Öhringen
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Protest in Rot auch in Öhringen: Ungerechtigkeit schreit zum Himmel

Katholische Frauen demonstrieren am "Tag der Diakonin" auf dem Öhringer Marktplatz für mehr Gleichberechtigung in ihrer Kirche. Zur Kundgebung aufgerufen hat der Frauenbund 2.0 Hohenlohe.

Von Regina Koppenhöfer
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Protest in Rot auch in Öhringen: Ungerechtigkeit schreit zum Himmel
 Foto: Koppenhöfer, Regina

Die Glocken der Stiftskirche und der katholischen Kirche St. Joseph läuten an diesem Nachmittag. Sie laden dazu ein, sich auf dem Marktplatz zu versammeln. Knapp 100 Frauen und einige wenige Männer finden sich ein. Mit der Farbe Rot wollen sie ihre Verbundenheit zeigen, aber auch ihren Protest ausdrücken: Deshalb haben viele ihre roten Turnschuhe übergestreift, tragen rote T-Shirts, Jacken und Tücher. Aber nicht nur die Farbe eint die Menschen. Gemeinsam ist ihnen vor allem ihre Haltung: Sie demonstrieren für Reformen in der katholischen Kirche. Am "Tag der Diakonin" üben die Frauen öffentlich Kritik an den kirchlich Verantwortlichen bis hinauf nach Rom. Immer wieder fordern sie vor allem den Zugang für Frauen zu allen Ämtern der katholischen Kirche.

Mit Trommeln und Trillerpfeifen

Lautstark äußern die katholischen Frauen in dieser Stunde ihren Unmut über ihre Kirche. Mit Trommeln und Trillerpfeifen unterstreichen sie ihren Protest. Unmissverständlich sind sie dabei. "Genug geredet! Gleichberechtigung. Punkt. Amen", prangt in großen Lettern auf einem aufgespannten Banner. Gleiche Chancen und Möglichkeiten fordert auch Elisabeth Baur vom Frauenbund Hohenlohe 2.0, die die Demo-Teilnehmer begrüßt.

Der "Tag der Diakonin" ist der Gedenktag der Heiligen Katharina von Siena, an dem die Frauen ihren Protest in Kooperation mit dem Diözesanrat und der Aktion Maria 2.0 nach außen tragen. Die historische italienische Kirchenlehrerin ist den Frauen Vorbild, denn auch sie übte - und das bereits im 14. Jahrhundert - öffentlich Kritik an Rom und seinen Kirchenmännern. "In der katholischen Kirche kann es so nicht weitergehen: Es reicht", findet Baur. Neben ihr stellen sich weitere Rednerinnen vors Kirchenportal: Sabine Beck, Marion Jünger, Claudia Schackmar, Martina Kretzschmar, Christa Wolpert und Renate Bertsch-Gut melden sich zu Wort. An die Demonstrierenden wenden sich auch Regina Ladewig und Maria Heinrich, Mitglied im Diözesanrat, dem Mitbestimmungsgremium in der Diözese.

Forderungen werden gestellt

Protest in Rot auch in Öhringen: Ungerechtigkeit schreit zum Himmel
Gleichberechtigung in der katholischen Kirche fordern die Frauen mit ihrem Protest ein: Vertreterinnen des Frauenbunds 2.0 Hohenlohe melden sich deutlich zu Wort. Mit roter Kleidung unterstreichen sie das Anliegen. Fotos: Regina Koppenhöfer  Foto: Koppenhöfer, Regina

Unter dem immer wieder aufbrandenden Beifall der Demonstrierenden stellen sie ihre Forderungen. Die Frauen wollen den Zugang zu allen Ämtern in der katholischen Kirche. Sie fordern den Abbau klerikaler Machtstrukturen, um weiteren Machtmissbrauch zu verhindern. Sie erwarten eine Sexualmoral, die die Lebenswirklichkeit von Menschen nicht missachtet. "Gelassenheit", "Glaubwürdigkeit", "Vielfalt in der Einheit" und "Mitspracherecht" sind einige der Schlagworte. Deutlich äußert sich auch Maria Heinrich. Sie sagt: "Das Diakonat der Frau ist nicht mehr verhandelbar. Wir Frauen haben einen biblischen Auftrag. Es gibt keinen Zweifel an unserem rechtmäßigen Auftrag." Nicht anders sieht es Regina Ladewig: Die Eberstädterin fühlt sich zur Priesterin berufen und ließ sich bereits 2006 von der internationalen Bewegung römisch-katholische Priesterinnen (RCWP) zur Diakonin weihen. Deshalb darf Ladewig schon seit Jahren keine liturgischen Dienste mehr in ihrer Kirchengemeinde versehen. Die Eberstädter Grundschullehrerin gibt sich in Öhringen kämpferisch: "Der Weg zur Diakonin war weit. Ich möchte noch weiter gehen. Ich möchte tatsächlich römisch-katholische Priesterin werden." Ladewig erwartet dabei auch die Solidarität der Männer.

Ein Mann, der hinter den Forderungen der Frauen steht, ist Stefan Baier. Auch er ist auf den Marktplatz gekommen, um zu protestieren. Der Öhringer sagt: "Wir bekommen die Frauenfrage, im Sinne der Gleichberechtigung, in der katholischen Kirche nicht gelöst. Ich finde das nur noch peinlich. Und es macht mich wütend, dass Frauen immer noch um ihre Rechte in der katholischen Kirche kämpfen müssen. Für mich als Katholik gibt es keinen Grund, warum Frauen nicht die gleichen Rechte bekommen wie die Männer.


Frauenbund 2.0 Hohenlohe

Demos wie in Öhringen gab es zum "Tag der Diakonin" in mehreren Städten der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zur Kundgebung in Öhringen hatte der Frauenbund 2.0 Hohenlohe eingeladen. Der Frauenbund gründete sich 2021. Mittlerweile gehören ihm 36 Frauen an. Sie machen sich für die Anliegen von Frauen stark, engagieren sich kirchenpolitisch und fordern Reformen in der katholischen Kirche. Mehr Infos zu der Vereinigung gibt es bei Elisabeth Baur, Telefon 07943 3724, Renate Bertsch-Gut, 07940 2838, Claudia Schackmar, 07941 380662, und Christa Wolpert, 06294 2039922.

 
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