Künzelsau
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Vater und Sohn im Künzelsauer Hochschul-Talk

Schauspieler Peter Lohmeyer und Polit-Talker Louis Klamroth bei "Backstage" auf Campus der Reinhold-Würth-Hochschule. 2003 waren die beiden gemeinsam in "Das Wunder von Bern" zu sehen.

Von Rainer Lang
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Vater und Sohn im Hochschul-Talk
In zwangloser Atmosphäre plauderten Schauspieler Peter Lohmeyer (links) und sein Sohn, Polit-Talker Louis Klamroth. Foto: Rainer Lang

Gerne hätten mehr junge Leute die neue Ausgabe der Talkrunde "Backstage" mit prominenten Gästen auf dem Campus Künzelsau der Reinhold-Würth-Hochschule am Montagabend besucht. Nach langer coronabedingter Pause war zwar die Wiederauflage möglich, aber wegen 2G-Plus, das heißt doppelt geimpft und getestet, konnten viele nicht kommen. Die Organisatoren beklagten, dass in Künzelsau die Testkapazitäten viel zu gering und über Tage hin ausgebucht seien. Die Studierenden, die den Abendtalk mit prominenten Gästen seit acht Jahren veranstalten, bedauerten dies.

Denn wann gibt es schon die Gelegenheit, einen so bekannten Schauspieler wie Peter Lohmeyer und seinen als Polit-Talker beim Fernsehsender n-tv erfolgreichen Sohn Louis Klamroth hautnah zu erleben?

Gespräch in zwangloser Atmosphäre

Nachdem Lohmeyer am Abend zuvor beim Weihnachtskonzert von Würth vor rund 1000 Menschen ganz formell im Anzug aufgetreten war, kam der 59-Jährige an der Hochschule ganz leger mit Jeans und Pullover auf die Bühne. Ohnehin war die Atmosphäre zwanglos. Denn die für das Projekt verantwortliche Lehrbeauftragte Bernadette Schoog, die neben der Studentin Christiane Staudacher als Talkmasterin die Gäste befragte, kennt Peter Lohmeyer von ihrer Arbeit als Dramaturgin am Bochumer Theater.

Erinnerungen an gemeinsamen "Das Wunder von Bern"-Dreh

Nicht zufällig ging es zunächst um das Thema Fußball. Denn Vater und Sohn standen in dem preisgekrönten Film "Das Wunder von Bern", in dem es um den deutschen Titelgewinn bei der Fußballweltmeisterschaft 1954 geht, vor knapp zwei Jahrzehnten gemeinsam vor der Kamera. Vergessen kann Louis nicht, dass ihn sein Vater im Film wirklich geohrfeigt hat. Lohmeyer konnte sich das Lachen nicht verkneifen, als er sich erinnerte, wie verdutzt sein Sohn deshalb war.

Nach dem humorigen Einstieg wurde es schnell ernst. Denn der bekennende Schalke-Fan Lohmeyer hatte seine Mitgliedschaft im Verein aufgekündigt wegen rassistischer Auslassungen des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies. Für härteres Durchgreifen mit Stadionverboten bei rassistischen Äußerungen sprach sich Sohn Louis aus.

Einsatz für die SOS-Kinderdörfer

Vater und Sohn setzen sich seit langem für die SOS-Kinderdörfer ein. Zumal Louis Klamroth nach dem katastrophalen Erdbeben in Haiti vor mehr als zehn Jahren als Helfer für die Organisation im Einsatz war. "Man sollte jedoch nicht irgendwo hinfliegen, weil man einfach so helfen will", mahnte er vor dem überwiegend jungen Publikum.

Zwischendurch mussten Vater und Sohn sich zu ihren "Jugendsünden" bekennen. Louis wurde im Internat beim Marihuana-Rauchen erwischt und der Vater ist sogar schon mal in Ohnmacht gefallen. Mehr Kreativität erwartet Lohmeyer, der sich auch als Sänger und Maler hervortut, vom deutschen Fernsehen, vor allem vom öffentlich-rechtlichen. Er findet, dass es "nichts Risikounfreudigeres und Unmutigeres gibt". Da konnte Ingeborg Staudacher im Publikum nur zustimmen, die den Auftritt ihrer Tochter verfolgt hatte. Diese habe als ausgebildete Schauspielerin kaum Chancen, da das Fernsehen auf bekannte Gesichter setze, klagte die Mutter.

Organisatoren
Studierende des Studiengangs Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement (BK) organisieren seit dem Wintersemester 2013/14 den Talk-Abend "Backstage". Als Teil des Seminars Presse- und Öffentlichkeitsarbeit unter Leitung von Bernadette Schoog konzipieren, organisieren und realisieren sie die Veranstaltung. Auch Tatort-Kommissar Richy Müller und Unternehmensgründer Professor Reinhold Würth waren schon zu Gast. Mit Unterstützung der Stiftung Würth lernen die Studierenden, Projekte eigenständig umzusetzen.

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