Hohenlohe
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Finanzielle Spritze für Öhringer Krankenhaus

Der Hohenlohekreis hilft mit 440.000 Euro. Die Corona-Lage in der Klinik bleibt angespannt. Die einseitige Pflege-Prämie des Landes spaltet die Belegschaft.

Ralf Reichert
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Finanzielle Spritze für Öhringer Krankenhaus
Im Hohenloher Krankenhaus Öhringen mussten bis dato noch keine Operationen verschoben werden. Doch die Stimmung in der Belegschaft ist angespannt, die Zahl der Corona-Patienten steigt weiter. Foto: Reichert

Die Bewältigung der Corona-Pandemie stellt den Hohenlohekreis auch finanziell immer wieder vor neue Herausforderungen. Wie der Kreistag am 15. November unter Ausschluss der Öffentlichkeit einstimmig beschlossen hat, erhält die Hohenloher Krankenhaus gGmbH aus der Kreiskasse einen Zuschuss über 440.000 Euro für den laufenden und durch Corona beeinträchtigten Betrieb im Jahr 2021. Finanziert werde diese "überplanmäßige Ausgabe" durch Mehrerträge bei der Grunderwerbsteuer, wie bei der öffentlichen Kreistagssitzung am 29. November im letzten Tagesordnungspunkt verkündet wurde. Bislang hatte nur der Bund coronabedingte Einnahmeausfälle im Krankenhausbereich kompensiert.

Neue Impfkampagne kostet 1,4 Millionen Euro

Corona spielt aber auch im Haushaltsentwurf für 2022 eine tragende Rolle. Weil die Lage so dynamisch ist, haben sich seit der Einbringung des Zahlenwerks "einige Dinge schon wieder rasant verändert", sagt Kreiskämmerer Michael Schellmann. Deshalb präsentiert er bei der Sitzung in Waldenburg eine Änderungsliste, über die am 13. Dezember in Pfedelbach abgestimmt wird. Allein die anstehende Impf-Kampagne unter der Regie des Kreises wird 1,4 Millionen Euro zusätzlich kosten - wobei das Land diese Ausgaben voll erstatten soll.

Thomas Dubowy redet sich in Rage

Auf die Frage von AfD-Kreisrat Anton Baron nach der Zahl von verfügbarem Pflegepersonal auf der Intensivstation des Hohenloher Krankenhauses und Impfdurchbrüchen, die dort behandelt würden, schwillt Thomas Dubowy von den Freien Wählern der Kamm. Auf den Intensivstationen, etwa in Ludwigsburg, lägen nur Ungeimpfte. Impfgegner, die ständig Impfdurchbrüche anführten und "daraus ableiten wollen, die Impfung sei nicht sinnvoll", redeten einen "völligen Quatsch". Es gebe nur eine Chance, die Pandemie zu bewältigen, und das sei die Impfung. 120 Millionen Impfdosen seien allein in Deutschland schon verabreicht worden. "Das ist doch kein Experiment. Wir können uns auch alle auf die Intensivstation legen, das ist dann auch experimentell."

Sorge im Hohenloher Krankenhaus

Im Hohenloher Krankenhaus ist man besorgt. Zuletzt ist die Zahl der Patienten auf der Normal- und Intensivstation gestiegen. Bis auf einen Fall, der nach Bad Mergentheim verlegt wurde, konnten in der vierten Welle alle Patienten in Öhringen behandelt werden. Alle geplanten Operationen wurden bislang durchgeführt, allerdings sind Verschiebungen wohl nur noch eine Frage der Zeit. Deshalb sucht man nach flexiblen Lösungen. "Bei bestimmten Eingriffen kann auch das Anästhesiepersonal aus dem OP die nachoperative Überwachung übernehmen und so die Intensivstation entlasten. Das muss man im Vorfeld planen und steuern", sagt Pflegedirektor Stefan Bort. Diese Maßnahme bereite man gerade vor.

Anspannung im Team ist greifbar

Wie ist die Stimmung im Team? Die Anspannung sei greifbar und verlange allen viel ab. Die allermeisten Beschäftigten in Pflege und Medizin seien zum Glück "Überzeugungstäter". Sie seien pragmatisch und im Pandemiemodus. Für Menschen, die sich trotz aller Warnungen noch nicht hätten impfen lassen, fehle allerdings zunehmend das Verständnis. Kündigungen aufgrund von Corona habe es bislang nicht gegeben. Allerdings hätten einige ihre Arbeitszeiten reduziert. Und dort, wo Mitarbeitende aus Altersgründen oder wegen Schwangerschaft ausscheiden, sei es schwer, die Stellen rasch nachzubesetzen. Intensivpflege benötige eine mehrjährige, qualifizierte Fachweiterbildung, der Arbeitsmarkt sei leer gefegt.

Prämien nur für Intensivpflegekräfte? Das sorgt für Unruhe

Die aktuelle Prämienausschüttung der Landesregierung allein an Intensivpflegekräfte sorge für Unruhe. "Grundsätzlich begrüßen wir die Prämienzahlung für die Pflegekräfte als ein Zeichen der Wertschätzung für die extreme Arbeitsbelastung, unter der die Pflegenden auf den Intensivstationen seit nunmehr 20 Monaten stehen", betont Bort. "Wir hätten uns diese Anerkennung allerdings für die Pflegekräfte auf allen Stationen und darüber hinaus für die Kolleginnen und Kollegen aus allen Bereichen gewünscht, die - alle gemeinsam und jeder in seinem Bereich - die Last der Corona-Pandemie mittragen." Die jetzige Prämie treibe einen Keil in die Gruppe der Pflegenden und spalte die Belegschaft. "Das belastet das Arbeitsklima und die Zusammengehörigkeit, die wir gerade jetzt dringend brauchen."

Corona-Krise und Kreishaushalt

Das Corona-Jahr 2020 nahm für die Kreisfinanzen doch noch ein gutes Ende. Da alle Gewerbesteuerausfälle der 16 Städte und Gemeinden von Bund und Land voll kompensiert wurden, stieg ihre Steuerkraftsumme stark an. Der Wert ist relevant für den Entwurf des Kreisetats 2022, in dem der Hebesatz der sogenannten Kreisumlage von 34,0 auf 31,5 gesenkt werden kann. Diese Zahlungen der 16 Kommunen sind die bei weitem wichtigsten Einnahmequelle des Hohenlohekreises. Weil die Ausgleichszahlungen des Landes und Bundes 2021 wegfallen, rechnet Kreiskämmerer Michael Schellmann für das Haushaltsjahr 2023 damit, dass die Steuerkraftsumme erneut sinkt. Deshalb soll der Hebesatz der Kreisumlage auf 32,5 Prozent steigen und bis 2025 auf diesem Niveau bleiben.

Auch der Kreis muss für sein eigenes Corona-Management vorsorgen, genügend Mittel einplanen und darauf hoffen, das das Land alles erstattet. Der Haushaltsentwurf für 2022 ist von der dynamischen Corona-Lage schon wieder überholt worden. Schellmann präsentierte am Montag im Kreistag eine Änderungsliste, die 1,4 Millionen Euro für die anstehende Impfkampagne des Kreises beinhaltet, über die die HZ am selben Tag exklusiv berichtet hat. Auch das Jugendamt braucht zwei weitere Stellen, weil die negativen Folgen der Pandemie überhand nehmen.

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