Krautheim
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Heftige Diskussion um ZG-Areal in Krautheimer Ratssitzung

Nach der Informationsveranstaltung stellte der Stadtplaner im Gemeinderat vor, was sich die Bürger für das Quartier in Krautheim Tal wünschen. Nicht jeder der Ratsmitglieder war Glücklich mit den Einschätzungen.

Draskovits
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Heftige Diskussion um ZG-Areal in Ratssitzung
Ein Stadtzentrum soll es werden, darin sind sich Gemeinderäte und Bürger einig. Wie genau das jedoch umgesetzt werden kann, bleibt weiterhin fraglich. Foto : Archiv/Ludwig  Foto: Ludwig

Ein Stadtzentrum mit Wohngebäuden, Drogeriemarkt, Dienstleistern, Gastronomie und Grünfläche: Das hatten sich die Krautheimer Gemeinderäte vorgestellt, als es an die Planung des ZG- und Bahnhofsareals ging, welches die Stadt Krautheim 2020 für 1,4 Millionen Euro gekauft hatte. Selbst bauen wollte die Stadt dort nie, das ist finanziell nicht möglich. Dass es jedoch nicht ganz so einfach wie gewünscht werden wird, zeigte sich schon in früheren Gemeinderatssitzungen. Bei der jüngsten Sitzung muss sich Stadtplaner Götz Hofmann von der Stadtentwicklung GmbH (Steg) einiger Kritik aussetzen, als er die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung vorstellt und bewertet.

Rund 70 Bürger hatten bei der Informationsveranstaltung Ende Juni gemeinsam überlegt, wie ihr Stadtzentrum in Zukunft aussehen solle. In vielen Punkten ähneln die Ideen denen des Gemeinderates, wie Hofmann aufzeigt. Von Hotelnutzung, Kiosk, Touristeninformation und Wochenmarkt bis zu E-Ladestation, Grünflächen und Bürgertreff zeigten sich die Krautheimer kreativ.

Viele praktikable Ideen für das ZG-Areal

Viele der Ideen hält Hofmann für praktikabel: Barrierefreies Bauen, "in Absprache mit den Profis vom BSK", eine Überdachung für den Busbahnhof, ein Kiosk, E-Ladestationen, öffentliche Toiletten, Grünflächen - das alles sei denkbar. Bei anderen Punkten zeigt sich Hofmann jedoch skeptisch. "Beim Wochenmarkt ist die Frage, ob es Beschicker gibt, die das machen." Der vorgeschlagene Grillplatz sei lärm- und geruchsintensiv für die Anwohner, Minigolf bräuchte eine große Anlage, über neue Buslinien könne nicht die Stadt entscheiden.

Ein Punkt, der erneut zu Diskussionen führt, ist die geschäftliche Nutzung des nördlichen Neubaus. Denn bereits in der März-Sitzung musste Hofmann den Räten den Zahn ziehen, einen Drogeriemarkt anzusiedeln: Alle Interessenten hatten abgesagt - zu klein das Einzugsgebiet der Stadt (wir berichteten). Auch Einzelhändler zeigen kein Interesse, erklärt Hofmann: Zu klein die Fläche, zu gering der Bedarf, zu groß die Konkurrenz. Ähnliches weiß er über Hotels, Fahrradläden, Friseure oder Handyläden zu berichten. Sie alle, so Hofmann, hätte er bereits - vergeblich - versucht, mit seinem Portfolio in die Stadt zu ziehen. Ein weiterer Punkt, der Bürgern und Ratsmitgliedern wichtig ist: Gastronomie. Auch das gestalte sich schwer, erklärt Hofmann. "Wir haben einen Profi befragt, der der Meinung ist, dass das schwer werden kann, wegen dem Lärm durch abfahrende Pkw und Außengastro, denn es sollen ja Wohnungen darüber entstehen."

Hitzige Diskussionen im Rat

Bei einigen Ratsmitgliedern kommen die Einschätzungen von Hofmann nicht gut an und sorgen für hitzige Diskussionen mit dem Stadtplaner. "Ich sehe das anders als der Fachmann", urteilt Wolfgang Ringeisen im Bezug auf das Thema Hotel. "Es gibt viele Monteure und Geschäftsleute und es gibt im Umkreis nicht viele Unterkünfte, ich sehe da Bedarf." Jakob Meyer äußert sich zum Thema Gastro: "Wir hatten schon mehrmals darauf hingewiesen, dass das wichtig ist und es gibt ja auch andere Sädte mit Außengastro im Zentrum." Christoph Krebs fordert von dem Städteplaner: "Finden Sie eine Möglichkeit. Sie sagen uns immer nur, was nicht geht. Für was haben wir Sie denn?" Ringeisen stellt klar: "Wir brauchen etwas, das Leben ins Zentrum bringt. Der Fantasie sollten hier keine Grenzen gesetzt werden. Wir müssen alles versuchen."

Heftige Diskussion um ZG-Areal in Ratssitzung
So hatten sich die Gemeinderäte den linken Komplex vorgestellt: Unten Platz für Einzelhandel, darüber Wohnungen. Visualisierung: Knorr&Thiele Architekten

Bürgermeister Andreas Köhler pflichtet Hofmann bei: "Es ist ein mühsames Geschäft, das er hier hat. Andere Städte kämpfen mit Leerstand. Es ist schwer, jemanden in die Stadt zu bekommen."

Ohne Nutzer keine Investoren

"Wir brauchen Nutzer, die das dort betreiben, sonst finden wir keinen Investor", versucht Hofmann sich zu erklären. Sein Vorschlag: Der nördliche Bereich "bedarf einer Anpassung des Planungskonzepts und der überwiegende Teil sollte in Richtung Wohnungsnutzung gehen". Unstrittig hingegen der Bereich südlich der Schulstraße, der Wohnungen beherbergen soll. "Hier könnte man bereits eine Investorenauswahl starten, um losgelöst vom nördlichen Bereich zu starten." Dem können bis auf zwei Ratsmitglieder am Ende alle zustimmen. "Ich will auch Gastro und Einzelhandel", ergänzt Ratsmitglied Thorsten Sturm, "aber wir müssen auch realistisch bleiben und auf die Leute hören, die einschätzen können, was verkaufbar und lebensfähig ist."

 
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