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Das Eberbacher Gassenfest kommt in abgespeckter Version

Vom 5. bis 7. August ist es wieder so weit: Das beliebte Gassenfest in Eberbach findet nach fünf Jahren wieder statt. Doch einiges ist diesmal anders: Es gibt kein Camping und nur reduzierte Shuttle-Busse.

Draskovits
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Eberbacher Gassenfest kommt in abgepeckter Version
Die Hüttenfreunde Eberbach mit Vorstand Rainer Baumann (rechts) sind hoch motiviert, ein gutes Gassenfest zu veranstalten.  Foto: Draskovits, Katrin

Müde sieht er aus. Und das sei er auch, bestätigt Rainer Baumann, als er sich am Freitag zum Gespräch mit der HZ zwischen zwei Terminen in den Eberbacher Gassen trifft. "Ich komme kaum noch zum Schlafen", sagt er und ringt sich ein Lächeln ab. Das liegt nicht nur an der kranken Frau und dem kranken Kind zu Hause. Vor allem das - recht kurzfristig - organisierte Eberbacher Gassenfest, das kommendes Wochenende vom 5. bis 7. August stattfindet, führt zur ein oder anderen Sorgenfalte auf Baumanns Stirn. Denn es soll in diesem Jahr eine abgespecktere Version des weit über das 180-Seelen-Dorf hinaus bekannte Fest geben. Vor allem, um den Aufwand zu reduzieren. Wirklich weniger Arbeit ist es dennoch nicht.

Seit über 30 Jahren organisieren die Hüttenfreunde das Fest

Früh im Jahr fangen die Eberbacher Hüttenfreunde - die das Gassenfest vor weit mehr als 30 Jahren ins Leben gerufen haben - normalerweise mit den Planungen an. "Wir haben aber nicht gewusst, wie das mit Corona weitergeht", erzählt Vorstandsmitglied Baumann. "Mit den Maßnahmen von Anfang des Jahres - also registrieren und allem - hätten das Fest keinen Spaß gemacht." Als dann Ende April die meisten Regeln gekippt wurden, "war die Frage, ob das am 1. August immer noch so ist, oder wieder strengere Regeln gelten und wir alles absagen müssen - dann hätten wir ein riesiges Problem gehabt." Und so war in diesem Jahr alles etwas kurzfristiger. Doch dass es stattfinden soll, war klar. "Wir wollen den Jungen etwas bieten, so wie es uns damals geboten wurde", so Baumann. "Das ist eine Verpflichtung, das weiterzugeben."

Doch auf Grund der mangelnden Zeit wird in diesem Jahr einiges anders sein, als es die Gäste gewohnt sind. Der wohl größte Brocken: Es gibt kein Camping. "Wir haben die Genehmigung nicht erhalten", erklärt Baumann. Und auch die "Kulturkutsche" - der Bus-Shuttle, denn der NVH anbietet, fällt reduzierter aus. "Wir fahren nur die Orte an, in denen Vereine sind, die uns immer unterstützt haben", erklärt Baumann. Deshalb sein Tipp: "Den ersten Bus nutzen, damit keiner stehen bleibt, denn wir haben mit diesem neuen Konzept noch keine Erfahrungswerte." Ein Nebeneffekt: "Dieses Jahr werden etwa 2000 bis 3000 weniger Leute mit dem Bus fahren, das reduziert ja schon die Gästeanzahl", erklärt Baumann. Denn in der Vergangenheit, so die Hüttenfreunde, hätte es schon Gassenfeste mit 15.000 bis 20.000 Besuchern gegeben. "Das ist vermutlich schon ein paar Jahre her", sagt Baumann lachend. "Aber Samstag ist immer viel los." 6500 zahlende Gäste seien es an diesem Tag oftmals.

Veränderte Locations

Eberbacher Gassenfest kommt in abgepeckter Version
Das letzte Gassenfest war 2017. Doch auch wenn 2022 einiges anders sein wird, sind die Hüttenfreunde sicher, dass es wieder ein voller Erfolg wird. Foto:Archiv/Seidel  Foto: Seidel

Die Locations haben sich in diesem Jahr ebenfalls etwas gewandelt. So fällt die Inselwiese weg, es gibt jetzt die Jagstbühne. "Das war 2017 schon geplant. Die zeigt in Richtigung Zentrum, also zur Gasse." Denn alles wurde alles um die Gassenbühne herumgebaut. "Von dort ging es dann nach außen".

Mitten im Gespräch klingelt Baumanns Handy. "Ein Caterer", sagt er und reicht das Handy weiter. Denn das ist das nächste Problem in diesem Jahr: Essensanbieter zu finden, ist schwer. "Wir haben mit 30 bis 40 Anbietern gesprochen", sagt Baumann, "viele sind im Urlaub, andere bis weit ins nächste Jahr hinein ausgebucht." Und so stehen beim Gespräch zwar noch nicht alle Essensstände fest, Wildstand, Flammkuchen, Äppler und Cider wird es aber auf jeden Fall geben. Auch das Programm am Sonntag fällt anders aus. Es wird keinen Mittagstisch geben. "Da wurde jemand krank, deshalb fängt es Sonntags erst um 14 Uhr an." Dafür gibt es eine Spielstraße für Kinder und einen Clown.

"Ganz früher war das Gassenfest sehr familienorientiert, dort geht es irgendwie wieder hin - vielleicht auch, weil viele von uns jetzt selber Kinder haben", sagt Baumann lachend. Was es allerdings nicht geben wird sind leere Bühnen, verspricht Baumann. Um das Programm hat sich Vorstandskollege Simon Wieland gekümmert. Und das verspricht - wie gewohnt - zahlreiche großartige Acts. Freitags beginnt es mit The Originators aus Amsterdam, Extasy Pure Rock sind im Anschluss auf der Gassenbühne. Auf der Bühne am Berg gibt es den Newcomer-Abend. Highlight: die Punkband Liedfett aus Hamburg, die Samstagabend auf der neuen Jagstbühne spielt.

Gassenfest-Mythos in klein

"Wie kommuniziert man nach außen, dass der Gassenfest-Mythos kleiner ausfällt, ohne es schlecht zu reden?", fragt Baumann abschließend. Denn dass es dennoch großartig wird, davon sind die Hüttenfreunde überzeugt. "Ich hoffe einfach, dass uns niemand böse ist, wenn es kleine Lücken gibt oder irgendetwas nicht funktioniert", baut Baumann vor.

Neben dem weggefallenen Campingplatz, dem verringerten Bus-Shuttle-Angebot und einem leicht veränderten Bühnenkonzept ist auch das Eintrittskonzept neu. So besteht Freitag die Möglichkeit, ein Zweitagesticket zu kaufen. Auch das soll Aufwand reduzieren und besser steuerbar machen, wie viele Gäste anwesend sind. Wie teuer der Eintritt wird, wird sich im Laufe der kommenden Woche zeigen, erklärt Baumann. "Mit fünf Euro werden wir wohl nicht hinkommen."

Alle Informationen - von den konkreten Shuttle-Bus-Zeiten bis zum Lageplan und dem Programm werden ebenfalls im Laufe der Woche auf der Website unter www.gassenfest.de zu finden sein. Auch auf ihrer Instagram und Facebook-Seite teilen die Hüttenfreunde regelmäßig Neuigkeiten. Im Verein sind derzeit 130 Mitglieder, viele kommen aus den umliegenden Teilorten. "Etwa zehn davon sind voll in die Organisation des Gassenfestes eingebunden", erklärt Baumann. Und der engagierte Nachwuchs wird gerade in die Gassenfest-Tradition eingeführt.

 
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