Gutes Essen, gute Qualität, zu wenig Auslastung in der Pfedelbacher Mensa
In der Mensa gehen nicht einmal die Hälfte der geplanten Essen über die Theke - Gemeinde muss mehr zuschießen.

Es war eines der Großprojekte der vergangenen Jahre in Pfedelbach: Die Mensa an der Pestalozzi-Schule ist seit einem halben Jahr in Betrieb und bildete einen wichtigen Baustein in der Schulentwicklung. Die Baukosten lagen bei 2,8 Millionen Euro. Die erste Bilanz nach einem halben Jahr ist ernüchternd und zwingt die Gemeinde zum Handeln. Nicht einmal die Hälfte der kalkulierten Mahlzeiten gehen über die Theke. Im Schnitt sind es 38 pro Tag. Ziel waren 90 Essen.
Mehr Zuschläge für Gemeinde
Der Gemeinderat beriet deshalb in seiner Sitzung am Dienstag über Gründe und stimmte der vorgeschlagenen Zuschlagserhöhung des Bewirtschafters ab Juni zu. Abhängig von den Essen, die ausgegeben werden, variiert der Zuschuss, den die Gemeinde leisten muss. Derzeit liegt er bei 1,27 Euro pro Essen.
Für die Kinder ändert sich nichts. Ein Essen für den Schulbereich kostet 3,90 Euro netto, in Kindertageseinrichtungen, das betrifft das Kindernest Nord-West, das Stobacher Kinderland und den Kindergarten Windischenbach, liegt man bei drei Euro.
Suche nach Gründen
Woran liegt die schleppende Nachfrage? Am Essen zumindest nicht, betonte der Pfedelbacher Hauptamtsleiter Klaus Uhl. Die Portionen seien reichlich, die Qualität stimme, es sei sogar Nachschlag möglich. Uhl: "Das ist zumindest ein guter Ansatz und wir wissen, dass es nicht daran liegt."
Vor allem der zurückliegende Corona-Winter habe den Start der neuen Mensa schwierig gemacht. Immer wieder habe es Ausfälle gegeben.Zudem seien keine Aktionen zum Start möglich gewesen. So berichtete der Caterer bei einem Gespräch im Rathaus, er habe von September bis Dezember 2021 nicht einmal die notwendige Anzahl von Essen verkauft, um die Kosten zu decken. Hauptsächlich bei den Schülern seien es derzeit viel zu wenig, die das Angebot nutzen. "Wir erreichen die über 13-Jährigen nicht, das macht einen Großteil des Defizit aus", ergänzte Uhl.
Abläufe lassen sich nicht ändern
Grund, dass viele das Angebot nicht nutzen, so Uhl, sei auch die schwerfällige Logistik. Das heißt, jeder Schüler müsse einen Chip bestellen, der noch zu laden ist. Dazu kommt: Das Essen müsse immer für die übernächste Woche gewählt werden. Zudem würden keine Snacks angeboten. An der Bestellung und dem langen Vorlauf, ergänzte Pfedelbachs Bürgermeister Torsten Kunkel, könne man nichts verändern. Weitererer Faktor sei, dass in Pfedelbach das Angebot drum herum, sich etwas zu essen zu holen, "riesig" sei: von Bäcker über Schnellimbiss bis Supermarkt.
Jetzt gilt es zu handeln. Anfang Mai rührte die Gemeinde mit Unterstützung des Elternbeirats kräftig die Werbetrommel. Allerdings, wie FWV-Rat Stefan Jakob bedauerte, in der Zeit, in der viele Klassen im Schullandheim waren. Die Bilanz der Aktion: ernüchternd, wie es im Gemeinderat hieß. 17 zusätzliche Essen seien für diesen Zeitraum gebucht worden.
Viele Vorschläge
Auch die Räte sind besorgt. FWV-Rat Michael Schenk schlug vor, einen Tag der offenen Tür und verschiedene Aktionen nachzuholen, um die Mensa bekannter zu machen. Er begrüßt die Einrichtung eines WLan-Netzes, findet aber zudem, dass auch der Caterer der Gemeinde ein Stück entgegenkommen sollte. Auch FWV-Rat Joachim Knoche befürwortete die Vorschläge der Gemeinde wie einen Tischkicker. FWV-Rat Tilo Allmendinger indes warf die Frage auf, die sich einige stellen: Wie viel will die Gemeinde noch bezuschussen? Bürgermeister Kunkel konterte: "Die Frage ist, was ist, wenn wir es nicht tun."
Michael Schenk stellte den Antrag, der sofort befürwortet wurde, alle Ideen, die die Gemeinde herausgearbeitet hat, nach und nach umzusetzen. Dazu gehört neben dem Tischkicker, dass alle Schüler mit einem Chip ausgestattet werden. Pfandkosten könnte die Gemeinde übernehmen. Wenn der Chip schon vorhanden sei, seien Eltern vielleicht bereit, ein Guthaben aufzuladen oder im besten Fall die Mensa selbst zu testen. Snacks wie Fingerfood und Getränke anzubieten, würde vielleicht gerade die jetzt fehlende Zielgruppe "13 aufwärts" ansprechen, so ein weiterer Vorschlag. Zudem ist der Plan, dass jede Klasse einmal mit der Lehrkraft auf Kosten der Gemeinde in die Mensa geht oder ein Seniorenteller angeboten wird. Auch Mitarbeiterin Claudia Lang hofft auf mehr Nachfrage: "Es ist halt viel frisch, da braucht man einen gewissen logistischen Vorlauf."
Neben der Schule werden einige Kindergärten mit dem Essen aus der Mensa versorgt. Ein Menü für Erwachsene und Lehrer kostet derzeit 5,17 Euro und enthält keine Geschmacksverstärker oder Haltbarmacher laut Caterer. Die Gemeinde bezuschusst das Schüler- und Kitaessen. Die Zuschüsse, die für das laufende Jahr angesetzt sind, betragen zum Beispiel für den Kindergarten Windischenbach 5000 oder 11 000 Euro für Untersteinbach. Insgesamt sind dafür im Haushalt 68 000 Euro angesetzt.
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