Heilbronn
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Vöner erobert die Region

In Berlin ist der Vöner bereits in aller Munde - jetzt gibt es den veganen Döner auch bei Falafel Beirut in Heilbronn. Was als Gag für eine Woche geplant war, stellt sich als absoluter Verkaufsschlager heraus.

Milva Klöppel
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Vöner erobert die Region
Zwei Wochen tüftelte Mohammad Abdel Aziz, Inhaber von Falafel Beirut, mit seiner Frau Audrone Toliusiene am perfekten Vöner-Rezept. Sein Erfindertum wurde belohnt. Fotos: Andreas Veigel

Jetzt gibt es Vöner in Heilbronn. Richtig. Kein Schreibfehler. Vöner mit V - die veganen Variante des Döners. Wer schon einmal durch Berlin-Kreuzberg geschlendert ist, kennt vielleicht die kleine Vöner-Manufaktur, die von sich behauptet, die Erste in Deutschland gewesen zu sein.

Klar, so wie 1972 der erste Döner in Berlin über die Theke gereicht wurde, ist auch seine vegane Schwester eine Erfindung der Hauptstädter. In Heilbronn ist ein anderer für die gastronomischen Innovationen zuständig: Mohammad Abdel Aziz. Seit 2009 betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Audrone Toliusiene das Falafel Beirut.  "Wir waren die Ersten, die in Heilbronn Falafel angeboten haben", sagt der gebürtige Libanese. "Die Ersten, die Schawarma auf der Karte hatten." Und jetzt eben Vöner.

Vöner erobert die Region
Verfeinert wird der Vöner mit selbstgemachten Krautsalaten und Tomate.

Eine Idee, die Aziz kam, als das Lokal zwischen den Jahren geschlossen war, mit dem November und Dezember zwei harte Lockdown-Monate hinter dem Paar lagen. In der Dammstraße, direkt neben dem Bildungscampus liegt das Lokal versteckt - Laufkundschaft fehlt.

"Doch wir haben eine treue Stammkundschaft", sagt Toliusiene. Und die feiert Aziz vom ersten Tag an für seine Idee. "Ich war sofort begeistert", sagt David Wockenfuss, der seit 3,5 Jahren vegan lebt und bereits auf zahlreichen Streetfood-Festivals vegane Döner probiert hat. "Niemand bekommt Seitan so gut hin wie Abdel", so der 31-jährige Fleiner.

Bereits um 18 Uhr am ersten Vöner-Verkaufstag vor zwei Wochen hieß es: Sorry, alle weg. Kein Brot mehr, kein Seitan, kein Salat. "Es war total verrückt", sagt Toliusiene, die anfänglich der Idee ihres Mannes skeptisch gegenüberstand. "An einem der ersten Tage mussten wir Gästen sagen, dass wir jetzt eine halbe Stunde nicht verkaufen können, weil wir die Zutaten vorbereiten müssen", erinnert sich die Gastronomin.

Vöner erobert die Region
Geschmacklich erinnert der vegane Fleischersatz an Hühnchenfleisch.

"Die Leute haben einfach 30 Minuten gewartet - verrückt." Mohammad Abdel Aziz und Audrone Toliusiene können zahlreiche dieser kleinen Vöner-Anekdoten erzählen. Dabei merkt man, wie sehr dem herzlichen Unternehmerpaar durch Corona der Austausch mit seinen Gästen fehlt, die sonst gerne stundenlang in dem kleinen gemütlichen Gastraum verweilten. Ein kleiner Plausch hier, eine Neckerei dort.

Wie oft Claudia Häberle sich seit dem 19. Januar einen Vöner geholt hat, kann die 54-Jährige nicht mehr zählen. "Ich bin vönersüchtig", gesteht die Heilbronnerin lachend. "Er schmeckt einfach sensationell." Was sicherlich auch daran liegt, dass mit Ausnahme des Brotes jede Zutat des Vöners vom Falafel Beirut selbst hergestellt wird.

Kunden kommen aus der ganzen Region 

Vöner erobert die Region
Fertig − die Dönersoße wird auf Basis eines Sojajoghurts angerührt.

Alleine zwei Tage tüftelte Aziz, der von allen nur Abdel genannt wird, an der perfekten veganen Dönersoße. "Sie sollte weiß und cremig sein", so der Koch über seine Wunschvorstellung. Basis ist ein Sojajoghurt, verfeinert mit Kräutern. "Die Soße unterscheidet sich geschmacklich überhaupt nicht von der gewöhnlichen Dönersoße", stellt David Wockenfuss fest. Auch das Seitan, das das Ehepaar in mühevoller Handarbeit an seinen freien Tagen herstellt, sei lobenswert. "Sonst ist Seitan oft gummiartig", so der Fleiner.

Neben den Stammgästen, die sich jetzt teilweise mehrmals in der Woche ihre Vönerration abholen, kommen auch vermehrt neue Kunden in die Dammstraße - selbst aus Mosbach, Sinsheim oder Öhringen. Relativ schnell stand aufgrund des Erfolges fest: Der Vöner wird fester Bestandteil der Karte. "Ursprünglich", erinnert sich Toliusiene, "sollte es ein Gag für eine Woche sein."

Was ist Seitan? 

Seitan besteht im Grunde aus nur einer Zutat: Weizeneiweiß, auch bekannt unter dem Namen Gluten. Hinzu kommen Kräuter, Gewürze und Wasser. In seiner Form ist es sehr wandelbar und eignet sich ideal für vegetarisches Gyros und mehr. Vor allem, weil es ein so guter Träger für Gewürze ist. Die Herstellung von Seitan wirkt zunächst etwas fremd: Weizenmehl und Wasser werden zu einer Masse verknetet, die nach einer Ruhezeit immer wieder unter Kneten ausgewaschen wird, bis die Stärke weitgehend entzogen ist. Zurück bleibt ein zäher, fast gummiartiger Teig aus Gluten und Wasser. 

 

 

 
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