winter für Transporte genutzt.  Foto: Kühl, Jörg

Zeigen, wie der Heuaufzug funktioniert

Den Grundstock hatte die Familie gelegt. Rupps Vater Oskar, geboren 1898, hatte die Landwirtschaft noch mit den "alten Methoden" ausgeübt, wie sein Sohn es nennt. Davon zeugt eine Ackerwalze aus Holz, die damals schon kein Bauer mehr verwendete, außer Oskar Rupp. "Ein Pferd frisst kein Benzin" war einer der Leitsätze des Senioren. Ein Göpel hinter dem Haus sorgte für den Antrieb zum Dreschen. "Davon ist leider nichts mehr erhalten", bedauert der Fan alter Techniken. Im osteuropäischen Ausland möchte er versuchen, etwas Vergleichbares zu finden, um es nach Rohrbach zu holten. Auch sonst hat der 69-Jährige große Pläne mit seinem Museum. So will er einen Heuaufzug rekonstruieren, um künftigen Besuchern zeigen zu können, wie man früher mit ausgeklügelter Mechanik Heu in die obere Etage bugsierte.

Kontakt: Bauernmuseum Klaus Rupp, Eppingen-Rohrbach, Telefon 0157 7497 9117

 
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