Hohenlohe
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Jokhurt, Paulaner und Bearnd lassen die Hohenloher Mundart musikalisch hochleben

Kurt Rösch und Co. haben sich einen Kultstatus erarbeitet als Mundartmusiker, die ihre Auftritte auch mit kabarettistisch scharfen Wortbeiträgen würzen.

Ralf Reichert
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Lesezeit 3 Min
Kultiger Kauz ganz ohne Kommerz
In Ehren ergrautes Original: Der Gitarrist und Sänger Kurt Rösch an dem zur Raststation umfunktionierten Buswartehäuschen vor seinem Haus in Hessenau.  Foto: Reichert, Ralf

Dass sie in gewisser Weise stehen geblieben sind, seit sie begonnen haben, die Hohenloher Mundart auf unnachahmliche Weise musikalisch zum Leben zu erwecken, gibt Kurt Rösch unumwunden zu. Er findet das überhaupt nicht schlimm, sondern bezeichnet es als Markenkern von Jokhurt, Paulaner und Bearnd. So heißt das Trio ganz aktuell, nachdem der Mannequin alias Manfred Schaffarczyk ausgestiegen ist und durch Bernd Leidig am Klavier ersetzt wurde. Paul Grönsfelder, der Paulaner, zupft wie eh und je den Bass, während Kurt Rösch, der Jokhurt, Gitarre spielt und singt.

"Im Marketing waren wir immer echte Nullen"

Ihre Internetseite ist alles, nur nicht auf dem neuesten Stand, was dem in Ehren ergrauten Zentralhohenloher ziemlich egal ist. "Im Marketing waren wir schon immer echte Nullen." In den sozialen Medien finden sie praktisch nicht statt. "Eigene CDs hatten wir bei unseren Auftritten fast nie dabei." Auch dieses Ding namens Handy ist ihm so fremd wie der Fernseher. Wenn überhaupt, hört er mal Radio. Seine Leidenschaft ist das Lesen. Und die Lyrik. Diese Prosa bringen er und seine Bandkollegen entweder zum Klingen. Oder sie entfaltet sich ganz altmodisch in Büchern, natürlich publiziert im Eigenverlag.

Kurt Rösch und Co. haben Kultstatus erlangt

Doch obwohl Kurt Rösch und Co. mit Werbung und Kommerz nichts anfangen können, haben sie sich einen Kultstatus erarbeitet als Mundartmusiker, die ihre Auftritte auch mit kabarettistisch scharfen Wortbeiträgen würzen. "Das Verhältnis ist zwei Drittel zu ein Drittel." Zwei Stunden, zwanzig Titel: Darauf kann man sich verlassen. Mit Rock und Blues, auch mal Tango oder einem schrägem Ländler. "Ohne Samples, ohne Schlagzeug, denn so versteht man die Texte besser." Und davon kann man sogar ganz gut leben.

Authentisch und frisch wie am ersten Tag

Konstanz und Verlässlichkeit prägen ihre Kunst. Da wirkt nichts aufgesetzt und gekünstelt, sondern authentisch und frisch wie am ersten Tag. "Na ja, eine Boygroup sind wir nicht mehr, eher eine Midlife Boygroup", schmunzelt der 66-Jährige. Obwohl er sich qua Alter schon im Ruhestand wähnen könnte - was ihm prompt einmal heraus rutscht -, weist er dies im nächsten Moment umgehend von sich. Und auch von einer verspäteten Midlife-Krise kann bei Kurt Rösch keine Rede sein.

Er sitzt vor seinem Wohnhaus und philosophiert

Kultiger Kauz ganz ohne Kommerz
Landleben live: So bodenständig hohenlohisch inszeniert sich das Trio auf der nicht gerade aktuellen Homepage − hier noch als Jokhurt, Paulaner und Mannequin.  Foto: privat

Er sitzt wie eh und je gut gelaunt und wachen Blickes vor seinem Wohnhaus in Hessenau, lässt unten die Jagst gurgeln und den Herrgott einen guten Mann sein und philosophiert in dieser besten aller Lebenswelten mit spitzer Zunge und einem untrüglichen Schalk im Nacken über das, was im Zentrum all ihres Schaffens steht: Maadlich und Miaschdbriah, Herz und Seele Hohenlohes mit all den Gesichtern und Geschichten, Irrungen und Wirrungen, Nettigkeiten und Gehässigkeiten, Speisen und Getränken. Als da wären der Mouschd, den sie früh in einen ganz und gar prototypischen Blues getränkt haben. Oder Linsen und Spätzle, bis heute Röschs Leibgericht. Im Grunde geht es aber immer um die Menschen und ihren besonderen Schlag, der mal lobend, mal entlarvend, mal bruddelnd aufs Korn genommen wird.

1995 war der erste Auftritt beim Langenburger Marktplatzfest

Jokhurt und Paulaner: Das ist die Keimzelle des Trios. "Den Paul kannte ich vom Rumhängen in der Musikkneipe Wirtschaftswunder in Wittenweiler. Einmal kam uns diese Idee: Ich mach" nichts, du machst nichts, also lass" uns zusammen nichts machen." 1995 hatten sie ihren ersten Auftritt beim Langenburger Marktplatzfest. Für Kurt Rösch, der "Sofageburt aus Langenburg", war es ein gelungenes Heimspiel. Und so etwas wie der Durchbruch.

Urväter des Hohenloher Mundartmusik-Kabaretts

Und so können sie mit Fug und Recht als Urväter des Hohenloher Mundartmusik-Kabaretts bezeichnet werden, das Alltagspoesie vertont und mit schwerem Blues und knackigem Rock unterlegt hat. Dialekt zu sprechen, das sei im Gymnasium in Gerabronn eine "Todsünde" gewesen, so Rösch. Wohl auch um dagegen zu opponieren, schwenkten sie später um von Englisch auf Hohenlohisch. "Die Erkenntnis kam wie ein Blitz" - und hat sich bis heute vortrefflich bestätigt.

Zur Person

Kurt Rösch wurde in Langenburg geboren und lebt seit 1994 in einem Miethaus in Hessenau an der Jagst, einem Teilort von Ilshofen im Kreis Schwäbisch Hall. Er ist ledig "mit verschiedenen Ausbrüchen", wie er sagt, und hat keine Kinder, "zumindest wissentlich nicht". Dafür hat er acht Geschwister. In der Mundartband Praxis verdiente er sich seine ersten Sporen, 1995 startete das Jokhurt-Projekt mit bis heute fünf CDs und und unzähligen Live-Auftritten. Ans Aufhören denkt er ebenso wenig wie seine Mistreiter Paul Grönsfelder und Bernd Leidig.

 
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