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Aschhäuser Nachtwächter starten mit erster Prunksitzung in die Saison

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Die Schöntaler Faschingshochburg Aschhausen präsentiert sich nach der Corona-Pause gewohnt ausgeschlafen mit einfallsreichem Programm.

Schlumpfhausen in Aschhausen: Mit einer verspielten Choreographie tanzen sich die Schlümpfe durchs Gemeindehaus.
Fotos: Tamara Ludwig
Schlumpfhausen in Aschhausen: Mit einer verspielten Choreographie tanzen sich die Schlümpfe durchs Gemeindehaus. Fotos: Tamara Ludwig  Foto: Ludwig, Tamara

Die unliebsame Corona-Bettruhe ist vorbei, die Aschhäuser Nachtwächter haben Laterne, Nachthemd und die rot-karierte Schlafmütze wieder ausgepackt. Ausgeschlafen wie eh und je tun sie das, was sie am besten können: die Nacht zum Tag machen. Das Publikum im brechend vollen Gemeindehaus St. Georg folgt ihnen bereitwillig, jubelt, klatscht, schunkelt und singt. Die Garde schwingt grazil die Beine, während die Bühne im Takt mit zu wippen beginnt. Alles ist in Bewegung, Saal und Bühne beben, als wäre es nie anders gewesen.

Von Aschhausen geht es nach Schlumpfhausen, wo die blauen Wesen mit Schirm, Charme und Rhythmus dem Netz des Schurken Gargamel enttanzen. Bezaubernden Bogenschützinnen folgt das Publikum in Robin Hoods Sherwood Forest und die Flugbegleiterinnen von "Nachtwächter Airlines" verpacken eine Weltreise in wenigen Minuten in ein leichtfüßiges Abenteuer. Weniger leichtfüßig, aber nicht minder umjubelt, präsentieren sich die Tänzer der Männergarde als Cowboys im Wilden Norden Hohenlohes.

Die Musiker der Blaschdichgugge mischen sich unters Volk und spielen auf den Tischen zwischen der feiernden Menge.
Die Musiker der Blaschdichgugge mischen sich unters Volk und spielen auf den Tischen zwischen der feiernden Menge.  Foto: Ludwig, Tamara

Pandemie kann Narren-Gen nichts anhaben

Die Pandemie scheint dem Aschhäuser Narren-Gen jedenfalls nichts anhaben zu können. Genauso wenig wie die Mikrofon-Technik, die sich wohl noch im Ruhestand wähnt und hin und wieder ihren Dienst versagt. Möglicherweise ist auch die Vibration von rund 130 Zwerchfellen zu viel des Guten. Denn die Akteure lassen es unbeirrt krachen. Kaffeebecher und Bierflaschen werden zu Rhythmusinstrumenten, ein Sketch zeigt, wie Margarine statt Gesichtscreme, Tomatenmark statt Lippenstift, Maggi statt Parfüm oder auch Mehl statt Puder zu alternativen Schönheitsprodukten werden. Frau von Welt, Pardon, Frau vom Dorf, muss schließlich nehmen, was Bauer in seinem Korb hat.

Von Unglücksraben und fehlender Fachkompetenz

Waltraut (Michael Kilian, rechts) behandelt den unfreiwilligen Patienten.  Foto: Ludwig, Tamara

Apropos Dorf(tratsch): Da hört man von einem Unglücksraben, der sich im eigenen Klo einsperrte, von Kühen im Vorgarten und von Jugendlichen, die bei einer Party - die Redaktion schnauft an dieser Stelle kurz tief durch - die frisch gelieferten Zeitungen verbrannten, um ein Feuer zu entfachen. Erste Hilfe hätte wohl Waltraut (Michael Kilian) mit ihrem Gatten (Georg Deißler) leisten können. Das geschieht allerdings nicht zwangsläufig in beiderseitigem Einvernehmen, wie ein Besucher am eigenen Leib in instabiler Seitenlage erfahren muss. An der Fachkompetenz der schlagfertigen Waltraut kommen da berechtigte Zweifel auf.

Ganz anders Michael Kilian selbst, der mit gewohnter Bühnenpräsenz und humoristischem Talent das Publikum von den Stühlen holt. Als Dirigent der wild glitzernden und blinkenden Guggenmusik namens Blaschdichgugge - gehüllt in Kühltüten bekannter Discounter - feiern die Gäste mit ihm "Atemlos" bis die Ärzte kommen und die Blaschdichgugge sich selbst zum Ausmarsch bläst.

Einen Aufmarsch plant dagegen die Protest-WG. In grandios überspitzter, pseudo-intellektueller Attitüde diskutieren sie über die Gemeindefinanzen von Schöntal. Die Lösung: die europäische Zentralbank sprengen. Denn: Wenn alle finanzschwach sind, dann gibt es keine Finanzschwachen mehr. Logisch, oder?


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In närrischer Glückseligkeit singen die Nachtwächter nach vier Stunden Programm schließlich "Aschhausen gibt's nur einmal, auf dieser schönen Welt." Das stimmt zwar nicht ganz, denn in Niedersachsen existiert der Ortsname ein weiteres Mal. Die Nachtwächter aber, die sind einzigartig.

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Eine schweigsame Truppe hat es sich hier auf der Bühne bequem gemacht − und sorgt für lautes Gelächter: Wenn man nichts anderes zur Hand hat, kann man schon mal zu Mehl statt Puder greifen.
Eine schweigsame Truppe hat es sich hier auf der Bühne bequem gemacht − und sorgt für lautes Gelächter: Wenn man nichts anderes zur Hand hat, kann man schon mal zu Mehl statt Puder greifen.  Foto: Ludwig, Tamara

Der erste Fasching in Aschhausen war ein Zufallsprodukt. Eigentlich hat der Gesangverein in der Narrenzeit Theater gespielt. Doch damals sind plötzlich zu viele Frauen ausgefallen. Kurzfristig schreibt Bruno Schiemer, langjähriger Vorsitzender der Nachtwächter und inzwischen Ehrenpräsident, seine erste Büttenrede. Der erste Fasching im Ort war so erfolgreich, dass im zweiten Jahr ein Faschingsverein gegründet wurde: die Aschhäuser Nachtwächter.

Inzwischen sind 35 Jahre vergangen. Den 33. Geburtstag - in der närrischen Logik ein runder - konnten sie nicht gebührend feiern. Corona grätschte dem faschingsverrückten Dorf an der Landkreisgrenze dazwischen. Die Nachtwächter nehmen's mit Humor: Neben die bereits vorhandenen, goldenen 33er-Luftballons hängen sie eben ein Plus.


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