Forchtenberg
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Wie Ernsbach zu einer neuen Ortsmitte kam

An diesem Wochenende wird der Graf-Wolfgang-Julius-Platz in Ernsbach eingeweiht. Pläne für das Kocherwerk machten die Gestaltung möglich.

Von Rainer Lang
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Lesezeit  2 Min
Wie Ernsbach zu einer neuen Ortsmitte kam
Bereits 2020 wurde der neue Ortsmittelpunkt am Marktplatz in Ernsbach geschaffen. Wegen der Corona-Pandemie wird der Graf-Wolfgang-Julius-Platz, wie er jetzt heißt, an diesem Wochenende mit Verspätung eingeweiht. Foto: Rainer Lang  Foto: privat; Architekt Knorr

Manchmal ist es ein Zufall, der zur lang ersehnten Lösung führt. So war es auch im Forchtenberger Stadtteil Ernsbach. Zunächst schien es jedoch so, als ob die Erneuerung des Marktplatzes im Herzen des Orts zum Dauerbrenner werden würde. Rund 20 Jahre lang hatte der Ortschaftsrat über Ideen und Planungen gesprochen. Da brachte vor fünf Jahren ein glücklicher Umstand die Wende. Damals wurde bekannt, dass die Würth-Gruppe plant, im Kern von Ernsbach ein Museum einzurichten mit dem "Kocherwerk - Haus der Verbindungstechnik". Im Zuge dessen konnte im Jahr 2020 der neue Ortsmittelpunkt geschaffen werden. Aufgrund der Corona-Pandemie wird der Platz erst mit Verspätung am Wochenende eingeweiht.

Ausschlaggebend waren Museumspläne

"Man kann es als glückliche Fügung bezeichnen, dass die gemeindlichen Interessen und die der Firma Würth zusammen geführt werden konnten", betont Ernsbachs Ortsvorsteher Werner Engel. Eine ausschlaggebende Rolle spielt dabei aus seiner Sicht die historisch bedeutende und die gesamte Region prägende Entwicklung in Ernsbach. Hier entstand 1662 die erste und älteste Industrieanlage im Hohenloher Raum. So hat sich auch die Ausdauer der Forchtenberger Bürgermeister von Martin Tuffentsammer über Uwe Gysin bis zum aktuellen Amtsinhaber Michael Foss gelohnt, die sich von den Plänen für eine neue Ortsmitte in Ernsbach nie haben abbringen lassen.

Erste Planungen gingen von Wohnraum aus

Ortsvorsteher Engel erinnert daran, dass die Basis für den neuen Marktplatz schon im Zuge der damals laufenden Ortskernsanierung gelegt worden sei. "Durch Erwerb und Abriss älterer Wohngebäude wurde der Grundstock gelegt", sagt Werner Engel. Die ersten Planungen hätten allerdings noch die Schaffung von Wohnraum vorgesehen, fügt er einschränkend hinzu. Der Plan für das Museum sei "die Initialzündung für eine Planung gewesen, die letztlich zur Schaffung des neuen Ortsmittelpunktes führte", erinnert sich Engel.

Kosten zwei Millionen Euro

Der Ortsvorsteher betont, dass gleich nach Bekanntwerden der Pläne von Würth im Jahr 2018 das Öhringer Architekturbüro Knorr & Thiele mit den Planungen beauftragt worden war. Bis alle Genehmigungen vorlagen, vergingen nochmals zwei Jahre. Am 20. Januar 2021 war der Spatenstich, bis Ende des Jahres konnten die Arbeiten abgeschlossen werden. Die Kosten zur Errichtung des neuen Ortsmittelpunktes beliefen sich laut Engel auf gut zwei Millionen Euro. Parallel dazu wurde der historische Gebäudekomplex mit der Mühle über dem Kocherkanal am Rande des Platzes saniert und umgestaltet. Seit 2021 beheimatet das Haus eine Dauerausstellung, die der Entwicklungsgeschichte der Schrauben- und Befestigungsindustrie in der Region gewidmet ist.

Als im Ortschaftsrat über die Namensgebung beraten wurde, habe man sich schnell einigen können auf den Namen von Graf-Wolfgang-Julius von Hohenlohe-Neuenstein, dem Wegbereiter der Ernsbacher Industrie, berichtet Engel. Denn unter dem Grafen wurde 1662 eine Mahl- und Papiermühle mit Sägemühle errichtet. Dies leitete den Weg Ernsbachs vom Bauern- zum Industriedorf ein. 1894 wurde die so genannte "Rote Mühle" errichtet. Diese wurde mit der Gründung der Firma L. & C. Arnold zum ersten Produktionsstandort für Holzschrauben in der Region.

Programm für Einweihung

Der neue Graf-Wolfgang-Julius-Platz am ehemaligen Marktplatz sollte eigentlich parallel zur Eröffnung des Kocherwerks 2021 eingeweiht werden. Die Corona-Pandemie hatte dies verhindert. Die Feierlichkeiten beginnen am Samstag, 23. Juli, mit dem Fassanstich gegen 17 Uhr. Am Sonntag folgt um 10 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst und um 11 Uhr die offizielle Einweihung.

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