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Kreis-Abfallwirtschaft plant Verwaltungsgebäude in Beltersrot: Kupferzeller Gemeinderäte reagieren irritiert

Auf der Mülldeponie Stäffelesrain will der Eigenbetrieb des Landkreises seine Mitarbeiterschaft zentralisieren und ein dreistöckiges Verwaltungsgebäude errichten. Die Kupferzeller Räte bewilligten die entsprechende Bauvoranfrage jedoch zunächst nicht.

Christian Nick
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Kreis-Abfallwirtschaft plant Verwaltungsgebäude in Beltersrot: Kupferzeller Gemeinderäte fühlen sich überfahren
Baustelle Deponie: Die Pläne der Kreis-Abfallwirtschaft, dort ihre gesamte Verwaltung zu zentralisieren, stoßen auf Kritik im Kupferzeller Gemeinderat. Foto: Christian Nick  Foto: Nick, Christian

Die Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises (AWH) will sich auf der Mülldeponie Stäffelesrain in Beltersrot ein zentrales Domizil schaffen: Hierfür soll ein - voraussichtlich dreistöckiges - Verwaltungsgebäude sowie eine Halle samt Werkstatt gebaut werden. Das ist an sich eigentlich keine echte Neuigkeit: Denn so hatte es der Kreistag bereits im Juli 2020 grundsätzlich beschlossen und die Hohenloher Zeitung unmittelbar danach auch berichtet.

Dennoch reagierten zahlreiche Kupferzeller Gemeinderäte irritiert, als die entsprechende Bauvoranfrage nun im örtlichen Kommunalparlament auftauchte: "Warum muss die gesamte Verwaltung nach Beltersrot", fragte etwa Gerd Stier (FWV). Und schob postwendend hinterher: "Warum kommt das so scheibchenweise?" Auch FWV-Fraktionschef Volker Baumann fand klare Worte: "Mit Transparenz hat das gar nichts zu tun: Ein Gebäude in diesem Volumen war nie Thema."

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Kostenreduzierung und Synergien als Ziel

Peter Lemke – einziger Kreisrat im Kupferzeller Gremium – versuchte, etwas Klarheit über die Hintergründe zu schaffen und die Position der Kreisverwaltung zu schildern: Durch den Bau in Beltersrot, der rund 40 Mitarbeitende beherbergen soll, erhoffe man sich im Vergleich zu einem Neubau in Künzelsau eine deutliche Kostenreduzierung und Synergie-Effekte, führte das UWG-Rats-Urgestein aus.

Gänzlich komme das Projekt nicht aus dem luftleeren Raum, betonte auch Bürgermeister Christoph Spieles: Denn beim sogenannten Baustellen-Stammtisch sei das Anliegen zumindest grundsätzlich thematisiert worden.

Dennoch gelang es ihm nicht, die Skepsis im Ratsrund zu verdrängen: Intransparent sei die Informationspolitik der Abfallwirtschaft, befand Joachim Deitigsmann: "Das ist jetzt schon der zweite Behörden-Standort in unserer Gemeinde, der auf etwas ,direkterem" Weg erstellt wird", so der FWV-Rat ironisch in Bezug auf die Ansiedlung des Kreis-Landwirtschaftsamts. Das mache "keinen guten Eindruck" bei regionalen Gewerbetreibenden.

Wort-Erteilung verweigert

Bürgermeister Spieles sagt auf Nachfrage zur HZ: "Ich persönlich sehe das recht emotionslos: Denn das Betriebspersonal ist ja sowieso vor Ort untergebracht." Mit dieser Haltung zu dem Verwaltungsbau, der im Eingangsbereich der Deponie seinen Platz finden soll, konnte er im Rat jedoch nicht jeden überzeugen: Gerne hätte Spieles dem im Publikum anwesenden Geschäftsführer der Abfallwirtschaft, Sebastian Damm, das Wort für einige Erläuterungen erteilt - doch zwei Räte stellten sich dagegen.

Und so musste das Plenum auf den - womöglich inhaltlich weiterführenden - Beitrag verzichten. Ob der Bürgermeister die Vorwürfe der Ratsmitglieder hinsichtlich vermeintlicher Intransparenz und Salami-Taktik nachvollziehen kann? "Die Vorwürfe gingen ja gegen den Landkreis und nicht gegen die Gemeinde. Weil wir eben in der Vergangenheit schon ähnliche Anträge hatten: für die temporäre Container-Anlage des Landwirtschaftsamts und den Zufahrtsbereich."

Schon seinerzeit hatten einige Räte von der Landkreisverwaltung die Darlegung einer langfristig-strukturellen Planung eingefordert: Wie, wann und in welchem Umfang will der Kreis letztlich Behörden in Kupferzell ansiedeln? "Es wäre interessant, ein Gesamtkonzept im Gremium zu hören", bekräftigte Volker Baumann nachdrücklich.

Am Ende stand ein klares Votum der Kupferzeller Kommunalpolitiker: Einstimmig beschlossen sie die Vertagung der Bauanfrage. Der Westernacher Ortschaftsrat soll sich zunächst eingehender mit der Sache beschäftigen. Klar ist aber auch: Die Kupferzeller Gremien verfügen letztlich über keine Handhabe, den Bau zu verhindern – das Landratsamt als Genehmigungsbehörde entscheidet. 

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