Krautheim
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Wie ein Verein sich selber rettete

Der Reit- und Fahrverein Krautheim stand kurz vor dem Aus. Vieles auf dem Vereinsgelände war sanierungsbedürftig und es gab keine Pferde mehr. Doch dann übernahm ein junges und weibliches Vorstands-Team.

Draskovits
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Lesezeit 2 Min
Wie ein Verein sich selber rettete
 Foto: privat

Noch vor drei Jahren stand es schlecht um den Krautheimer Reit- und Fahrverein (RFV). So war nicht nur die Reitanlage, die bei der Vereinsgründung 1977 erbaut wurde, dringend sanierungsbedürftig, auch fand sich niemand im Verein, der die Vorstandsposten übernehmen wollte. Dazu kam das wohl ungünstigste für einen Reitverein: Nach Problemen mit dem Mieter gab es keine Pferde mehr auf der Anlage. Doch dann wendete sich das Blatt. Denn gleich vier junge Frauen fanden sich bereit, den Vorstand zu übernehmen. Und seitdem hat sich einiges getan im RFV Krautheim.

Viel erreicht in den verganenen Jahren

Juliane Abel steht im Reiterstüble, trotz frühlingshafter Außentemperaturen hat sie eine dicke Jacke an. "Hier ist es immer unglaublich kalt", sagt die 28-Jährige. Denn es fehlt an Dämmung in dem großzügigen Raum, der mit seiner Bar und einer großen Frontscheibe einen wunderbaren Blick in die Reithalle ermöglicht. Und das Reiterstübchen ist nicht die einzige Baustelle der Anlage: "Wir bräuchten eigentlich eine neue Beregnungsanlage für den Hallenboden, der Springplatz muss erneuert werden - es ist eine nie endende Arbeit", seufzt sie.

Und doch hört man in Abels Stimme auch Stolz. Denn in den vergangenen Jahren hat sich einiges getan. Genauer gesagt: Seit sie mit Karin Eichhorn, Barbara Vogelmann und Natalie Göker den Vorstand übernommen hat. "Die erste Frage war die der Pferde", erklärt Abel. "Vereinseigene Pferde ist kaum machbar, aber dann haben wir Melli gefunden." Damit meint sie Melissa Kleinhans. Die gelernte Pferdewirtin zog im Juni 2020 mit ihren Pferden ein und eröffnete "Mellis Reitschule". Inzwischen finden sich wieder rund 30 Pferde auf der Anlage des Vereins.

Alles neu: Vom Biergarten bis zu den Toiletten

Wie ein Verein sich selber rettete
400 Stunden Arbeit steckten Mutter Susanne Abel (Mitte) und ihr Mann in die Sanierung. Karin Eichhorn (links) und Tochter Susanne sind dankbar. Foto: Katrin Draskovits  Foto: Draskovits, Katrin

Doch damit war es nicht getan. Ein neuer Hallenboden wurde gelegt, der Biergarten eröffnet, mit dem sich die rund 240 Mitglieder sonntags Geld für die Vereinskasse verdienen. Und hier zeigte sich die Stärke des Vereins: Engagierte Mitglieder und deren Familien. Denn diese halfen fleißig mit - beim Fundament legen, Treppe bauen und Zaun bauen. Und auch beim neusten Renovierungsprojekt wurde tatkräftig mitangepackt. "Die Toiletten waren wirklich furchtbar", erinnert sich Abel. "Die Damentoiletten waren zu eng und zu klein." Und so begannen 19 tatkräftige Helfer im Januar 2021 mit der Kernsanierung. Allein Abels Eltern Jürgen und Susanne kommen auf rund 400 Stunden ehrenamtliche Arbeit. "Da haben wir bestimmt noch ein paar vergessen aufzuschreiben", sagt Susanne Abel lachend. So fuhren die Eltern etwa nach München, um eine alte Sanitäranlage von einem Sportverein abzuholen, erzählt Juliane Abel. "Ich bin ihnen so unendlich dankbar", sagt sie. Und so gibt es dann auch einen großen Blumenstrauß und Gutscheine für die Eltern.

Dass die Sanierung der Toilette überhaupt möglich war, ist auch einem Zuschuss der Eugen-und-Helga-Seitz-Stiftung zu verdanken. "Wir haben nicht all zu viel Geld, deshalb passiert fast alles in Eigenregie oder mit Hilfe von Spenden und Unterstützern", erklärt Abel. "Es gibt wirklich viele in Krautheim, die uns unterstützen", ist sie dankbar. Auch beim nächsten Projekt, gibt es Hilfe. Diesmal im Rahmen der "Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes" von Land und Bund. Dank der Gelder für die "Inwertsetzung des Reiterstübchens in Krautheim" ist die Zeit der dicken Jacken im Raum bald passé.

Dankbarkeit für die Eltern

"Den Boden und andere Arbeiten machen wir dann mit Eigenmitteln", so Abel. Lange Zeit hat der Verein dafür nicht. "Im Oktober haben wir eine Schleppjagd, bis dahin wollen wir fertig sein." Selbst wenn dieser enge Zeitplan klappt wird die Arbeit für die Mitglieder so schnell nicht aufhören. "Viele Kleinigkeiten, wie Türen oder Lampen müssten ausgetauscht werden, aber das läppert sich halt. Wir sind dankbar für alles, was gespendet wird", sagt Abel. "Doch am wichtigsten ist mir erst mal, meinen Eltern zu sagen, wie dankbar ich und der ganze Verein ihnen sind."

 
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