Landtagsabgeordnete zu sein: Wie ist das, Catherine Kern?
Viel Unterstützung und viele Aha-Momente: Die Öhringerin Catherine Kern ist seit Mai 2021 Landtagsabgeordnete und erzählt von den großen Unterschieden zur Arbeit im Gemeinderat und Kreistag.
Im März hat sie für die Grünen zum ersten Mal das Direktmandat in Hohenlohe gewonnen. Seit Mai sitzt sie als Abgeordnete im Stuttgarter Landtag. Bis dahin hatte dort noch nie eine Frau den hiesigen Wahlkreis vertreten. Sieben Monate später kann Catherine Kern (60) sagen: "Ich bin angekommen." Und um viele Erfahrungen reicher.
Drei Mitarbeiter in Vollzeit: Das findet sie spitze
Seit 2010 ist sie Gemeinderätin in Öhringen, seit 2019 Mitglied des Kreistags. Beides ehrenamtlich. Und ohne personelle Hilfe. Jetzt hat sie einen parlamentarischen Vollzeit-Job - und drei Angestellte, die ihre Arbeit zu hundert Prozent unterstützen. Das findet sie ganz hervorragend. "Es sind drei sehr motivierte junge Menschen, die alle Politikwissenschaft studiert haben und sehr gut miteinander auskommen."
Das Wahlkreisbüro existiert noch nicht physisch
Catherine Kern ist medienpolitische Sprecherin der Fraktion, dafür hält ihr vor allem Andreas Kalefe den Rücken frei, als stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises "Europa und Internationales" arbeitet ihr Miriam Laux zu. Sophie Kralovec leitet ihr Büro im Wahlkreis Hohenlohe - das es physisch noch gar nicht gibt. Die Suche nach einem passenden Objekt in der Öhringer Innenstadt gestaltet sich schwierig, "nicht zu groß" soll es sein und "vertrauliche Gespräche" ermöglichen, so Kern, dazu "technisch auf dem neuesten Stand".
Improvisieren musste sie auch gleich zu Beginn in Stuttgart, denn: "Ein Großteil der neuen IT-Ausrüstung für den Landtag war im Suez-Kanal hängengeblieben." Notebook oder Drucker? Da hieß es lange: Fehlanzeige. "Das fand ich schon krass." Ansonsten sei es den neuen Abgeordneten von Beginn an leicht gemacht worden, sich zurechtzufinden. "Die Betreuung war klasse. Es gab gleich viele Workshops zu allen Fragen des Landtagsbetriebs." Und etliche Aha-Momente. Etwa was die Zuständigkeiten von grüner Landtagsfraktion und Staatsministerium mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann an der Spitze betrifft: "Das war mir so nicht bewusst."

Das sind die Unterschiede zu Gemeinderat und Kreistag
Nun ist die Gemeinderätin und Kreisrätin also auch Landtagsabgeordnete. Und erfährt die großen Unterschiede am eigenen Leib. In den kommunalen Gremien gebe es kein Büro und kein Backoffice. Da gelte die Devise: "Das ist die Idee, also setzen wir sie um." Im Fraktionsbetrieb des Landtags funktioniere das ganz anders. "Da greifen meine drei Mitarbeiter Ideen auf und können Hintergründen und Fragen viel intensiver nachgehen. Das ist fantastisch." Genauso schätzt sie den "Fundus an parlamentarischen Mitarbeitern", an die man "alles weitergeben" könne, um am Ende mit mehr Informationen ins Plenum oder an die Hohenloher Basis gehen zu können. "Das ist ein Geschenk."
So läuft die Woche der Abgeordneten
Der Montag gehört meist dem Wahlkreis: "Da lese ich Dokumente durch oder nehme Termine wahr." Ab Dienstag ist sie in Stuttgart. "Da bleibe ich bis Donnerstag oder Freitag und eile von einem Termin zum nächsten." Die Gefahr ist: "Man fühlt sich schon wie in einer Blase." In der Kommunalpolitik sei alles viel bodenständiger. Und die Themen würden schneller umgesetzt. "Das ist schon ein großer Unterschied." Und wie ist das Gefühl im öffentlichen Plenum? "Da prallen Regierung und Opposition aufeinander." In den Parlamentsausschüssen sei das anders: "Da wird versucht, auch gute Ideen der Opposition aufzugreifen. Das ist ein bisschen so wie im Gemeinderat oder Kreistag."
So ist das Verhältnis zu den zwei anderen Abgeordneten aus Hohenlohe
Mit CDU-Kollege Arnulf von Eyb aus Dörzbach, dem sie das Direktmandat entrissen hat, komme sie gut zurecht. "Er ist ein Gentleman, ich arbeite gerne mit ihm zusammen." Bei der Anreise hielten sie es klassisch: "Er fährt mit dem Auto, ich mit der Bahn." Eine Fahrgemeinschaft gebe es nicht. Dafür ab und zu "ein Frühstücksangebot" in Stuttgart. Mit dem AfD-Abgeordneten Anton Baron aus Öhringen will Kern lieber nichts zu tun haben. "Wir haben keine gemeinsame Ebene, seine Partei arbeitet destruktiv."
Zur Person
Catherine Kern wurde am 12. November 1961 in North Yorkshire in Großbritannien geboren und wuchs bei Liverpool auf. Ihr Vater war Seemann, ihre Mutter gebürtige Holländerin. Sie studierte Betriebswirtschaft und Deutsch in Manchester. 2001 zog sie mit ihrer Familie zunächst nach Pfedelbach und dann nach Öhringen. Die Landtagswahl 2021 war eine denkwürdige für den Wahlkreis Hohenlohe: Erstmals verlor die CDU ihr Direktmandat, erstmals zog eine Frau hier in den Landtag ein. Catherine Kern holte 28,7 Prozent der Stimmen und entthronte Arnulf von Eyb, der auf 24,4 Prozent kam. Kern ist medienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion und Vize-Vorsitzende des Arbeitskreises "Europa und Internationales" sowie Mitglied des gleichnamigen Parlamentsausschusses und des Ständigen Ausschusses.
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