Kupferzell
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Neuer Entsorgungspunkt für die gesamte Region

Ab Oktober nimmt die Mülldeponie in Kupferzell-Beltersrot schwach belasteten Erdaushub und Bauschutt an. Das kommt auch den Nachbarkreisen zugute.

Ralf Reichert
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Neuer Entsorgungspunkt für die gesamte Region
Die Kreismülldeponie in Beltersrot von oben betrachtet: Der linke Teil wird stillgelegt, der rechte erweitert.  Foto: Nick, Christian

Bauschutt und Erden können erst ab 4. Oktober in Beltersrot entsorgt werden. Der ursprüngliche Termin ab 1. Juli ist nicht zu halten, weil Firmen Lieferprobleme haben und die Besetzung neuer Stellen länger dauert als gedacht. "Das Deponiegelände ist eigentlich startklar. Nur: Wir kommen nicht rein", sagt Sebastian Damm, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft. Das heißt: Der Eingangsbereich samt Zufahrt ist derzeit noch im Bau, die Laster können also nicht abgefertigt werden, weil unter anderem das neue Wiegehaus auf sich warten lässt.

Neuer Abschnitt genehmigt für zwei Deponieklassen

Die Deponie des Hohenlohekreises wird seit Sommer 2020 erweitert. Der neue Verfüllabschnitt direkt neben der alten Hausmülldeponie, die bis Ende 2023 stillgelegt wird, kann Erdaushub und Bauschutt aufnehmen, die zwei Deponieklassen (DK) zugeordnet sind. Die erste beinhaltet unbelasteten Abfall (DK 0), die zweite schwach belastetes Material (DK I). Die erste ist nur für Müll aus dem Hohenlohekreis gedacht, die zweite offen für Anlieferungen von außerhalb.

Neuer Entsorgungspunkt für die gesamte Region
Deponieleiter Michael Freiberg zeigt auf die rechte Hangfläche, wo bis Ende Juni die Zwischenabdichtung zur alten Hausmülldeponie komplettiert wird. Dort wird schwach belastetes Material entsorgt. In den linken Abschnitt kommt unbelasteter Abfall.  Foto: Reichert, Ralf

Eine gemeinsame Entsorgungsregion

"Wenn der Kreistag im Juli die Gebührensätze beschlossen hat, können wir in die Akquise gehen", sagt Damm. "Wir stehen bereits mit allen Nachbarkreisen im Austausch." Sie würden mit dem Hohenlohekreis eine gemeinsame "Entsorgungsregion" bilden, in der die Entsorgungssicherheit für mindestens zehn Jahre festgeschrieben sei.

DK-I-Deponien sind im Land dünn gesät

In Baden-Württemberg gibt es viel zu wenig DK-I-Deponien - im Nordosten des Landes noch gar keine. Deshalb muss etwa der Hohenlohekreis schwach belasteten Bauschutt bis jetzt auf die DK-II-Deponie Vogelsang in Heilbronn fahren. Das macht die Anlieferung nicht nur teurer, weil der Betreiber für Abfall der Klasse DK I die gleichen Preise verlangen muss wie für DK II. Sondern "es macht auch wertvolles DK-II-Volumen kaputt", erklärt Damm. Mit dem neuen Deponieabschnitt in Beltersrot ist dieser Engpass bei der Entsorgung fürs Erste behoben.

DK I bis DK III: Was steckt dahinter?

DK I heißt: Das Material ist schwach belastet. Relevant ist der Anteil an organischen Stoffen, die im Boden weiter arbeiten und sich zu schädlichen Substanzen umwandeln können, sowie an Schwermetallen wie Kupfer, Chrom oder Schwefel. Bei DK II ist der Abfall stärker mit diesen Elementen belastet, bei DK III am stärksten. Mit jeder Stufe steigt der Aufwand der Bodenabdichtung in einer Deponie - und damit der Entsorgungspreis.

Neuer Entsorgungspunkt für die gesamte Region
Die zwei Waagen sind schon eingebaut, das Wiegehaus dazwischen noch nicht, weil es Lieferprobleme gibt. Fotos: Reichert  Foto: Reichert, Ralf

Monopolstellung bis 2025 oder 2026

"Wir haben hier in der Region bis 2025 oder 2026 noch eine Monopolstellung", sagt Deponieleiter Michael Freiberg. Dann werde es voraussichtlich eine weitere Entsorgungsstätte für DK-I-Müll geben: in dem Schwaigerner Teilort Stetten im Landkreis Heilbronn. Bis dahin seien auch die Heilbronner froh, diesen Abfall in Beltersrot abladen zu können. Genauso wie die Kreise Schwäbisch Hall, Main-Tauber und Neckar-Odenwald. Dass Abfall auch von weiter her kommt, glaubt Freiberg nicht. Denn es wäre viel zu unwirtschaftlich und klimaschädlich.

Insgesamt ist Platz für 1,2 Millionen Kubikmeter Müll

Der erste Bauabschnitt der erweiterten Deponie ist ausgelegt auf eine maximale Jahresmenge von 51 000 Tonnen. Das Gesamtvolumen reicht für 550 000 Kubikmeter, in 15 bis 20 Jahren könnte alles voll sein. Danach wäre direkt daneben noch Platz für 650 000 Kubikmeter, dieses zweite Areal müsste dann wieder abgedichtet werden und könnte nochmal zwei Jahrzehnte halten. Wichtig ist also, das Erdmanagement so zu steuern, dass die Deponie möglichst 40 Jahre Müll aufnehmen kann.


Baukosten

Die reinen Baukosten für die Erweiterung der Deponie um einen zweiten Verfüllabschnitt zur Entsorgung von Erden und Bauschutt liegen bei 2,5 Millionen Euro. Um die ehemalige Hausmüll-Deponie direkt daneben bis Ende 2023 stillzulegen, werden 4,2 Millionen Euro fällig. Die Abfallwirtschaft betont, diese Schätzungen seien eine "Momentaufnahme" während der laufenden Bauphase. "Preissteigerungen aufgrund der aktuellen Lage" seien möglich.

 
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