Unterbringung von Flüchtlingen: Hohenlohekreis noch nicht am Limit
Warum die Sammelunterkünfte seit den wieder steigenden Zuweisungen nie voll ausgelastet waren. Besonders bei den Objekten für die Ukrainer gab es ein stetes Auf und Ab bei der Planung, letztlich waren die Prognosen viel zu hoch gegriffen.

Die Zahl der Flüchtlinge soll in der zweiten Jahreshälfte deutlich steigen. Darauf stellt sich auch der Hohenlohekreis ein. Im ersten Halbjahr 2023 wurden dem Landratsamt weniger Asylbewerber zugewiesen als gedacht, um sie für längstens zwei Jahre in Sammelunterkünften einzuquartieren: nur durchschnittlich 25 statt 35. Die Zahl der Ukrainer, die vom Land geschickt wurden, um in der Obhut des Kreises maximal sechs Monate unterzukommen, ist seit März ebenfalls merklich gesunken: von 46 auf 14. Auch hier sollen die Zahlen wieder nach oben gehen.
Kreisverwaltung ist noch nicht überlastet
Oft ist zu hören, dass die Kreise bei der Unterbringung am Limit seien. Davon kann im Hohenlohekreis noch keine Rede sein. "Wir sind personell, materiell und strukturell in der Lage, die aktuellen Aufnahmen zu bewältigen", erklärt Sprecherin Madleen Federolf auf Stimme-Anfrage. "Die Belastung für die Mitarbeitenden ist hoch, aber noch leistbar." Nur: Weitere Unterkünfte und Fachkräfte zu finden, werde "zusehends herausfordernder".
Im zweiten Halbjahr 2021 war die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge erstmals wieder gestiegen, nachdem sie sich ab 2017 auf einem recht niedrigen Niveau eingependelt hatte. 2022 stieg die Kurve immer weiter an, flachte zur Jahresmitte ab, um bis Jahresende stark zu steigen. Der Grund dafür waren weniger die Ukrainer, die zum größten Teil im privaten Umfeld unterkamen, sondern mehr Asylbewerber: vor allem aus Syrien, Afghanistan und der Türkei. Von Januar bis Juli 2023 gab es keine große Steigerung. Nun spricht alles dafür, dass es bis Dezember wieder viel mehr werden.
Das sind die Belegungszahlen im zeitlichen Vergleich
Zwar stieg die Zahl der untergebrachten Asylbewerber von 271 im Mai 2022 auf 454 Anfang August 2023 an. Doch während schon damals 48 Plätze in elf Sammelunterkünften frei waren, sind es aktuell sogar noch etwas mehr: 55. In den 13 Unterkünften für Asylbewerber sind von den 509 Plätze also lediglich 454 belegt. Bei den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine sind noch viel mehr frei. Im August 2022 standen sechs Unterkünfte mit 390 Plätzen bereit, von denen nur 128 besetzt waren. Ein Jahr später sind von 213 Plätzen in zwei Unterkünften nur 124 belegt.
Insgesamt gibt es also Stand heute 15 Sammelunterkünfte mit 722 Plätzen, von denen nur 578 vergeben sind. Im Januar 2023 waren es 14 Unterkünfte mit 788 Plätzen, von denen 524 besetzt waren, im Oktober 2022 insgesamt 15 Unterkünfte mit einer Kapazität von bis zu 691 Plätzen, von denen nur 402 belegt waren. Und im April 2022 wohnten 275 Flüchtlinge in zwölf Unterkünften, die 496 Plätze boten. Wie kann das sein?
Eine Erklärung ist, dass die Zahl der tatsächlich zugewiesenen Asylbewerber seit Ende 2021 schwankt und die der ukrainischen Kriegsflüchtlinge krass unter den Prognosen liegt. Der Hohenlohekreis wollte gewappnet sein, richtete neue Unterkünfte für Ukrainer her und baute sie wieder zurück, als klar war, dass dem Kreis nicht - wie anfangs vorhergesagt - bis zu 1300 Schutzsuchende zugewiesen werden, sondern nur ein Bruchteil davon. Insgesamt wurden von Kriegsausbruch bis heute 1626 Ukrainer im Hohenlohekreis registriert, aktuell leben noch 1305 hier. Doch davon wohnen nur 124, also 9,5 Prozent, in Sammelunterkünften des Kreises.
Immer "vor der Welle" sein: Das führt unweigerlich zu Leerständen
Die Kreisverwaltung wollte immer "vor der Welle sein". Neue Unterkünfte zu finden, ist aber schwer, und sie herzurichten, dauert seine Zeit. Bis die Objekte bezugsfertig sind, flachen die Flüchtlingszahlen immer wieder ab. Dies führt unweigerlich zu vorübergehenden Leerständen und betrifft vor allem die Unterkünfte für Ukrainer, deren Zuweisungen am unzuverlässigsten sind und am stärksten nach unten korrigiert wurden. Hinzu kommt, dass Ukrainer in der Regel nicht mit anderen Asylbewerbern in einem Trakt untergebracht werden.

Die 13 Unterkünfte für Asylsuchende sind aktuell zu 89 Prozent ausgelastet, die zwei für Ukrainer nur zu 58 Prozent. "Eine Auslastung von 80 Prozent bedeutet im Prinzip eine Vollbelegung, da gewisse Leerstände durch Renovierungen oder Familienkonstellationen nicht vermieden werden können", erklärt Kreissprecherin Madleen Federolf.
Warum ein gewisser Puffer für den Kreis unerlässlich ist
Man reduziere die Wohn- und Schlaffläche zum Teil schon von sieben auf 4,5 Quadratmeter, was prinzipiell möglich sei. "Eine Auslastung von 80 Prozent ist vom Land als Zielvorgabe gesetzt, sorgt aber dafür, dass langfristige Planungen nur sehr schwer möglich sind und immer relativ kurzfristig nach Lösungen gesucht werden muss", fährt Federolf fort. Diese seien aber mitunter teurer oder nicht gewünscht, wie etwa die Belegung öffentlicher Hallen. "Ein Puffer, um die Zuweisungen von mindestens zwei Monaten abdecken zu können, sollte vorhanden sein", sagt sie. Und betont: "Uns erscheint ein Puffer von bis zu sechs Monaten angesichts der unklaren Lage vertretbar."

Der Hohenlohekreis verfügt derzeit über 15 Sammelunterkünfte mit 722 Plätzen. Da die Zuweisungen bis Dezember deutlich steigen sollen, geht das Landratsamt davon aus, "zum Jahresende bis zu 950 Plätze zu benötigen", so Sprecherin Federolf. Der Umbau des ehemaligen Seniorenheims "Im Löwengarten" in Pfedelbach sei genehmigt: "Wir rechnen mit einer Belegung ab Herbst 2023." Der Mietvertrag läuft schon seit 1. Juni, dort sollen über 100 Flüchtlinge Platz finden. Eine Containeranlage in Öhringen mit 48 Plätzen entsteht im Gewerbegebiet "Im Sichert". Die Baugenehmigung sei erteilt, die Einheiten sollen im Winter belegt werden. Die seit Juni 2022 umgebaute Gewerbehalle in Schwabbach mit 73 Plätzen wurde im Juli 2023 erstmals belegt. Dort wohnen aktuell 23 Flüchtlinge.


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