Öhringen
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Öhringer Räte fordern Vergabekriterien für Gewerbeflächen

Die Öhringer Räte und der Oberbürgermeister haben verschiedene Vermarktungsvorstellungen für das Baugebiet Schönblick. Bei der Gemeinderatssitzung wurde emotional diskutiert.

Yvonne Tscherwitschke
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Öhringer Räte fordern Vergabekriterien für Gewerbeflächen
Der Parkplatz an der S-Bahn-Haltestelle wurde bereits vergrößert. Eine Querungshilfe und Treppenanlage führt ins noch leere Gebiet Schönblick. Foto: Tscherwitschke  Foto: Tscherwitschke, Yvonne

Weil es zwei Unternehmen gibt, die Interesse an Bauplätzen im Gebiet Schönblick haben, hätte Oberbürgermeister Thilo Michler gern möglichst schnell die sechs Plätze im besagten Areal als Gewerbefläche für eine Konzeptvergabe ausgeschrieben. Eine Vermarktung als sogenanntes Urbanes Gebiet sei aktuell schwierig, begründet der Rathauschef.

Die Mischung von Wohnen und Gewerbe hatte der Gemeinderat beschlossen, nachdem die ursprüngliche Planung als Gewerbegebiet mit 1200 Büroeinheiten wegen Corona ins Stocken kam. Doch ganz so schnell wie von Michler gewünscht, geht der Grundstücksverkauf nun doch nicht. Der Gemeinderat will erst eine Handhabe, um die Konzepte bewerten zu können. Die SPD formulierte nach teils emotionaler Diskussion einen entsprechenden Antrag.

 

Diskussion wird teils emotional

Stadtrat Peter Hohl (UNS/Grüne) eröffnet die Diskussion, indem er die Konzeptvergabe "grundsätzlich richtig" findet. Er kritisiert aber, dass unklar sei, was gewünscht werde: "Wir sollten erst mal ein Konzept haben, um darüber abzustimmen, was die Bewerber liefern sollen. Wir wüssten gerne, mit welchen Vorstellungen wir in die Konzeptvergabe gehen", sagt Hohl. Gewerbesteuer, Arbeitsplätze, Ästhetik, Verwendung von Ressourcen - denkbar wäre viel.

Thomas Pauli (LBÖ) unterstützt den Vorstoß. "Wir waren schon anfangs kein Freund von Urbanem Wohnen. Und wenn wir es jetzt langsamer verkauft kriegen, dann ist das auch kein Problem."

Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Die SPD gehe ebenfalls generell mit, erklärt Patrick Wegener. "Aber uns fehlt auch, dass die Kriterien nicht feststehen." Direkt an den OB gewandt, sagt Wegener: "Sie sagen, wir haben keine Eile. Deshalb unsere Bitte, einige Punkte aus der Strategieplanung in die Definition mit aufzunehmen." Es sei eine der letzten Flächen, welche die Stadt entwickeln könne. "Da tue ich mir schwer, wenn der eine Äpfel präsentiert und der andere Birnen."

OB Michler verweist auf den Bebauungsplan: "Den haben wir beschlossen. Die Nutzungsart muss passen. Mindestens drei Vollgeschosse, Grundrisse, Ansichten", sagt Michler. Und er fügt hinzu: "Wir haben zwei Interessenten, die warten schon seit Monaten auf eine Entscheidung."

OB will keine weiteren Verzögerungen

Der Bebauungsplan sei schließlich seit zwei Jahren rechtskräftig. Er wolle keine weitere Verzögerung. "Wir haben schon zwei Ehrenrunden gedreht." Unterstützung gibt es einzig von der FWV. Otto Weidmann sagt: "Wir haben einen Bebauungsplan. Der gibt den Rahmen für die Konzeptvergabe. Wir sehen die Vorlage als sinnvoll an."

Martin Gseller (CDU) unterstützt hingegen SPD und UNS/Grüne: "Wir sollten uns vorher überlegen, welche Branchen wir wollen, wie groß oder nachhaltig die Unternehmen sein sollen." Er schlägt vor, ein Punktesystem zu entwickeln. "Es muss auch für den Bewerber transparent sein, wer die Fläche warum bekommt", sagt Gseller. "Damit nicht der Eindruck des Gemauschels entsteht."

Das Bauamt wird aktiv

Michler dazu: "Setzen wir halt 100.000 Euro, dann sind wir schlauer. Dann machen wir einen Architektenwettbewerb. Ich sage aber: Es wird nicht besser." Ob man denn einen Experten brauche - oder ob das Bauamt das nicht machen könne, will Gseller wissen. Michler antwortet: "Wenn, dann müssen wir es professionell machen mit Büro. Die Frage ist: Setzen wir für 2,2 Hektar 100.000 Euro? Alles andere aber hat nicht Hand und Fuß."

Sevim Sulejmanov (SPD) stellt trotz Michlers Ausführungen den Antrag, dass das Bauamt das Konzept erstellt. Bauamtsleiter Kai Langenecker nickt und bringt es auf den Punkt: "Alle wollen eine Konzeptvergabe, es gibt aber ganz offensichtlich Unklarheiten, wie die aussehen soll", fasst er die Diskussion zwischen Rat und Rathauschef zusammen und versichert den Räten, dass das Bauamt durchaus Kriterien erarbeiten könne für ein Ranking mit Punktesystem. "Kein Wettbewerb, sondern ein Ranking. Das kriegen wir hin", sagt Langenecker. "Wenn Sie sich das ans Bein binden wollen", gibt sich Michler geschlagen. "Dann wird es Oktober. Davon geht die Welt nicht unter", vertagt er das Thema auf nach der Sommerpause.

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