Nach AfD-Beitritt eines Gemeinderats: Steht die Kupferzeller UWG-Fraktion vor dem Aus?
Der AfD-Beitritt eines Gemeinderats sorgt für Knatsch in der Ratsgruppe: Eine Kollegin ist bereits aus der Vereinigung ausgetreten. Bei einem anberaumten Krisentreffen soll beratschlagt werden, ob die UWG-Fraktion noch Zukunft hat.

Seit Wochen gärt es bei der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) des Kupferzeller Gemeinderats. "Ich befürchte, dass es die Fraktion zerreißen könnte", sagt ein Mitglied, das namentlich nicht genannt werden möchte, zur Heilbronner Stimme/Hohenloher Zeitung.
Der Grund für den Unmut? Jürgen Häckel, langjähriges Urgestein der Gruppe im Kommunalparlament, ist im Herbst Parteimitglied der AfD geworden. "Wir sind alle nicht erfreut darüber", heißt es aus den Reihen der Fraktion.
Nach AfD-Beitritt des Kollegen: Gemeinderätin verlässt UWG-Fraktion
Bei mindestens einer Person reicht der Frust über den Beitritt des Kollegen zur rechtspopulistischen und in Teilen rechtsextremen blauen Partei so weit, dass sie die Fraktion deswegen verlassen hat: Am Dienstag ist Anna Hacker aus der Ratsgruppe ausgetreten, die nunmehr nur noch sieben statt acht Angehörige zählt. "Ich möchte nicht mit der AfD in Verbindung gebracht werden", sagt die 30-jährige Realschullehrerin unserer Redaktion.
Daher sei es aus ihrer Sicht nötig, eine klare Trennlinie zu ziehen. Sie betont: Persönlich habe sie nichts gegen Neu-AfD-Mann Häckel, es gehe ihr um die politische Dimension. Ihr Mandat wird Anna Hacker behalten und künftig als fraktionslose Abgeordnete im Kommunalparlament sitzen. Informationen unserer Redaktion zufolge machen sich die verbliebenen Mitglieder dieser Tage bei einem Krisentreffen intensiv Gedanken darüber, ob und wie es weitergehen kann.
Wie geht es mit der UWG in Kupferzell weiter?
Denn Hackers Austritt könnte womöglich sogar den Anfang vom Ende der Kupferzeller UWG-Fraktion einläuten. Nach Stimme-Informationen denken weitere Mitglieder - teilweise auch aus Altersgründen - darüber nach, die "Unabhängigen" zu verlassen oder bei den im Juni anstehenden Kommunalwahlen nicht mehr zu kandidieren. Dies kündigt auch Jürgen Häckel an: Die Wahrscheinlichkeit sei "sehr groß", dass er sich nicht mehr zur Wahl stelle, so der Informatiker, der vor einem halben Jahr den beruflichen Ruhestand angetreten hat. An neuen Kandidaten mangele es aus seiner Sicht zwar nicht, aber das Fraktions-Prinzip im örtlichen Rat halte er ohnehin nicht mehr für zukunftsfähig.
"Bedauerlich" findet Häckel die Aufregung um seinen AfD-Beitritt und den Austritt der Fraktionskollegin. "Bundespolitik hat für mich im Gemeinderat nichts zu suchen", sagt er. Seine Parteimitgliedschaft sei für die Arbeit im Gremium nicht maßgeblich und letztlich "Privatsache". Schon seit mehreren Jahren sei er bei dem rechtskonservativen Verein "Werteunion" des umstrittenen Ex-Verfassungsschutz-Präsidenten Hans-Georg Maaßen dabei, berichtet Jürgen Häckel. "Dorthin werde ich mich in Zukunft orientieren." Was das konkret bedeutet? Es könne gut sein, dass er in Bälde wieder aus der AfD aus- und der auch in Baden-Württemberg gegenwärtig in den Zügen der Gründung befindlichen Maaßen-Partei beitrete, kündigt Häckel an.
Jürgen Häckel distanziert sich von ganz rechts
Warum es ihn überhaupt zur AfD gezogen hat? Er habe sich als sehr konservativer Mensch politisch zwischenzeitlich heimatlos gefühlt, keine richtig passende Adresse im Parteienspektrum gefunden - und sei daher im Herbst halt zur AfD gegangen. Jetzt aber gebe es alsbald ein "alternatives Angebot" - und in dieser "Bewegung" wolle und werde er sich künftig engagieren. "Wenn man eine Politik-Wende hinbekommen will, muss man sich zur Wahl stellen", sagt der Kupferzeller UWG-Mann mit Blick auf die sich formierende Organisation.
Und so könne es durchaus möglich werden, dass er - wenn man ihn denn frage - in der neuen Maaßen-Partei auch Verantwortung übernehme. Jürgen Häckel betont: Er stehe "mit drei Ausrufezeichen" hinter der freiheitlich-demokratischen Grundordnung und distanziere sich von allen rechtsradikalen oder menschenfeindlichen Ideen.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare