Öhringen
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Michl Müller: Wo Männer, die bügeln, sexy sind

Der fränkische Kabarettist Michl Müller bereitet 350 Zuschauern in der Öhringer Kultura einen höchst vergnüglichen Abend. Vom Corona-Lockdown über den Hausumbau bis zum Waldbaden erzählt er in "Verrückt nach Müller" aus dem Leben und singt dazu passende Lieder.

Von Renate Väisänen
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Lesezeit 2 Min
Wo Männer, die bügeln, sexy sind
Vor der Krone mit Sträflingsstreifen zwischen Monitorstelen ein entfesselter Künstler: So präsentiert sich der Franke Michl Müller rund zweieinhalb Stunden seinem Publikum auf der Kultura-Bühne und sorgt für jede Menge Heiterkeit. Foto: Renate Väisänen  Foto: väisänen

Der versinnbildlichte Corona-Lockdown in Form einer Krone mit Sträflingsstreifen auf einer Leinwand zwischen Monitorstelen und ein entfesselter Künstler: Das erwartet die rund 350 Zuschauer, wenn der drahtige Franke in der Kultura seine Aufwartung macht. Natürlich erst, wenn die Zuschauer der Aufforderung nachgekommen sind, Kabarettist und Sänger Michl Müller mit stehenden Ovationen zu empfangen - so wie es die Stimme aus dem Off verlangt. Fankultur muss sein. So heißt das aktuelle Programm des Kabarettisten und Sängers auch "Verrückt nach Müller".

Seitenhiebe auf "Butin" und Lauterbach

Angefangen mit Seitenhieben auf den Deppen "Butin" und Gesundheitsminister Karl Lauterbach, arbeitet der fränkische Dreggsagg, wie er sich selbst nennt, zum Vergnügen des Publikums den Corona-Lockdown des letzten Jahres auf. Erst mal schauen, ob die Zuschauer Schlafanzüge tragen: "Jetzt vor einem Jahr um diese Zeit sin" mir doch schon im Bett g"liege" - nach dem obligatorischen "Bauernmondag" vor dem Fernseher, der aus den Sendungen "Landfrauenküche" und "Bauer sucht Frau" bestand.

Mit der "Ünnerhos" vorm Gesicht

rEbenso erinnert er an die mehr oder weniger sinnvollen Beschäftigungen der Menschen, mit welchen der staatlich verordnete Stillstand überbrückt wurde. Wie an das Fertigen von Masken aus Vorhängen, Tischdecken oder "alden Ünnerhosen": "Zwei Wochen bin ich mit einer alden Ünnerhos" vor dem Gesicht rumg"laufe; hab" mich noch über den Eingriff für die Nase gewundert", frotzelt Müller. Da wurden Wohnungen ausgeräuchert, um böse Geister zu vertreiben. Mit dem Endergebnis: "So" n Scheiß - die Schwiechermudder is immer noch da". Oder man ist die professionelle Produktion von drei Kilo schweren Meisenknödeln angegangen.

Er selbst jedoch habe die Zeit genutzt, um Lieder zu schreiben, berichtet der Franke. Nicht, dass er jetzt alle 24 Liedtexte durchgehen wolle: "Nein, dafür ist die Welt noch nicht bereit", meint er mit bedeutungsvoller Miene, bevor er auf neue Trends wie das Waldbaden zu sprechen kommt. "Leck mich fett, was isn" des", fragt er sich. "Früher hat man Bäume net umarmt, sondern umg"macht. Früher hieß des Holzarbeit." Und er macht keinen Hehl daraus, was er von diesem Trend hält, bei dem Waldboden-Kräuter, die einen Tag zuvor vielleicht vom Fuchs markiert worden sind, verzehrt werden sollen.

Lebensnahe Liedtexte

Doch den größten Teil seines aktuellen Programms widmet Müller zwischen den Vorträgen seiner eingängigen Schlager, die sich durch gnadenlos lebensnahe Texte auszeichnen, seinem zurückliegenden Hausumbau. Wobei Müller - um auf seine Lieder zurückzukommen - sich durchaus vorstellen könnte, dass das Zuschauer-Ehepaar Dietmar und Yvonne mit dem Schlager "Apfelmus aus Niederstetten" punkten könnte. Ähnlich wie Müller bei seiner Liebeserklärung an seinen Herrenschlüpfer "Du bist immer bei mir, du bist mei Ünnerhos"". Und in einem weiteren Lied wird die einzige Gesundheitsvorsorge von anno dazumal thematisiert. Bei "Solang" nix bludd" oder komisch wegsteht" dürfen die Zuschauer mitklatschen oder sich mit einem "ou-ou-ou" einbringen.

"Bruns-Yoga" im Meer

Vom Akkubohrer über den guten alten Melitta-Kaffeefilter in der Größe Nummer vier, Männer, die sexy sind, weil sie bügeln, und Frauen, die am Sylter Strand beim "Bruns-Yoga" ins Meer pinkeln, geht es hin zum Fließbetonboden, der Müllers lebensfremdem Architekten Rudi für dessen Hausumbau auf dem Dorf vorschwebt. Für den kleinen musikalischen Hunger zwischendurch gibt es ein "Spießbratenbrötle". Vielleicht sogar dargereicht von der berühmten "Fleischereifachverkäuferin", die zum Abschied immer eine Scheibe Gelbwurst verschenkt. Einer der sinnigen Schlager, die die fränkische Naturgewalt im Schnellsprechen bekannt gemacht haben. Den Michl-Müller-Hit gibt"s zum Schluss - als Zugabe."

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