Waldenburg
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Warum Millionen in die Waldenburger Wasserversorgung sickern

Kanäle, Wassertürme und Kläranlage sind Sanierungsfälle: Nicht zuletzt deswegen steigen auch die Gebühren. Ein zweistelliger Millionenbetrag muss insgesamt investiert werden. Die Erneuerungen werden noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Christian Nick
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Warum Millionen in die Waldenburger Wasserversorgung sickern
Auch sie wird Millionen fressen - wenn sie überhaupt zu retten ist: Die städtische Kläranlage wird entweder teuer saniert oder gänzlich aufgegeben. Foto: Archiv/Koch

Der Handlungsbedarf ist offensichtlich - und so fiel auch das Votum im Plenum einstimmig aus: Im Rahmen ihrer jüngsten Sitzung beschlossen die örtlichen Gemeinderäte eine deutliche Erhöhung der Abwassergebühr: Für den Zeitraum vom 1. Januar dieses Jahres bis zum 31. Dezember 2022 wird die Schmutzwassergebühr auf 4,79 Euro pro Kubikmeter (plus 1,34 Euro) und die Niederschlagswassergebühr auf 0,63 Euro je Quadratmeter (plus 0,37 Euro) festgelegt.

Hintergrund: Sowohl die Jahre 2017 als auch 2018 haben eine massive Kostenunterdeckung von insgesamt rund 170.000 Euro ergeben - wovon zunächst lediglich die 113.000 Euro aus 2017 für die Neukalkulation herangezogen wurden. Dies ist aus Sicht der Verwaltung alternativlos.

Nicht zuletzt, da die finanzschwache Kommune auch - so die Beschlussvorlage zur Sitzung - bei einem Verzicht auf den Kostenausgleich per Gebührenbescheid womöglich auf Fördermittel verzichten müsse: "Ein Verlust von Zuschussmöglichkeiten bei vorgesehenen Investitionen in Millionenhöhe würde den Gebührenzahler mittelfristig noch mehr belasten."

Ausmaß wird jetzt erst sichtbar

Die finanzielle Unterdeckung war in den vergangenen Jahren nicht an die Bürger weitergegeben worden. "Nun kommen die echten Zahlen hoch", sagt Bürgermeister Bernd Herzog zur HZ. Viele Gründe gibt es für die Gebührensteigerung: Da wären ebendiese bislang nicht umgelegten Reparatur- und Investitionskosten, steigende Aufwendungen für Personal und Betrieb - zuvorderst aber die riesigen Zukunftsinvestitionen, die bei der maroden Wasser-Infrastruktur nun in Angriff genommen werden.

Einiges in Sachen Kanalsanierung wurde schon getan, neue Technik installiert - vieles steht aber in den kommenden Jahren noch an. Und das betrifft nicht nur die viele Jahrzehnte alte Kanalisation und die Pumpwerke: Ungeklärt ist aktuell auch noch die Zukunft der dringend sanierungsbedürftigen städtischen Kläranlage nahe der A6.

Aufgaben gibt es indessen auch bei der Frischwasserversorgung: "Auch hier haben wir riesigen Sanierungsbedarf", weiß der Rathauschef. Mit den Verantwortlichen der Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) hat die Verwaltung qua Entscheid aus dem Ratsrund einen Vier-Stufen-Plan mit dem Versorger vereinbart. Das Ziel: die Sanierung von Kanälen und Wasserspeichern.

Rund 85.000 Euro sollen nun zunächst in die elektrische und sicherheitstechnische Ertüchtigung sowie die Ausführung von Schlosserarbeiten in den drei Wassertürmen und dem Wasserreservoir sowie den Frischwasserquellen, Druckleitungen und Pumpwerken der Stadt fließen. "Wir hoffen, dass die Witterung mitspielt und wir so schnell wie möglich loslegen können." Doch das ist eben nur der erste Schritt: "Wir sanieren aktuell nur das, was sich unbedingt aufdrängt", so Herzog.

Kläranlage: Interkommunale Lösung als Option

Sicher ist: Die Modernisierung der kommunalen Wasser-Infrastruktur wird noch mindestens fünf Jahre dauern. Was investiert wird: zumindest 2,5 Millionen Euro für die Trinkwasserversorgung - und im Abwasserbereich "locker fünf, sechs Millionen", sagt Herzog.

Und dann sind da noch die Millionen für die Kläranlage, die dem Gewerbepark und der Stadt zusammen gehört: Hier laufen im Hintergrund gegenwärtig Gespräche - mit dem Landratsamt und auch mit anderen Kommunen. Ob die in die Jahre gekommene Anlage erhalten und saniert wird, steht noch nicht fest.

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