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Tourismus-Allianz im Norden verspricht viele Vorteile

Von Hohenlohe bis Rhein-Neckar: So bewerten die sieben Partner den Zusammenschluss, der bis Mitte des Jahres in die Gründung einer neuen Dachorganisation münden soll.

Ralf Reichert
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Lesezeit 3 Min
Touristikvermarkter wollen Dachorganisation für den Norden Baden-Württembergs gründen
Radwege kennen keine Landkreisgrenzen. Deshalb will sich der neue Nord-Verbund im Land künftig als "exzellente Radregion"positionieren.  Foto: Tscherwitschke

Der Norden Baden-Württembergs rückt touristisch enger zusammen. Bis Sommer 2023 soll eine Dachorganisation gegründet und eine eigene Geschäftsstelle eingerichtet sein. Die sieben Partner unterzeichneten am 16. Januar eine Absichtserklärung auf der CMT. Wie begründen sie diesen Schritt? Welche Erwartungen und Ziele verbinden sie damit? Die sieben kommunalen Entscheider haben sich auf der Pressekonferenz in Stuttgart wie folgt geäußert.

"Wir sollten uns nicht länger verzetteln"

TG Hohenlohe: Der Hohenlohekreis sei "sehr an Kooperationen" interessiert. Ein Hauptgrund für das Gelingen sei, "dass heute andere Akteure am Werk sind", meint Erster Landesbeamter Gotthard Wirth, der Landrat Matthias Neth als Vorsitzender der TG Hohenlohe vertritt. Er nennt Schwäbisch Halls OB Daniel Bullinger oder den Landrat des Main-Tauber-Kreises, Christoph Schauder. Immer wieder hatten die Touristiker im Norden sowie in Hohenlohe einen Anlauf genommen, stärker zusammenzuarbeiten. Und stets waren diese Versuche eher halbherzig oder gescheitert.

"Wir sollten uns nicht länger verzetteln und Konkurrenz machen, Touristen interessieren keine Verwaltungsgrenzen." Der Nord-Verbund sei ein "ideales Schaufenster für Hohenlohe". Die Absichtserklärung sei ein "Meilenstein", die Übereinkunft in "sehr kurzer Zeit" gelungen, das persönliche Miteinander gut. Die "große Unterstützung des Landes" habe eine wichtige Rolle gespielt.

"Hohenlohe soll noch sichtbarer werden"

TG Hohenlohe + Schwäbisch Hall: Hohenlohe soll im Tourismusgeschäft noch "sichtbarer" werden, erklärt Halls OB Daniel Bullinger in Vertretung des TG-Chefs Landrat Gerhard Bauer. Die Marke sei "europaweit und deutschlandweit zu klein", als "Puzzleteil" einer vereinten Tourismusregion im Norden werde sie viel besser wahrgenommen. Die beiden Hohenloher TGs würden nun "mehr zusammenwachsen". Im Nord-Verbund könnten viele "Synergien" genutzt werden, etwa bei Digitalisierung und Nachhaltigkeit sowie beim Wissenstransfer. "Mit einem gemeinsamen großen Budget können wir viel mehr große Projekte anstoßen", so Bullinger.

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"Wir müssen uns noch enger vernetzen"

Liebliches Taubertal: "Der Tourismus ist im Main-Tauber-Kreis der Wirtschaftsfaktor Nummer zwei", sagt Landrat Christoph Schauder. Fakt sei: "Wir müssen uns noch enger vernetzen." Die bayerischen Partner des "Lieblichen Taubertals" unterstützten die "engere Kooperation" im Norden Baden-Württembergs, ist Schauder froh, "dieses jahrzehntelange Thema endlich in diesem ersten Schritt abzuräumen". Der Inlandstourismus habe durch Corona einen neuen Stellenwert, davon könne man mit einem "gemeinsamen Marketing" profitieren.

"Urlaubsregionen auch als Lebensräume vermarkten"

Tourismus-Allianz im Norden verspricht viele Vorteile

TG Heilbronner Land: Für Touristen seien Urlaubsregionen "Erlebnisräume" und für Einheimische "Lebensräume". Dieses Bewusstsein müsse geschärft werden, sagt Heilbronns Landrat und TG-Chef Norbert Heuser. Kommunale Tourismusförderung sei in einer wirtschaftlich so starken Region wie dieser "mehr als eine freiwillige Aufgabe", sie diene der "Daseinsvorsorge" und sei "die Querschnittsaufgabe schlechthin". Fachkräfte von außen und die eigene Bevölkerung könnten sich so "noch mehr für unsere Region begeistern, wir müssen diesen Bereich ganz neu denken". In einem gemeinsamen Verbund könne dies noch besser gelingen.

"Belebung des Tourismus ist knallharte Wirtschaftsförderung"

Kraichgau-Stromberg: "Der Wurm soll dem Fisch schmecken und nicht dem Angler", erklärt Martin Wolff, OB der Stadt Bretten, dass noch viel mehr aus Gästesicht gedacht werden müsse. Die Belebung des Tourismus sei "knallharte Wirtschaftsförderung". Der Verbund sei deshalb der richtige Schritt - "unter Beibehaltung der einzelnen regionalen Marken". So könnten "Doppelarbeiten" vermieden und mehr Fördermittel eingeworben werden.

"Wandern und Radfahren, Kulinarik und Wohnmobile verbindet"

TG Odenwald: "Bis jetzt ist es nur eine Unterschrift", warnt Achim Brötel, Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, "dass die Absicht sich erst im Alltag bewähren und mit Leben gefüllt werden muss". Die Allianz sei "eine große Chance, übergreifende Themen wie Digitalisierung, Arbeitskräftemangel und Zielgruppenansprache" noch breiter und passgenauer zu managen. "Wandern und Radfahren, Kulinarik und Wohnmobile": Das seien verbindene Elemente, die einen "Riesenwachstumsmarkt" darstellten.

"Selbstverständlich, mit Nachbarn zu kooperieren"

Rhein-Neckar-Kreis: "Wir haben keine übergreifende Tourismusorganisation", sagt Landrat Stefan Dallinger, sondern einzelne "historisch gewachsene" wie Odenwald, Rheinebene, Bergstraße, Kurpfalz oder Kraichgau. "Es war nie gewollt, sie in eine zu binden." Deshalb sei der politische Rhein-Neckar-Kreis die einigende Klammer. "Für uns ist es selbstverständlich, mit den nördlichen Nachbarn zu kooperieren und voneinander zu lernen."

So lässt sich der neue Nord-Verbund grafisch eingrenzen

Die neue Nord-Allianz hat noch keine offizielle Karte herausgegeben - aus gutem Grund. Die Gebiete der Touristikgemeinschaften überschneiden sich zum Teil und nicht in jedem Kreis sind alle Kommunen Mitglied des Vereinsgebiets. Auch gibt es Mitglieder im angrenzenden Hessen und Bayern. So zerstückelt wie die bisherigen Tourismusaktivitäten waren, so uneinheitlich präsentiert sich auch der nördliche Landesteil in seiner kleinteiligen Verbandsstruktur.

Man kann die groben Abgrenzungen aber trotzdem grafisch darstellen. Auf unserer Karte sind die sechs großen Tourismusdestinationen Baden-Württembergs genauso zu sehen wie die sechs Tourismusregionen mit ihren bestehenden Marken im nochmals separat hervorgehobenen Norden. Auf die dahinter stehenden Kreise haben wir verzichtet. Meist orientieren sich die Gebiete der TGs an den jeweiligen Kreisen. Kraichgau-Stromberg ist ein Verbund von Einzelkommunen und erstreckt sich über mehrere Kreise, der Rhein-Neckar-Kreis hat gar keine zentrale Tourismus-TG.

 
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