Krautheim
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Mit einem Notfall-Plan möchte sich Krautheim auf Krisen vorbereiten

Krautheim hat die EnBW beauftragt, ein Notfall- und Krisenmanagement für die Stadt zu erstellen. Dies soll etwa bei einem Blackout für mehr Korrdination sorgen. Doch nicht jeder im Gemeinderat ist begeistert.

Draskovits
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Mit einem Notfall-Plan möchte sich Krautheim auf Krisen vorbereiten
Wer muss in Krautheim wie reagieren, sollte ein Stromausfall eintreten? Die EnBW möchte für die Stadt ein Krisen- und Notfallmanagement erarbeiten, das solche Fragen klären soll. Foto: Archiv/Ludwig  Foto: Ludwig

Ein Krisenszenario: Es gibt Hochwasser, der Strom fällt aus und damit auch die Wasserversorgung einer ganzen Stadt. Schon der Starkregen im Jahr 2016 führte dazu, dass in den Hohenloher Kommunen einiges in die Hochwasser-Sicherheit investiert wurde. Nach den dramatischen Ereignisse im Ahrtal im vergangenen Jahr betrachteten zahlreiche Städte und Gemeinden ihr Krisenmanagement erneut: vom Ertüchtigen alter Sirenen bis zum Erstellen von Starkregenrisikokarten.

In Krautheim machte die EnBW bei der jüngsten Gemeinderatssitzung nun ein Angebot, das genau in diese Kerbe schlägt: Die Erstellung eines Notfall- und Krisenmanagements. Während Bürgermeister Andreas Köhler das für eine "absolute Notwendigkeit" hält, war nicht jeder im Rat so leicht zu überzeugen.

Ein Rundum-Sorglos-Paket für den Krisenfall

Es sei "quasi ein Ordner, in dem steht, wer wann was zu tun hat im Krisenfall", erklärt Brigitte Bayer, Kommunalberaterin bei Netze BW, die im Namen des EnBW-Krisenmanagements im Krautheimer Rat die Idee vorstellt. Wie Bürgermeister Köhler betont, gehe es ihm vor allem darum, "im Falle eines Stromausfalls die Wasserversorgung sicherzustellen."

Der Zweckverband Wasserversorgung Nordostwürttemberg hätte, so Köhler, bereits ein Stromausfallszenario in sein Krisenmanagement aufgenommen, "nun sind wir am Ende der Versorgungsstränge dran". Deshalb das Angebot eines "Rundum-Sorglos-Paketes für den Krisenfall", so Bayer. Im Falle von Krautheim würde es vor allem um die Szenarien Starkregen und Blackout gehen, "doch das ist auch auf alles andere anwendbar", verspricht Bayer den Ratsmitgliedern.

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Drei Workshops enthält das Angebot. "Die führen wir mit der Gemeinde durch", erklärt sie. Gemeinsam mit Bauhof, Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz, Verwaltung und sonstigen wichtigen Stellen erarbeite die EnBW das Krisenhandbuch und erstelle es im Anschluss. "Ein Jahr dauert es bestimmt." Für Köhler ein gutes Argument: "Damit können wir es im Haushalt 2023 abrechnen." Denn im aktuellen Haushalt ist das 17.660 Euro teure Krisenmanagement nicht vorgesehen.

Viele Nachfragen zum Krisenmanagement

Zum Paket gehöre nicht nur, "dass Sie bei Stromausfall oder einem Starkregenereignis gut reagieren", wie Bayer erklärt, auch eine Nachbereitung, "um zu garantieren, dass es beim nächsten Mal besser läuft", gehöre dazu. Der Plan bestehe aus vier Puzzleteilen: Eine Analyse - "was passiert, wenn drei Tage der Strom ausfällt in der Stadt". Dann ein Konzept - "individuelle Empfehlung zur Optimierung interner Prozesse" - und die Krisenkommunikation - "wie alarmieren Sie ihre Ortsvorsteher und die Bevölkerung und wie gehen Sie mit der Presse um". Zudem noch die Umsetzung der Maßnahmen - "gibt es etwa einen großen Raum, in dem sich die Menschen versammeln können und ist der geheizt?"

Auch wenn sich im Rat alle Redner einig sind, dass ein Krisenmanagement wichtig sei, sorgt das EnBW-Paket nicht für Begeisterungsstürme. "Es steht also das Wasser einen Meter hoch und ich suche erst einmal einen dicken Leitzordner durch?", fragt Ratsmitglied Christoph Krebs nach der Sinnhaftigkeit. Frank Fraulob ergänzt: "Es gibt doch bereits Notfallpläne für Feuerwehr, DRK und THW, schulen wir dann unsere Einwohner, wie sie Sandsäcke füllen, oder wie wird das in der Praxis umgesetzt?"

Bayers Antwort: "Klar, sie wissen vielleicht via App, wann das Wasser kommt, aber auch die Bürger, die keine App haben, müssen das erfahren. Wer sagt es denen? Das genau erarbeitet der Krisenstab." Auf den Arbeitsaufwand, der mit der Erstellung des Planes für die Verwaltung einhergehe, verweißt Ratsmitglied Thomas Dubowy. "Das ist ja ein Qualitätsmanagement für die Krise und jeder weiß, das geht nicht ohne Aufwand. Unsere Verwaltung muss die Informationen liefern, haben wir diese Ressourcen?"

Mit der Angst lässt sich Geld verdienen

"Seit dem Ahrtal lässt sich mit der Angst gutes Geld verdienen", merkt Eberhard Stauch an und schlägt vor, erstmal mit Verantwortlichen bei Feuerwehr und Co zu sprechen. "Und ist nicht eigentlich die EnBW bei einem Stromausfall verantwortlich?" Trotz zahlreicher Fragen stimmte der Gemeinderat am Ende mit vier Gegenstimmen und zwei Enthaltungen zu, die EnBW einen Krisen- und Notfallplan erstellen zu lassen. Klar ist jedoch auch: Die Umsetzung der Pläne wird die Gemeinde weitere Gelder kosten.

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