Hohenlohe
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RKI studiert lokale Corona-Hotspots: Kupferzell ist dabei

Die Gemeinde Kupferzell im Hohenlohekreis ist einer von vier Orten in Deutschland, die das Robert-Koch-Institut genauer unter die Lupe nimmt. Dort sollen 2000 Einwohner untersucht werden. Das RKI-Team ist ab 18. Mai vor Ort.

Ralf Reichert
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Das Robert-Koch-Institut (RKI) wird den Corona-Hotspot Kupferzell gründlich analysieren. In wenigen Tagen startet eine Studie, die vor allem klären soll, wie viele Einwohner sich tatsächlich mit dem Virus infiziert und bereits Antikörper gebildet haben. Bislang gibt es 111 bestätigte Fälle, von denen fast alle wieder genesen sind. Die Dunkelziffer liegt aber wohl um einiges höher.

Das will die groß angelegte Studie erreichen

"Wir wollen mit der bundesweiten Studie besonders betroffene Orte genauer untersuchen", erklärt Dr. Thomas Lampert, Leiter der Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am RKI, gegenüber der Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung. Das Institut will damit weitere Antworten auf Fragen rund um das Virus und seine Verbreitung finden.

Ermittelt werden soll, wie viele Infektionen ohne Symptome verlaufen sind und "wie sich eine Immunität gegen das Coronavirus im Laufe der Zeit aufbaut", so Lampert. Weiter geht es darum, ob manche Personengruppen häufiger von einer Infektion betroffen sind und wie oft eine Erkrankung so schwer verläuft, dass Menschen im Krankenhaus oder auf der Intensivstation behandelt werden müssen.

Darum ist Kupferzell so geeignet

Ein Kirchenkonzert am 1. März im Teilort Eschental mit mehreren Chören und 250 Teilnehmern war die Keimzelle des Corona-Ausbruchs in Kupferzell und im gesamten Hohenlohekreis, der sich so zu einem der größten Hotspots in Deutschland entwickelte. Eine kleine Gemeinde (rund 6200 Einwohner) mit einem klaren und starken Ausbruchsereignis und einer relativ isolierten Lage im ländlichen Raum: Das passt sehr gut zu den Voraussetzungen der Studie, die insgesamt vier Orte in den Blick nimmt.

 

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Insgesamt 8000 Personen und vier Orte im Blick

Ziel ist, insgesamt 8000 Personen zu testen, davon 2000 in Kupferzell. "Die Stadt Rosenheim ist als nächstes dran", sagt Lampert. Ende Juni soll es dort so weit sein. "Die beiden anderen Orte stehen noch nicht fest. Die Auswahl machen wir von der weiteren Dynamik des Infektionsgeschehens abhängig." Test-Design und Methodik sind überall gleich. Die lokalen Gegebenheiten sollen aber verschieden sein, um ein möglichst breites Bild zu erhalten.

Das ist anders als bei der Heinsberg-Studie

Dies unterscheidet das lokale RKI-Monitoring am meisten von der viel zitierten Heinsberg-Studie des Bonner Forschungsteams um den Virologen Hendrik Streeck, das nur einen Corona-Hotspot untersuchte: die Gemeinde Gangelt. "Von der methodischen Anlage her ist unsere Studie aber ähnlich", so Lampert.

So laufen die Untersuchungen ab

Das 45-köpfige RKI-Team ist ab 18. Mai vor Ort. In den darauffolgenden Tagen beginnen die Untersuchungen, die bis 6. Juni dauern sollen. Erste Ergebnisse werden Anfang Juli erwartet. Davon abhängig sei, "ob wir noch ein zweites oder drittes Mal kommen und Proben nehmen werden".

Die Studienzentren sind in Kupferzell und Eschental. Rund 2000 Bürger wurden über ein Zufallsverfahren beim Einwohnermeldeamt ausgewählt, sie werden in den nächsten Tagen schriftlich eingeladen. Die Teilnahme ist freiwillig. Den Probanden wird der Rachen abgestrichen und Blut abgenommen. Außerdem werden sie zu Symptomen, Vorerkrankungen und dem Gesundheitsverhalten befragt.

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