Bretzfeld
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25 Jahre geschenkte Zeit: Jutta Riemer verdankt einer Organspende ihr Leben

Die Bretzfelder Ex-Gymnasiallehrerin bekam 1997 ein neues Organ und engagiert sich seitdem im Verein "Lebertransplantierte Deutschland". Ein Porträt.

Von Regina Koppenhöfer
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Lesezeit  2 Min
25 Jahre geschenkte Zeit: Jutta Riemer verdankt einer Organspende ihr Leben
 Foto: Koppenhöfer, Regina

"Kaum zu glauben, dass ich heute hier sitze! Und das nur, weil ein anderer Mensch mir nach dem Tod seine Leber geschenkt hat", sagt Jutta Riemer. Vor etwa 26 Jahren trat bei der Hohenloherin eine chronische Lebererkrankung auf, die rasch zur Zerstörung des Organs führte. Ziemlich schnell war damals klar, dass nur durch eine Lebertransplantation Riemers Leben gerettet werden konnte. Wochen und Monate "zwischen Bangen und Hoffen" folgten, ebenso Aufenthalte auf Intensivstationen.

Im Juni 1997 dann die erlösende Nachricht: Es gibt eine Spenderleber für Jutta Riemer. In der Uniklinik in Heidelberg pflanzten Chirurgen in einer neunstündigen Operation das Organ ein. Jutta Riemer: "Ich freute mich auf mein normales Leben zu Hause. Und das sollte es werden."

Normal - aber anders

Sie hat wieder ein normales Leben aufgenommen, wenngleich dies etwas anders aussah als zuvor: Früher unterrichtete Riemer Sport und Biologie. Nach der Lebertransplantation aber rieten die Ärzte der Gymnasiallehrerin davon ab, in den Schuldienst zurückzukehren. Der Grund: Als Lebertransplantierte muss Riemer bis zu ihrem Lebensende Immunsuppressiva einnehmen. Das sind Medikamente, welche die Funktionen des Immunsystems vermindern, damit es nicht zu einer Abstoßungsreaktion auf das fremde Organ kommt. Die Ärzte fürchteten damals die Gefahren von Infektionen bei zu vielen Kontakten im Schulbetrieb. Riemer nahm den Rat der Mediziner an. Die Hände untätig in den Schoss legen jedoch wollte sie nicht.

Schon im Jahr nach der Transplantation engagierte sich die Bretzfelderin im Patientenverein "Lebertransplantierte Deutschland". Sie sagt: "Ich finde diese Arbeit sehr wichtig und erfüllend." Seit 24 Jahren ist Riemer dort nun sehr aktiv, fast zwei Jahrzehnte auch als Bundesvorsitzende. Die Wahl-Hohenloherin engagiert sich in hohem Maße, weil es ihr wichtig ist, "qualitativ gute Beratung" ergänzend zur ärztlichen Tätigkeit bundesweit zu gewährleisten. Im Team mit anderen organisiert Jutta Riemer etwa auch Fortbildungen, Arzt-Patienten-Seminare und Konferenzen, ebenso wie sie mit Betroffenen und deren Angehörigen Gespräche führt.

Hohe Auszeichnungen erhalten

Menschen aus ganz Deutschland rufen bei ihr an und fragen etwa, wie lange man auf ein Spenderorgan warten müsse. Andere wollen wissen, wann man wieder Sport treiben dürfe oder welche Lebensmittel erlaubt seien. Jutta Riemer hat stets ein offenes Ohr für Betroffene und deren Angehörige. "Es ist wichtig, dass man einen Ansprechpartner hat, dem man nicht verpflichtet ist", sagt Riemer, die 2018 sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat.

Die Familie ihres eigenen Spenders hat sie persönlich nie kennengelernt: Organspende findet in Deutschland anonym statt. Ihr ist bewusst, dass ihre Lebensrettung mit einem traurigen Tag einer anderen Familie verbunden ist. "Ich empfinde dieses Organ als großartiges Geschenk und Geste großer Nächstenliebe über den Tod hinaus."

Mehrfach hat Jutta Riemer diese Dankbarkeit in anonymen Briefen an die Familie des Organspenders ausgedrückt. Dessen Gabe hat ihr wieder ein "annähernd" normales Leben ermöglicht: Mit ihrem Ehemann Hans-Michael fährt Riemer im Wohnmobil, das bereits ein Jahr nach der Transplantation angeschafft wurde, in den Urlaub. Die Geburt ihrer kleinen Nichte durfte sie erleben. Auch ihr Hobby Malen konnte sie wieder aufnehmen - und mit Freude kümmert sie sich auch um ihre Hündin Janey. "Ich darf einfach wieder leben. Was für ein wertvolles Geschenk."

Riemer, die gerne mehr Berichterstattung über Gesundheitsthemen in der HZ lesen möchte, ist sehr dankbar, vor vielen Jahren so gerettet worden zu sein. Beim Gedanken daran sagt sie: "Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen sich gut über das Thema informieren und ihre eigene, persönliche Entscheidung zum Thema Organspende treffen - pro oder contra."

 

 
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