Forchtenberg
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Verweis auf Weiße Rose spaltet Gemüter bei Querdenker-Demo

Das Motto der Kundgebung der Heilbronner Gruppe Querdenker 713 auf dem Forchtenberger Sportplatz ruft Gegendemonstranten auf den Plan. Zwischen 350 und 500 Menschen nehmen an der Demo teil. Alles verläuft friedlich.

Bettina Hachenberg
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Querdenker-Demo in Forchtenberg: Verweis auf die Weiße Rose spaltet Gemüter
Die Gegendemonstranten lassen keinen Zweifel an ihrer Meinung.

"Zu Ehren der Weißen Rose in Forchtenberg, dem Geburtsort von Sophie Scholl" ist die Kundgebung überschrieben, zu der die Heilbronner Gruppe Querdenken 713 am Samstag aufgerufen hat. Dieses Motto sorgte schon im Vorfeld für Unverständnis und einigen Unmut, vor allem auch unter Forchtenbergern. Hatten die Geschwister Scholl und weitere Mitglieder der Weißen Rose doch im Widerstand gegen das mörderische Naziregime ihr Leben verloren.

Kritik an Instrumentalisierung der Geschwister Scholl

So finden sich um 12.30 Uhr rund 60 Menschen auf einer Wiese neben der Geschwister-Scholl-Schule für eine einstündige Gegendemonstration zusammen. Nicht nur, weil sie befürchten, dass sich Rechtsextreme unter die Querdenker-Teilnehmer mischen. Vor allem wenden sie sich gegen eine Instrumentalisierung der Geschwister Scholl. Am Rande steht auch Ulrich Karle, stellvertretender Bürgermeister von Forchtenberg. Über alles andere könnte man geteilter Meinung sein, aber "es ist eine Frechheit, dass man die Kundgebung unter das Motto zu Ehren der Weißen Rose stellt", sagt er der HZ auf Nachfrage.

Querdenker-Demo in Forchtenberg: Verweis auf die Weiße Rose spaltet Gemüter
Vielbeachteter Redner: Julian Aicher, Neffe von Sophie und Hans Scholl.

Die Polizei ist unter Leitung von Alexander Kohler, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Künzelsau, mit einigen Einsatzkräften vor Ort. Bis auf ein paar kleinere verbale Scharmützel zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten, wie Kohler später bilanziert, und ab und an nötigen Hinweisen, sich an die Abstandsregeln zu halten, wird die Kundgebung friedlich verlaufen. Für diese sind auch 44 Ordner im Einsatz.

In Sorge um Grundrechte

Zwischen geschätzt 350 (Polizei) und 500 (Veranstalter Alexander Stängle von Querdenken 713) schwankt die Zahl der Menschen, die an diesem Nachmittag ab 13 Uhr auf den Sportplatz neben der Geschwister-Scholl-Schule kommen. Vom Senior bis zum Kind sind alle Altersgruppen dabei, darunter viele Familien. Die Redner wechseln sich mit Musikbeiträgen ab, teilweise erinnert das Ganze an ein fröhliches Happening - hätte es nicht einen so ernsten Hintergrund.

Viele der Querdenker fühlen sich in der Corona-Pandemie durch die strengen Auflagen, mit denen Covid 19 bekämpft werden soll, in ihren bürgerlichen Freiheitsrechten eingeschränkt, ziehen wissenschaftliche Studien zum Virus in Zweifel, halten mit anderen wissenschaftlichen Studien dagegen, stellen Fragen. Viel Aufmerksamkeit - darunter auch eines Fernsehteams des SWR - zieht Julian Aicher (62) aus Leutkirch auf sich. Gehört der Neffe von Hans und Sophie Scholl doch zu den Rednern.

Scholl-Neffe sorgt sich um Grundrechte

Querdenker-Demo in Forchtenberg: Verweis auf die Weiße Rose spaltet Gemüter
Die Reden, die sich mit Musikbeiträgen abwechseln, erhalten viel Beifall. Geschätzt zwischen 350 und 500 Menschen sind zur Kundgebung gekommen. Fotos: Hachenberg

"Ich bin hier als Bürger der Bundesrepublik Deutschland, der die Sorge hat, dass die Grundrechte abgeschafft werden", erklärt er. Selbst schon bei zahlreichen Kundgebungen dieser Art gewesen, habe er dort noch nie Rechtsradikale gesehen. Aicher schließt mit einem Zitat von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Grundgesetz, in dem jener bürgerschaftliches Engagement einfordert.

Unter denen, die die Kundgebung auf dem Sportplatz-Rasen sitzend aufmerksam verfolgen, ist die Forchtenberger Stadträtin Erika Groschup. Die 66-Jährige will sich informieren, interessiert sich vor allem für die Vorträge der Ärzte wie Professor Sucharit Bhakdi. Sie finde es nicht gut, dass man von vornherein alles so abtue. Jedes Ding habe zwei Seiten. "Ich habe allerdings das Gefühl, dass viele Forchtenberger auf der Gegendemo sind", meint sie.

Stellungnahmen örtlicher Politiker

Im Vorfeld hatte es zum Motto der Querdenker-Demo in Forchtenberg auch Stellungnahmen örtlicher Politiker gegeben. "Ich halte es für unverschämt, dass sich selbsternannte Querdenker hinter einer mutigen Frau wie Sophie Scholl verstecken, die in einem verbrecherischen Regime den Weg des Widerstands wählte", unterstreicht CDU-Landtagsabgeordneter Arnulf von Eyb. Grünen-Bundestagsabgeordneter Harald Ebner befürchtet, dass aus dem Unmut über die Einschränkungen ein Feuer der Wut entfacht werden soll. "Und genau daraus können die unmenschlichen Zustände entstehen, gegen die Sophie und Hans Scholl sich gewehrt haben."

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