Forchtenberg
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Forchtenberger Open-Air-Kino startet mit "Belfast"

Heimat, Krieg, Flucht - der Nordirlandkonflikt berührt die Besucher im Auftaktfilm. Diese Filme laufen noch bis zum 31. Juli in der Schlossruine in Forchtenberg.

Jennifer Schnell
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Lesezeit 2 Min
Open-Air-Kino startet mit "Belfast"
Die Besucher freuen sich auf das Open-Air-Kino und den Film "Belfast". Die Forchtenberger Schlossruine liefert eine atemberaubende Kulisse.  Foto: Schnell, Jennifer

Wir alle haben eine Geschichte. Aber wodurch sie sich unterscheiden, ist nicht, wie sie enden. Sondern vielmehr der Ort, an dem sie beginnen" sagt Granny im Film "Belfast".

Die Geschichte ihres neunjährigen Enkels Buddy beginnt genau dort: Belfast, 1969, Nordirland. Die Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken schaukeln sich zu bürgerkriegsähnlichen Kämpfen in der Nachbarschaft hoch. Schnell stellt sich die Frage: Muss Buddys Familie die Heimat verlassen?

Das Drama eröffnet am Dienstagabend das Open-Air-Kino in der Schlossruine in Forchtenberg - rund 150 Besucher erklimmen den steilen Berg. Für viele ist es das erste Kino-Erlebnis nach der Corona-Pause.

 

Verpflegung und Vorfreude

Für Verpflegung ist gesorgt: ob Cola, Pommes oder Popcorn. Je dunkler es wird, desto größer die Vorfreude. Das Ehepaar Daniel und Heike Gernhardt aus Möglingen sind Stammgäste, vor allem bei so gutem Wetter. Doch auch Regen, Gewitter oder Sturm würden sie vom Open-Air-Erlebnis nicht abhalten: "Bei Fluch der Karibik hat es am Ende zum Beispiel gestürmt. Das hat dann gut zum Film gepasst", lacht Heike Gernhardt.

Auch Anja Neuber aus Mulfingen ist gespannt: "Ich freue mich am meisten darauf, die Eindrücke von Irland zu sehen. Die hochkarätige Besetzung hat mich überzeugt." Schön sei, nach Corona mal wieder rauszukommen. Sie guckt den Film mit ihrer Schwiegermutter Manuela Schmitt aus Rohrbach . Die 57-Jährige genießt die Zeit mit ihrer Schwiegertochter. Schmitt: "Irland verbindet uns beide. Dazu die tolle Kulisse und etwas Zeit, sich zu unterhalten." Marvin Hörnle (20) aus Forchtenberg sagt: "Wir haben im Englisch-Unterricht über den Film gesprochen und den Konflikt diskutiert."

 

Gebannte Aufmerksamkeit und bewegende Eindrücke

Während des Films fliegen Mücken und Fledermäuse durch die Luft. Im Film sind es Steine und Brandcocktails. Und in den Zuschauerreihen? Da blicken die Besucher gebannt auf die Leinwand. Stille. Untermalt von Popcorn-Rascheln und Beamer-Lüftung. Und wie hat der Schwarz-Weiß-Film nun gefallen?

Der dreifachen Mutter Claudia Kempf aus Dörrenzimmern ging er nah: "Als es um die Kinder ging, wie sie darauf reagiert haben, als die Eltern vorgeschlagen haben, zu gehen. Da denkt man drüber nach, wie schlimm das ist, wenn man so eine Entscheidung treffen muss." Sie kenne einen ähnlichen Konflikt von ihren Schwiegereltern: "Die Mutter ist Katholikin, der Vater Protestant. In den 60ern durften sie auf dem Dorf nicht heiraten, sondern mussten nach Künzelsau."

Stas Davydchyk hat den Film mit seinen Freunden, die aus der Ukraine geflüchtet sind, gesehen. "Wir haben den Film ausgesucht als eine Art Therapie." Das muss man erst mal sacken lassen. Im Film sagt Granny zuletzt zu Buddy: "Geh. Geh jetzt, mein Junge. Nicht zurückblicken."

 


Kino-Programm voller Abwechslung

Das Kino-Open-Air in der Schlossruine in Forchtenberg findet noch bis 31. Juli statt. Im Vorverkauf kosten Tickets 8,50 Euro, an der Abendkasse zehn Euro. Am Donnerstag läuft der Action-Thriller "James Bond 007 - Keine Zeit zu Sterben". Am Freitag und Samstag die Komödien "Der Rausch" und "Eingeschlossene Gesellschaft". Am Sonntag schließt das deutsche Drama "Wunderschön" das diesjährige Kino-Open-Air in Forchtenberg ab.

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