Studenten der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau bauen Elektro-Rennauto
Am Anfang stand eine Vision: Daniel Kaluza und Tobias Masur wollten einen elektrisch angetriebenen Rennwagen bauen. Die Elektrotechnik-Studenten machten sich auf die Suche nach Mitstreitern und Sponsoren. Und hatten Erfolg.

Sichtlich bewegt stehen die beiden Studenten Daniel Kaluza und Tobias Masur an der Reinhold-Würth-Hochschule (RWH) in Künzelsau auf der Bühne. Gemeinsam mit Rektor Oliver Lenzen und der neuen Prodekanin Gertraud Peinel ziehen sie das Tuch herunter und präsentieren dem Publikum Elly.
Elly ist das erste, selbst konstruierte Elektro-Rennauto des neu gegründeten Studentenvereins HHN eRacing. Ferchau-Ingenieur Gregor Jakubik findet deutliche Worte: "Das ist der nächste krasse Scheiß, der auf die Straße kommt."
Nicht nur Kaluza und Masur als Projektleiter des Vereins sind stolz auf "ihr Baby", auch Professoren vom Campus Künzelsau zeigen gerne, was ihre Studenten in jahrelanger Fleißarbeit konstruiert haben.
Seit Jahren bauen Nachwuchsingenieure am Campus Heilbronn-Sontheim für den Konstruktionswettbewerb Formula Student einen Rennwagen. Bau, Vermarktung, Präsentation - alles läuft in Heilbronn. Staunend stehen die beiden Elektrotechnik-Studenten 2016 vor dem Rennwagen, den ihre Kommilitonen konstruiert haben.
Ein alter Rennwagen mit Verbrennermotor - mehr haben sie nicht, als sie mit der Arbeit loslegen
Das ist genau ihr Ding. Sie studieren in Künzelsau - zu weit weg, um regelmäßig in Heilbronn mitzuarbeiten. Elektrische Antriebstechnik ist Kernkompetenz an der RWH. Da ist es logisch, hier einen elektrisch angetriebenes Modell zu bauen. Ein alter Rennwagen, mit Verbrennermotor versteht sich, und eine Vision - mehr haben sie nicht, als sie kurz darauf mit der Arbeit loslegen. Wie ein Startup bauen Daniel Kaluza und Tobias Masur den Verein HHN eRacing und die Infrastruktur auf.
Ein Elektro-Rennwagen baut sich nicht aus Seifenblasen: Sponsoren, viel Hardware, eine Werkstatt, Testlabore, kluge Köpfe mit technischem und betriebswirtschaftlichem Know-how, Berater, wenn es an einer Stelle hakt und sie keine Lösung finden.
Sponsoren, viel Hardware, eine Werkstatt, Testlabore und Berater
"In diesem Wagen steckt so viel Herzblut, Schweiß und Arbeit", sagt Kaluza. Die Bedingungen sind anfangs nicht optimal. Wo soll man sich eine Werkstatt einrichten? Von der Campusleitung bekommen sie einen Raum zur Verfügung - zu klein, um anständig schaffen zu können. Welche Kommilitonen brennen noch für ihre Idee, dass sie bereit sind, ihre Freizeit in den Rennwagen zu stecken? Welche regionalen Unternehmen kann man um finanzielle Unterstützung bitten? Wo bekommt man die Komponenten fürs Fahrzeug her?
Doch es läuft, der Funke springt auf andere über. Das Team organisiert sich gut. Viele Themen, wie die Vermarktung des Rennwagens, können im Studium der Techniker und Betriebswirtschaftler als Studienarbeiten oder als Wahlpflichtfächer eingebettet werden. Es wird gebaut, getüftelt und getestet. Von Ferchau in Heilbronn bekommen sie Geld. Bosch in Abstatt versorgt sie mit zwei Elektromotoren und weiterer Hardware.
Mit den Kommilitonen vom HHN Racing-Team aus Sontheim tauschen sie sich regelmäßig aus. Professoren am Campus haben bei Schwierigkeiten stets ein offenes Ohr. Kaluza: Ein großes Problem war, dass das Chassis nur für einen schmalen Verbrennungsmotor ausgerichtet war. Wir mussten aber zwei Elektromotoren unterbringen." In Elly stecke auch viel Erfinder- und Ingenieursgeist. Student Daniel Kaluza gibt vor Publikum unumwunden zu: "Das Studium lief nebenher."
Rektor Oliver Lenzen, selbst Ingenieur, ist beeindruckt: "Man kann es nicht besser machen. Von der Hochschulleitung bekommen Sie alle Unterstützung und Respekt für das, was Sie geleistet haben." Und von der Prodekanin Gertraud Peinel gibt es jetzt auch das Versprechen, dass künftige E-Rennwagen in einem größeren Raum gebaut werden können.
Formula Student ist ein weltweiter Konstruktionswettbewerb zwischen Universitäten und Hochschulen. Ziel ist, pro Jahr einen Formel-Rennwagen zu konstruieren, zu bauen und zu vermarkten. Die Studententeams treffen sich, um ihre Rennwagen einer Fachjury mit Juroren aus der Automobilindustrie und Formel 1 zu präsentieren und in verschiedenen Disziplinen gegeneinander anzutreten.
Seit 2006 findet der Formula Student Germany Wettbewerb auf dem Hockenheimring statt. Der Verein HHN Racing der Hochschule Heilbronn ist seit Jahren am Hockenheimring dabei. Ziel des neuen Teams HHN eRacing der Reinhold-Würth-Hochschule ist, 2020 mit ihrem Wagen bei den Formula Student Electric am Hockenheimring am Start zu sein.
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