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Aus für Physiotherapie im Solebad Niedernhall

In Niedernhall fielen weitreichende Entscheidungen fürs Solebad: Im sanierten Gebäude wird es keinen Platz für eine Physiotherapie geben. Und Bürgermeister Achim Beck verriet, wie derzeit schon Energiekosten im Gesundheitsbad gespart werden.

Draskovits
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Aus für Physiotherapie im Solebad Niedernhall
Die Physiotherapie wird wegfallen, aber die Sauna wird im Niedernhaller Solebad bleiben.  Foto: Rößler

Das Thema Solebad bewegt die Niedernhaller schon seit vielen Jahren. Lange Zeit war unklar, wie es mit dem sanierungsbedürftigen Gesundheitsbad weitergehen wird. Zuschüsse für Renovierung oder Neubau waren zunächst keine in Sicht.

Eine Bürgerbeteiligung im Jahr 2017, die Gründung des Fördervereins im Jahr 2018 und dessen Gelder sowie eine Spende von 1,5 Millionen Euro von der Firma Würth machten schließlich eine Sanierung doch möglich. Vermutete Kosten: um die 8 Millionen Euro. Inzwischen ist der Gemeinderat in der Phase, in der es um konkrete Entscheidungen geht. Eine wichtige fiel bei der letzten Sitzung vor der Sommerpause: Es wird wohl kein Platz mehr für eine Physiotherapie geben.

Die Sauna bleibt im Solebad erhalten

Architektin Katharina Spraul erklärt dem Rat zunächst, was alles entschieden werden muss. Ganze 14 Spiegelstriche enthält die Vorlage. So soll der Technik-Bereich im Erdgeschoss Platz finden, ein gemeinsamer Kassenbereich sowie Eingang für Sole- und Freibad geschaffen und der Duschbereich vergrößert werden, eine Trennung von Barfuß- und Stiefelgang stattfinden, eine Kneippanlage im Außenbereich geplant und die Sauna erhalten werden. Zudem wird der Gastro-Bereich aufgewertet mit einer Kaltküche, Sammelumkleiden mit Einzelkabinen und ein Ruheraum geschaffen, das Bad barrierefreier gestaltet und ein Wohnmobilstellplatz mit Zugang zu Toiletten eingerichtet. Bei allen Punkten können die Räte mitgehen.

Was jedoch zu einer kurzen Diskussion führt, ist das Thema der derzeit noch im Bad angesiedelten Physiotherapie. "Die wird schwer zu erhalten sein", erklärt Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck. "Wir können natürlich die Physio renovieren oder einen neuen Raum schaffen, aber das macht es kostenintensiv und wir brauchen den Platz, an dem jetzt die Physio ist", so Beck. Anstelle der jetzigen Physiotherapie-Räume könne dann ein Ruheraum entstehen.

"Das ist ein schweres Thema, da hängen Emotionen bei dem einen oder anderen dran", weiß der Bürgermeister. "Aber die acht Millionen zu halten, ist eh schon hoch riskant, wir müssen uns von einigen Dingen verabschieden, die da drin sind. Mein größtes Anliegen wäre es, mit Puffer in die Baumaßnahmen zu gehen." Zudem sei die Physiotherapie ein langfristiges Risiko, erklärt Beck den Anwesenden, denn sie müsse immer vermietet werden.

Keine städtische Aufgabe

Peter Mettendorfer (SPD) spricht sein Bedauern aus, denn es sei "eine Mangellage bei Physiotherapie", stellt aber auch klar: "Daran sind nicht wir schuld. Ein Platz für eine Praxis könnte auch woanders in der Stadt sein, aber es gibt zu wenig Personal." Zudem, erklärt er, seien die Räume nicht wirklich geeignet für den körperlich anstrengenden Job eines Physiotherapeuten. "Wenn man sich dort mal mit dem Personal unterhält, ist das nicht ideal. Acht Stunden körperliche Arbeit in einem Bäderbereich ist hart." Auch sei es keine städtische Aufgabe, für eine Physiotherapie zu sorgen. Ralf Hermann (BWV) stellt ebenfalls klar: "Das ist nicht unserer Aufgabe. Und in Zeiten von vielen Bäderschließungen wäre es mir wichtig, das Bad zu erhalten. Physio wäre nice to have, aber streichbar." Und so stimmen die Ratsmitglieder einstimmig für den Wegfall der Physiotherapie und für die anderen vom Planungsbüro vorgeschlagenen Gestaltungsideen.

Hans-Peter Kerl, 1. Vorstand des Fördervereins Solebad, ist ebenfalls anwesend bei der Ratssitzung und erklärt im Nachgang, dass es "kein so großes Thema sei", dass die Physiotherapie wegfällt. "Das ist auch keine Aufgabe der Stadt", findet er. Wichtiger sei dem Verein der Saunabereich gewesen, "der ja zum Glück erhalten bleibt". Er ist vor allem froh, "dass das Bad überhaupt weitergeführt wird", erklärt Kerl.

Baubeginn könnte ein Jahr früher sein

Eine freudige Botschaft können Bürgermeister und Planungsbüro den rund 30 anwesenden Zuhörern an diesem Tag dann doch noch mitteilen: Eigentlich war geplant, im Januar 2023 den Bauantrag zustellen und im April 2024 mit dem Bau zu beginnen. Aber: "Wir können das eventuell verkürzen", so Beck. Dann könnte der Baubeginn bereits im Juli 2023 sein.

Derzeit zwei Grad weniger im Solebad

Am Rande der Sitzung macht Ratsmitglied Michael Breitschopf (FWV) einen Vorstoß, sich "Gedanken zu machen, wie wir Gas sparen" und stellt den Antrag, eine Sitzung diesbezüglich einzuberufen. Zudem schlägt er vor, das Solebad im Sommer zu schließen. Bürgermeister Beck zeigt sich "vorbereitet auf das Thema". Einige Szenarien seien durchdacht worden, etwa Kindergartengruppen zusammenzulegen, um einzelne Gruppenräume nicht heizen zu müssen. Das Rathaus wird nicht mehr beheizt, so Beck, "da werden wir auf lange Unterwäsche und Pullis setzen, das ist unsere Aufgabe, die wir übernehmen können". Das Solebad aber sei ein Gesundheitsbad und "maßgeblich für viele Personen wichtig", erklärt er. "Und bei dem Thema sollten erst einmal Land oder Bund sagen, was wir tun sollen. Es gibt keine Verordnung, wie etwa bei Corona und wir haben auch Personal, für das wir verantwortlich sind." Dem stimmen auch die restlichen Ratsmitglieder zu und lehnen Breitschopfs Antrag ab.

Am Ende verrät der Bürgermeister noch eine aktuelle Maßnahme: "Wir sparen bereits 15 Prozent Gas, denn das Solebad hat derzeit zwei Grad weniger. Wir wollten das nicht groß verkünden, weil sich sonst jeder beschwert, obwohl man es kaum merkt", so Beck. Hans-Peter Kerl, 1. Vorsitzender des Solebad-Fördervereins, sagt dazu im Nachgang: "Die Leute haben das schon gemerkt, das lässt sich nicht verheimlichen. Aber momentan ist die Toleranz in der Bevölkerung für solche Maßnahmen hoch." Wichtig sei allen vor allem, dass das Bad geöffnet bleibe, so Kerl.

 

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