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Hohenlohe stockt mobile Impfteams auf

Der Hohenlohekreis und das Land Baden-Württemberg stocken die mobilen Impfteams deutlich auf, um in allen 16 Städten und Gemeinden des Kreises präsent zu sein. Sie sollen dort jeden Tag Impfstützpunkte anfahren. Die Reaktivierung eines größeren Kreisimpfzentrums ist kein Thema.

Ralf Reichert
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Hohenlohe intensiviert Impfungen in der Fläche
Impfen in der Fläche statt in einem Zentrum: Das ist die Marschroute im Hohenlohekreis. Gemeinsam mit dem Land startet eine Impfoffensive, die den ländlichen Bedürfnissen Rechnung trägt und den Akteuren vor Ort größtmögliche Freiheit lässt. Foto: dpa

Die Impfangebote im Hohenlohekreis sollen deutlich ausgebaut werden. Die Reaktivierung eines größeren Kreisimpfzentrums, wie es bis 12. September in Öhringen betrieben wurde, ist aber kein Thema. Das Landratsamt setzt stattdessen auf den intensiven Einsatz mobiler Impfteams in der Fläche, sprich: in möglichst allen Städten und Gemeinden des Kreises.

Impfteams des Landes sieben Tage verfügbar

Das Land hat die Zahl dieser mobilen Impfteams deutlich aufgestockt. In jedem Kreis sollen kleine, fest verankerte Impfstützpunkte entstehen, die von ihnen angefahren werden.

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Eine Buchung für die Impfstationen in Pfedelbach und Künzelsau ist zwingend erforderlich. Viele Wartende ohne Termin mussten weggeschickt werden.

Wie läuft die Umsetzung? "Das Mobile Impfteam, das vom SLK-Gesundbrunnen in Heilbronn für den permanenten Einsatz im Hohenlohekreis vorgesehen ist, wird ab 1. Dezember sieben Tage in der Woche verfügbar sein", erklärt Sascha Sprenger, Sprecher des Landratsamts, auf Anfrage der Hohenloher Zeitung. "Erste Einsätze werden bereits geplant, um ohne Verzug starten zu können."

Kreise können viel selbst bestimmen

Wie muss man sich das in der Praxis genau vorstellen? "Das Sozialministerium lässt den Kreisen ein sehr hohes Maß an Handlungsfreiheit beim Wiedereinstieg in die Impfkampagne", so Sprenger. Es seien alle Varianten möglich: von großen stationären Lösungen bis hin zu hochgradig mobilen Impfteams.

Damit werde den verschiedenen Gegebenheiten im Land mit Ballungsräumen, mittelgroßen Städten und ländlichen Flächenlandkreisen Rechnung getragen. "Wir begrüßen diese großen Handlungsspielräume ausdrücklich, denn das ermöglicht uns, in enger Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten, dem Hohenloher Krankenhaus, den SLK-Kliniken in Heilbronn und weiteren Akteuren Impfangebote zu schaffen, die den Strukturen des Hohenlohekreises angepasst sind."

Das ist das Zusatzangebot des Kreises

Darüber hinaus wurden alle Kreise vom Sozialministerium aufgefordert, bis 24. November ihren zusätzlichen Bedarf für weitere Impfstationen zu melden, die über dieses erweiterte Landes-Angebot der mobilen Impfteams hinausgehen.

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Der Hohenlohekreis habe fristgerecht geliefert, in einer Videoschalte mit Minister Manfred Lucha seien die Dinge am 23. November präzisiert worden: "Unser Konzept sieht vor, in sehr enger Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten die Angebote der bereits in den letzten Wochen geschaffenen Impfstationen auszuweiten und um mehrere Mobile Impfteams zu ergänzen."

Impfkoordinatorin des Landes nennt Vorteile des Konzepts

Das Konzept des Kreises steht kurz vor der Genehmigung. Katja Schnell, Impfkoordinatorin des Landes und Leiterin der Task Force Impfen im Sozialministerium, konkretisiert auf Anfrage der Hohenloher Zeitung: "Die SLK-Kliniken Heilbronn sind von Landesseite im Hohenlohekreis mit mindestens zwei mobilen Teams unterwegs. Der Hohenlohekreis möchte dieses Angebot um zwei weitere mobile Impfteams aufstocken." Diese sollen an fünf Tagen in der Woche, von Montag bis Freitag, in allen 16 Städten und Gemeinden des Kreises unterwegs sein - "im Rahmen eines festen Tourenplans".

Auf diese Weise seien die Bürger in dieser Phase der Pandemie besser zu erreichen als über ein zentrales Impfzentrum, ist Schnell überzeugt, dass der ländlich strukturierte Hohenlohekreis damit das passgenaue Angebot gefunden habe. "Nicht nur um Drittimpfungen zu verabreichen, sondern auch um Personen zu erreichen, die sich bis dato noch nicht haben impfen lassen."

Amtschef des Sozialministeriums: "Wir haben den Kreisen Prokura gegeben"

Uwe Lahl, Amtschef im Sozialministerium und damit zweiter Mann hinter Minister Lucha, bekräftigt gegenüber der Hohenloher Zeitung: "Wir haben den Kreisverwaltungen jetzt Prokura gegeben, damit sie das machen können, was vor Ort am schnellsten geht."

Wenn jemand ein größeres Impfzentrum aufbauen wolle, könne er dies genauso tun, wie viele kleine Impfstationen in der Fläche einzurichten: "In Stuttgart wurde jetzt in der Königstraße ein großes Impfzentrum errichtet, weil es in diesem städtischen Gebiet Sinn macht. Im ländlichen Bereich ist es sinnvoller, dass man mit mobilen Impfteams über die Dörfer fährt."

Land will alle Kosten tragen

Für den kommunal gesteuerten Aufbau weiterer Impfstützpunkte will das Land alle Kosten übernehmen. "Nach den positiven Erfahrungen beim Kreisimpfzentrum Öhringen gehen wir davon aus, dass das Land erneut zu seiner Zusage stehen wird", erklärt das Landratsamt.

 

Impfzeiten der bestehenden zwei Stationen sollen erweitert werden

Der Hohenlohekreis unterstützt bereits zwei Impfstationen, die niedergelassene Ärzte aufgebaut haben und betreiben: seit 15. November in der Nobelgusch in Pfedelbach und seit 23. November in der Notfallambulanz des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau. "Eine Ausweitung der Impfzeiten ist Teil des Konzepts, das der Hohenlohekreis dem Sozialministerium vorgelegt hat", erklärt das Landratsamt. Dieser Ausbau werde mit Dr. Susanne Bublitz, der Pandemiebeauftragten der Kassenärztlichen Vereinigung im Hohenlohekreis, "als unserer Ansprechpartnerin für die niedergelassenen Ärzte abgestimmt".

Wie ist das Angebot bisher angenommen worden? "Der Betrieb läuft gut. Aufgrund der hohen Nachfrage musste von Impfungen ohne Termin Abstand genommen werden. Die begrenzte Impfstoffmenge lässt nur eine wochenweise Planung zu", heißt es aus dem Landratsamt.

Die beiden Stationen hätten eine Kapazität von rund 60 Impfungen pro Stunde. "In der vergangenen Woche konnten etwa 2000 Impfungen durchgeführt werden: werktäglich etwa 150 pro Standort sowie rund 500 an jedem Standort am Wochenende." Eine Registrierung ist online unter www.impfterminmanagement.de möglich und eine feste Terminvereinbarung zwingend erforderlich. 

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