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Warum nicht alle Waldbesitzer in der Region von den Rekord-Holzpreisen profitieren

Der Weltmarktpreis für Bauholz ist aktuell auf Rekordhoch, die Borkenkäfer-Saison beginnt in diesen Wochen: Wie ist die Lage in den hiesigen Wäldern - und bei deren Bewirtschaftern?

Christian Nick
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Lesezeit 3 Min
Warum nicht alle Waldbesitzer in der Region von den Rekord-Holzpreisen profitieren
Ein Rest von Nadelbaum: Das wichtige Bauholz wird zunehmend rarer.  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Es ist eine Achterbahnfahrt: Nachdem die Preise für Nadel- und Laubholz bis 2020 drei Jahre lang wegen Hitze, Sturm und Schädlingsbefall im Keller gewesen waren, sind sie mittlerweile - nach einem ersten Hoch vor einem Jahr - in Gipfellagen geklettert. Bauboom, recht geringe Mengen auf dem Weltmarkt und hohe Nachfrage in den USA: Die Erlöse sind derzeit mit über 100 Euro pro Festmeter im Nadelholz-Sektor äußerst lukrativ und sorgen für freudige Mienen bei vielen Waldbesitzern.

 

Doch nicht alle alle profitieren gleichermaßen von der Marktentwicklung: Große regionale Player - wie das Kreis-Forstamt, das sich um die kommunalen Wälder kümmert, und die landeseigene Forst BW, welche den hiesigen Staatswald bewirtschaftet - können große Mengen anbieten und daher die guten Preise erzielen. Doch bei den auch im Hohenlohekreis aufgrund des historisch gewachsenen Prinzips der sogenannten schwäbischen Realteilung existenten zahlreichen Besitzern kleinerer Waldgebiete, die oft nur ein oder zwei Hektar groß sind, sieht das anders aus: "Da sind wir hier im Kreis etwas benachteiligt", bestätigt Thomas Maier, Leiter des Kreis-Forstamts.

Kleine sind finanziell auf dem Holzweg

Denn: Wer eigenständig nur geringe Mengen auf den Markt bringen will, zieht gegenüber großen und oft auch global agierenden Abnehmern den Kürzeren - und bekommt weniger Geld ins Portemonnaie. "Daher versuchen die hiesigen kleinen Besitzer über den Zusammenschluss in vier Forstbetriebsgemeinschaften - das sind Zusammenschlüsse von Waldbesitzenden, die dann in Gemeinschaft stark sein können - diesen Mangel auszugleichen", sagt der oberste Forstbeamte des Hohenlohekreises. "Rund ein Drittel bis die Hälfte" aller Hohenloher Privatwaldbesitzer sind nach seinen Angaben bereits bei einer der Organisationen dabei.

 

"Die Kleinen tun sich natürlich schon schwerer", berichtet auch Jörg Kraushaar, Chef des Ressorts "Technische Produktion und Holzverkauf" im hiesigen ForstBW-Bezirk Tauberfranken, welcher auf 85 Quadratkilometern von der bayrischen Landesgrenze bis fast nach Heilbronn reicht. Deshalb seien die Zusammenschlüsse eine gute Sache, um durch den Verkauf größerer Gesamtmengen zu profitieren.

Die aktuelle Rallye des Holzpreises werde sich aus seiner Perspektive indes nicht noch sehr lange fortsetzen: "Der Zenit ist sicher erreicht", so der Experte. Ob angesichts der Einnahmen deswegen in der Waldenburger Zentrale des Forstbezirks schon goldene Zeiten angebrochen sind? "Man muss es immer gegenüberstellen: Wir hatten ja in den vergangenen Jahren große Schäden und mussten zahlreiche Flächen wieder aufforsten. Da geht momentan viel Geld rein."

Alles schaut auf die Witterung

In der Tat: Die Hitze- und Borkenkäfersommer seit 2018, welche Forstbezirks-Chef Roland Hartz des Öfteren schon frank und frei "Katastrophenjahre" nannte, haben Tribut gefordert. "Endlich kommen wir jetzt in den Bereich schwarzer Zahlen", sagt sein Kollege Kraushaar. "Das entspannt die Lage deutlich."

Ein wesentlicher Preistreiber war und ist der weltweite Bauboom. Machen sich die beiden Fachleute Sorgen, dass ebendieser wegen der jüngst von der Europäischen Zentralbank angekündigten Zinswende perspektivisch enden - und damit auch die Preise wieder in Richtung Keller rauschen könnten?

Warum nicht alle Waldbesitzer in der Region von den Rekord-Holzpreisen profitieren
Aktuell gibt es − wie hier bei Sindringen − zwar wieder Schadholz, aber deutlich weniger als in den "Katastrophenjahren" zuvor. Die Preise gehen durch die Decke. Was Häuslebauer ärgert, freut Waldbesitzer. Doch nicht alle partizipieren. Fotos: Tscherwitschke  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Nein, sind sie sich beide einig: "Wir als Volkswirtschaft brauchen Holz", so der Kreis-Forstamts-Chef. "Natürlich kann es sein, dass sich die Zins-Sache auf den Hausbau insgesamt auswirkt. Aber dass Holz mittel- oder langfristig nicht mehr gefragt ist: Da mache ich mir keine Sorgen." Denn: Holz sei, egal in welcher Form letztlich verbaut, eine Form langfristiger CO2-Speicherung. Und dieser Aspekt werde im Zuge des wachsenden ökologischen Bewusstseins eben immer wichtiger. Bauholz - das bekanntlich insbesondere von der Fichte stammt - werde in der näheren Zukunft in der Region jedenfalls noch nicht knapp, sagt Forst-BW-Vertreter Kraushaar.

Wichtig ist jedoch, dass der in den Startlöchern sitzende Sommer einigermaßen mild und vor allem feucht wird, so dass nicht wieder riesige Bereiche durch Trockenheit und Schädlingsbefall absterben. In diesen Wochen beginnt die Borkenkäfersaison. "Gerade geht es richtig los: Der Käfer hat sich eingebohrt, er braucht jetzt vielleicht noch drei Wochen, bis er ausfliegt", weiß Experte Kraushaar. Eine Prognose, wie groß der Befall dieses Jahr wird, sei aber aktuell noch schwierig.

Wo das regionale Holz hingeht

Das in Hohenlohe geschlagene Holz wird überwiegend an regionale Sägewerke verkauft, wo es marktfertig geschnitten und aufgearbeitet wird. Doch was passiert danach damit? "Wo diese Betriebe ihre Absatzmärkte haben, entzieht sich unserer Kenntnis", sagt Forst-BW-Mann Jörg Kraushaar. Es werde jedenfalls nicht mehr so viel exportiert wie noch früher, ein Teil des Hohenloher Laubholzes geht seinen Angaben zufolge aber per Schiff nach Übersee. "Wir haben aber zum Glück auch noch regionale Firmen, die wir mit Laubholz beliefern", sagt sein Landkreis-Kollege Thomas Maier.

 
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