Forchtenberg
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Annâweech sind zurück

Die Hohenloher Kultband präsentiert sich mit der neuen Sängerin Sandra Masuch. Öffentliche Probe wird zum dreistündigen Konzert.

Armin Rössler
von Armin Rößler
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Lesezeit 3 Min
Annâweech sind zurück
Zurück und das zu fünft: Die Hohenloher Kultband Annâweech hat mit Sängerin Sandra Masuch Verstärkung bekommen. Foto: Armin Rößler  Foto: Rößler, Armin

Zwei Jahre, sechs Monate und 25 Tage sind es gewesen seit ihrem letzten Konzert, hat Annâweech-Chef Frank "Molle" Winkler ausgerechnet. Dann kamen die Corona-Pandemie und vor allem im Oktober 2020 der viel zu frühe Tod von Gitarrist und Liederschreiber Peter "Boudsch" Botsch im Alter von nur 65 Jahren. Sämtliche Aktivitäten zur "Silwerhôôchzich", dem 25-jährigen Bestehen der Band, fielen notgedrungen ins Wasser. Unter dem Titel "Landei" erschien als Trostpflaster immerhin die wohl letzte CD der Hohenloher Kultband mit neuen Liedern. Und jetzt sind Annâweech zurück auf der Bühne - und zwar plötzlich wieder zu fünft.

Charmant die Lücke geschlossen

Sandra Masuch heißt die Neue am Mikrofon, die sich beim als öffentliche Probe deklarierten Auftritt in der Turnhalle in Forchtenberg zu Molle (Gitarre, Gesang), Volker "Gassi" Gässler (Keyboard, Chorgesang), Harry "Harry" Weber (Bass, Chorgesang) und Rolf "Frett" Schneider (Schlagzeug, Chorgesang) gesellt. "Uns war immer klar, der Boudsch wird nicht ersetzt", sagt Molle und trotzdem wolle man "die Lücke schließen". Das mit einer Sängerin zu tun und damit den unweigerlichen Vergleichen die Grundlage zu entziehen, ist ein cleverer Schachzug und eine charmante Lösung. Denn Sandra Masuch fügt sich prima in die Truppe der doch etwas älteren Herren ein, stimmlich, aber auch mit viel Energie und Bewegungsdrang auf der Bühne - so ansteckend, dass Nebenmann Harry Weber immer mehr aus sich herausgeht und gegen Ende beide fröhlich hüpfen.

Erst nervös, dann cool

"Aufgeregt war ich schon, aber es macht Spaß", berichtet die 44-Jährige während der Pause im kurzen Gespräch mit der HZ. Sandra Masuch kommt aus Tannen bei Neuenstein, hat zwar einen "schwäbischen Migrationshintergrund", weil sie in Tuttlingen geboren ist, hat aber nach eigener Aussage "schon immer gewusst, dass ich hierher gehöre" und ihre Wurzeln in Hohenlohe sind. Annâweech hat sie 1997 zum ersten Mal live gesehen, "seither bin ich mit der Annâweech-Droge infiziert". Eigene Gesangserfahrung hat sie seit 2017 mit der Stadtkapelle Vellberg gesammelt. Dass sie nun selbst bei Annâweech mitsingen darf, hat sie einem Anruf von Molle zu verdanken, der die Idee hatte, erst zweimal mit ihr im Duett probte und schließlich auch die restliche Band dazu nahm. Seit März übt man gemeinsam, nun gibt es das Ergebnis erstmals öffentlich zu hören. Thema Anspannung: "Nach dem Soundcheck habe ich zu Hause gebügelt", dadurch sei sie aber auch nicht gelassener geworden. Und ihr Mann habe ihr bescheinigt, dass sie gerade recht "biestig" sei. "Dann war ich als Erste wieder hier." Auf der Bühne ist von Nervosität nichts mehr zu merken, die Chemie scheint zu stimmen.

Eine bunte Mischung

Ursprüngliche Idee war es, die neue Besetzung und die Anlage in einer Halle auszuprobieren. Dazu wollten die Musiker ihre Familien einladen. Plötzlich war die TG Forchtenberg mit im Boot, druckte 200 Eintrittskarten, brachte sie ohne größere Werbung unter die Leute und kümmert sich beim Konzert auch um die Bewirtung. Das Repertoire der nunmehr öffentlichen Probe, bei der es nur wenige kleinere Pannen gibt und vieles erstaunlich gut funktioniert, ist eine bunte Mischung aus der langen Bandgeschichte. Es gibt Neueres wie "Drei Affâ" oder "Landei" vom gleichnamigen aktuellen Album, Beliebtes wie "Hohâloher Nescht" und den "Ouhengêrlesdôôch", Klassiker wie die "Schbatzâ mit Sooß" und den "Endâmärdêr" oder als Zugaben Hymnisches wie "Hohâloher Land" und "Kocherdôôl". Meist flotte Melodien mit cleveren Texten, oft witzig, gelegentlich derb, hin und wieder nachdenklich oder auch sozialkritisch. Annâweech erzählen Geschichten von den Menschen und ihrer Heimat, sind gute Beobachter des Alltags und finden die passenden Worte, ihn zu beschreiben. Nach gut drei Stunden ist Schluss, es gibt Jubelrufe, anhaltenden Applaus und stehende Ovationen. Kein Zweifel: Hohenlohe darf sich auf die kommenden Auftritte freuen.

Die Geschichte

Von 1979 bis 1995 spielte die Freetime Schwoofband Tanz- und Unterhaltungsmusik auf Festen und beim Fasching. Weil Basser Claus Rumm wegzog, wollte sich die Gruppe eigentlich auflösen. Dann machten Molle, Frett, Gassi und Boudsch aber doch weiter: Aus der Idee einer Abschieds-CD wurde die Mundart-Truppe Annâweech. Statt Cover-Songs stehen seither eigene Titel auf dem Programm, konsequent im Hohenloher Dialekt gesungen. Beim ersten Konzert auf dem Öhringer Poststraßenfest 1996 bestand das Repertoire lediglich aus acht eigenen Titeln - bis heute wurden über 160 Lieder auf CD verewigt. Weitere Informationen zur Band gibt es unter www.annaweech.de . rö

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