Künzelsau
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Kreative Ideen zum Jahresprojekt der Freien Schule Anne-Sophie Künzelsau zur Menschenwürde

Das ganze Jahr haben sich die rund 620 Schüler der Freien Schule Anne-Sophie mit Artikel 1 Grundgesetz beschäftigt. Die Ergebnisse zeugen von großer Medienkompetenz.

Yvonne Tscherwitschke
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Lesezeit 2 Min
Kreative Ideen zum Jahresprojekt der Freien Schule Anne-Sophie Künzelsau zur Menschenwürde
Handwerklich und digital thematisiert diese Gruppe Angriffe auf die Würde.  Foto: privat

Das Schuljahresende hat nicht nur wegen der Zeugnisse und der nahenden Ferien seinen ganz besonderen Zauber. An der Freien Schule Anne-Sophie in Künzelsau bedeutet es für die etwa 620 Schüler und ihre Lernbegleiter, dass sie ihr Jahresprojekt zum Abschluss gebracht haben. Die Arbeit daran war in diesem Jahr ganz besonders intensiv - und die Ergebnisse ganz besonders eindrucksvoll. Das Thema war ein forderndes: Was bedeutet Artikel 1 des Grundgesetzes für jeden Einzelnen? Das war die Fragestellung.

Viele Stilmittel genutzt

Die Schüler aller Jahrgangsstufen antworteten darauf mit Objekten, mit Videos, mit Podcasts, mit gestalteten Plakaten, einem E-Book. Eine sechsköpfige Jury schulfremder Menschen begutachtete einen Vormittag lang das Geschaffene und wählte die Sieger. Die lagen extrem eng beisammen, erklärte Schulleiterin Angelika Schmidt bei der Preisvergabe am Nachmittag. Am Abend durften Eltern und Großeltern der Schüler die Werke begutachten und zusammen die nahen Ferien feiern.

Corona hat Spuren hinterlassen

Kreative Ideen zum Jahresprojekt der Freien Schule Anne-Sophie Künzelsau zur Menschenwürde
Auch die Meinungsfreiheit ist Teil der Menschenwürde. Fotos: Benjamin Grell  Foto: privat

Corona habe bei den Schülern Spuren hinterlassen. Sie hätten an der Schule wieder Wurzeln schlagen müssen, das Zusammenleben neu erfahren, erklärt Angelika Schmidt den Hintergrund für das umfangreiche Jahresthema. In der Auseinandersetzung mit der Würde des Menschen haben die einzelnen Gruppen ganz unterschiedliche Aspekte bearbeitet: Den respektvollen Umgang miteinander, die Fürsorge, Trennendes, Armut, Umweltverschmutzung, Kinderarbeit, Mobbing, Ausgrenzung und noch viel mehr wurde von den Schülern thematisiert.

Und das mit völlig unterschiedlichen Stilmitteln. So haben jüngere Schüler einen beeindruckenden Garten mit bunten Blumen gestaltet. Auf den Blumen stehen Worte wie Frieden, Liebe, Respekt. Daneben ist der karge Steingarten, auf dem nichts wächst. Auf den Steinen stehen Worte wie Angst, Missgunst. Das Spannende: Die Steinplatte ist während des Prozesses gesprungen, berichten die Schüler. Fast so, als könnte sie all die bösen Begrifflichkeiten nicht ertragen.

Viel Zeit auf die Arbeiten verwendet

Kreative Ideen zum Jahresprojekt der Freien Schule Anne-Sophie Künzelsau zur Menschenwürde
Eine große, verletzte Skulptur mit dem goldenen Herz, Artikel 1.  Foto: privat

Viele Stunden, oft montags im Rahmen von Sozialem Lernen, erklären Wolfgang Schiele und Karin Mark, beide Mitglieder der Schulleitung, haben sich die Klassen mit dem Thema beschäftigt. Ideen entwickelt, vor allem lange diskutiert, Stück für Stück davon umgesetzt. Das hat meist großen Spaß gemacht, auch wenn die eine oder andere Idee sich als schwer realisierbar erwies. So mussten zwei Lackier-Schutzanzüge mit Zeitung ausgestopft werden, um zu zwei stabilen Figur aus Kleister, Papier und Farbe zu werden, die ein sich umarmendes Paar darstellen. "Eigentlich wollten wir mich umwickeln, aber das hätte nicht gehalten", erklärt Henry Braun der Jury. Emilia Büchele ergänzt: "Wir hatten Spaß, schade war nur, dass nicht alle gleichzeitig daran malen konnten." Denn nicht nur die Diskussionen über das Thema und die Inhalte, auch das gemeinsame Tun hat den Schülern großen Spaß gemacht und zum Zusammenhalt beigetragen.

Handwerklich und digital

Dass sich handwerkliche Kreativität und digitales Können nicht ausschließen, das zeigt das Menschenhaus. Das hölzerne Haus hat einige gestaltete Schubladen zum Thema Kinderarbeit, Armut, sexuellem Missbrauch. Daneben steht der Computer und beim Klick auf die einzelnen Häuser hört man die Podcasts zu den Stichworten. "We are the World" hat eine andere Gruppe übersetzt und um eigenen Inhalt ergänzt und zu einem Video zusammengefügt. Gänsehaut für Jury und sicher auch für die Eltern am Abend, die dann die Werke bestaunen durften. "Unglaubliches wurde hier geschaffen", lobt Helmut Jahn, Jury-Mitglied und Vorstand der Stiftung Würth.

 
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