Solidarische Landwirtschaft in Neuenstein: Gute Ernte trotz der Hitze
Tag der Offenen Tür mit Gartenführungen und buntem Programm bei der Solawi-Kulturscheune in Neureut. Ab Februar können weitere Ernteanteile erworben werden. Weitere Flächen kamen dazu.

Die ‚Solidarische Landwirtschaft" ist ein wunderbarer Einfall", schwärmt Dana Zelinka am Tag der Offenen Tür der Solawi. Sie steht vor einer großen Infotafel in der neuen Kulturscheune des Vereins in Neureut und folgt ganz begeistert Irina Rosu-Poidls Ausführungen über die Solidarität im Verein, über das nach ökologischen Richtlinien angebaute Gemüse und die alljährliche Bieterrunde. "Hier gibt jeder an, wie viel er monatlich zahlen kann", erklärt das Vereinsmitglied. So erhielten auch finanziell nicht so gut aufgestellte Menschen die Möglichkeit, in den Genuss von frischem Gemüse zu kommen.
Neue Kontakte, frisches Gemüse
Am liebsten würde die ursprünglich aus Kesselfeld stammende Kindheitspädagogin sofort bei der Solawi einsteigen: "Ich bin gerade aus Berlin zurückgekehrt und freue mich über neue Kontakte." Bei der Solawi glaubt sie Gleichgesinnte zu finden. Und so freut es sie zu hören, dass ab Februar nächsten Jahres wieder Ernteanteile erworben werden können.
In der vor knapp zwei Wochen eingeweihten Kulturscheune schenken Brigitte Roloff und Andrea Funk Kaffee und Tee aus. Ein großes Kuchenbüffet lockt mit selbstgebackenen Leckereien und wer mag, kann sein eigenes Kräutersalz mit Solawi-Kräutern herstellen. Auf dem Gelände vor der Scheune lassen Kinder drei Drachen im herbstlich-stürmischen Wind steigen.

Das Solawi-Gärtnerpaar Lisa Fischer und Benjamin Peinke stapft wiederum mit einer großen Gruppe an Interessierten über das weitläufige Acker- und Gartengelände. Seit letztem Jahr bebauen sie das dortige Areal, während sie das Solawi-Gelände in Neuenstein nun primär für Feingemüse nutzen.
Jetzt kommen Kartoffeln vom Feld
"Die Kürbisse sind schon geerntet", sagt Peinke und deutet auf die Ackerfläche hinter sich. "Als nächstes kommen die Kartoffeln dran." Auf der Anbaufläche der Zwiebeln wächst inzwischen eine bunte Mischung aus Buchweizen, Leindotter, Wicke, Tagetes, Ringelblume oder etwa Dill. "Durch die Vielfalt wird auch das Bodenleben vielfältiger und damit der Humus besser", klärt Peinke auf. Denn die Zwischensaat wird später dem Boden untergepflügt.
Im runden, fast labyrinthisch angelegten, begehbaren Kräutergarten blüht die Tagetes in großen Büschen. "Ein Tee aus Tagetesblüten ist gut für die Augen", verrät Lisa Fischer. Neben Heilkräutern wachsen in den mit Ziegeln abgegrenzten Beeten natürlich auch Küchen- und Zierkräuter.

"Wir wollen alte, vergessene Kulturen wiederanpflanzen", so die junge Gärtnerin. Etwa die Rapunzelglockenblume, die aufgrund ihrer kleinen Samen sehr schwer auszusäen ist. Doch die Arbeit lohnt sich: "Die Pflanze ist sehr ertragreich und kann im Winter wie Feldsalat gegessen werden", erklärt Peinke. "Mir schmeckt sie sogar besser als Ackersalat."
Zufrieden mit dem Ertrag
Mit der diesjährigen Ernte sind Fischer und Peinke, die seit Februar 2020 bei der Solawi als Gärtner angestellt sind, im Großen und Ganzen zufrieden. Trotz der hohen Temperaturen und Dürre. "Die Gurken haben die Hitze zwar nicht so gut vertragen", räumt Peinke ein, "und von manchem Gemüse gab es etwas weniger." Komplettausfälle gab es nicht. Fischer führt das auf die Anzucht zurück: "Wir ziehen unsere Pflanzen selbst und ganz langsam."
So gäben sie ihnen ausreichend Zeit, um starke Wurzeln auszubilden. "Zum anderen bewässern wir unsere Pflanzen nur einmal pro Woche", so Fischer. Das sei einem guten Wurzelwachstum und somit einer starken, ausdauernden Pflanze ebenfalls zuträglich. "Die Ernte dieses Jahr war ein großartiges Geschenk", zeigt sich auch Angelika Herrmann begeistert. Das Solawi-Vorstandsmitglied freut sich über das immer mehr wachsende und aufblühende Solawi-Areal rund um die Kulturscheune. "Und wir sind schon sehr gespannt, was wir hier in Zukunft noch alles veranstalten werden."
Stimme.de
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