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Vietnamesisch als Geschmackserlebnis im "My Sapa" in Heilbronn

Sommerrollen, Reisnudel-Salate - die Küche Vietnams ist vielfältig und ganz besonders. Im "My Sapa" in Heilbronn führt Inhaberin Thu My Le die Europäer ganz behutsam an die Speisen ihrer Heimat heran. Dabei haben Suppenkasper schlechte Karten.

Milva Klöppel
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Lesezeit 4 Min

Dieser Text ist Teil unseres Themenschwerpunkts "In aller Munde". Hier geben wir Restaurant-Tipps aus Heilbronn und berichten über kulinarische Neuigkeiten aus der Region. Den Newsletter "Aufgegabelt" servieren wir monatlich und kostenlos. Hier abonnieren.

Vietnamesisch als Geschmackserlebnis
Thu My Le steckt viel Leidenschaft in ihr Lokal My Sapa in der Heilbronner Innenstadt.  Foto: Berger, Mario

Pizza und Burger sind lecker, keine Frage. Einmal im Monat stellen wir Ihnen in unserer Serie "Heilbronn is(s)t bunt" Restaurants vor, die eine etwas exotischere Küche bieten. Dieses Mal sind wir zu Gast in Vietnam:

Suppenkasper hätten es in Vietnam schwer. "Bei uns wird traditionell bereits zum Frühstück Pho-Suppe gereicht", erklärt Thu My Le, die seit 2017 das Restaurant My Sapa in der Heilbronner Kirchbrunnenstraße führt. Auch wenn das Lokal erst um 11 Uhr öffnet, findet man die Nudelsuppe auf Les Speisekarte. Mittlerweile würde die kräftige klare Brühe aus Rinderknochen selbst in ihrer Heimat zu jeder Tageszeit gegessen.

Mit Rindfleisch (Pho Bo) oder Hühnerfleisch (Pho Ga) - der ideale Start in den Tag, wenn die Luft feucht und warm ist. ,"Das Geheimnis des authentisch-vietnamesischen Geschmacks ist Sternanis, den man einfach mit einer Stange Zimt ein Stündchen in der Brühe mitkocht", verrät die 41 Jahre alte Gastronomin. Die Suppe wird in der Regel am Vortag aufgesetzt und zieht dann über Nacht, erst kurz vor dem Servieren werden Gewürze wie Kardamom, Ingwer oder Koriander sowie das Fleisch hinzugegeben. Dabei sollen die Gewürze keinesfalls hervorstechen, sondern abrunden und harmonisieren.

Regionale Unterschiede

Vietnamesisch als Geschmackserlebnis
Die Küche ist das Reich von Koch Nguyen Cao Ly  Foto: Berger, Mario

Es gäbe dabei durchaus Unterschiede bei der Zubereitung des Nationalgerichts. Allein schon die geographischen und klimatischen Andersartigkeiten des sich über 2000 Kilometer von Norden nach Süden erstreckenden Landes, sorgen für den Einsatz unterschiedlicher Zutaten je nach Region.

Im Norden ist das Klima wesentlich strenger, die Menschen verwenden Schnittlauch und Sojasprossen, während im warmen südlichen Mekong-Delta alle möglichen Kräuter verwendet werden: Thaibasilikum, Koriander und Europagras beispielsweise.

Ort des Austauschs

Thu My Le selbst stammt aus einem kleinen Ort in der Nähe der Hauptstadt Hanoi im Norden des Landes. Seit 16 Jahren lebt die aufgeweckte Mutter zweier Kinder mit ihrem Mann in Deutschland. Erst in Dresden - wo ihr Ehemann bereits über ein studentisches Austauschprogramm mit der DDR gestrandet war - dann im Schwabenländle. Die Idee eines eigenen Restaurants kam ihr, als sie in ihrem früheren Job als Softwareentwicklerin immer häufiger den direkten Austausch mit Menschen vermisste.

"Ich liebe es, wenn meine Gäste mit mir über ihre Sorgen sprechen oder aber mich nach meiner Heimat fragen", sagt Thu My Le. So vieles ginge in unserer globalisierten Welt verloren - "nur die Dialekte und das regionale Essen bleiben", so Le. Wobei das für die Powerfrau nicht heißt, dass man sich nicht weiterentwickelt kann. "Unsere Karte wechselt regelmäßig", verrät sie. "Ich werde mutiger und bringe immer mehr vietnamesische und weniger allgemein bekannte asiatische Gerichte auf die Karte."

Reisnudelsalat besonders bei Hitze gut

Vietnamesisch als Geschmackserlebnis
Zum Verkauf stehen auch Spezialitäten...  Foto: Berger, Mario

Darunter auch Bun Nam Bo. Der Salat ist ein beliebtes Gericht der südvietnamesischen Küche und heißt übersetzt relativ unspektakulär Reisnudeln (Bun) mit Rindfleisch (Bo). Das Besondere ist aber, dass der Bun Nam Bo die Kombination aus heißem Fleisch, kaltem Gemüse, weichen Reisnudeln und einem aromatischen Dressing ist. "Geschmacklich ist es zwar pikant und würzig, aber nicht so scharf, dass der europäische Gaumen darunter leiden würde", sagt Thu My Le, die genau weiß, dass die Landesküche im Original hier nicht für jeden etwas wäre.

Ein Grund dafür ist vermutlich auch die Fischsoße, die sich auch im Dressing des Heilbronner Bun Nam Bo versteckt. Wer an einem der Fläschchen schnuppert, die Le auch verkauft, wird erst einmal zurückschrecken. "Der Geruch ist schon extrem", gibt auch die Vietnamesin zu. "Wir verwenden sie zum Salzen von Speisen. Anders als erwartet, schmeckt Fischsoße nicht besonders fischig, sondern hauptsächlich salzig und umami - daher keine Angst bei der Verwendung. Der fischige Geruch ist geschmacklich nicht mehr zu bemerken."

Fischsoße? Lecker!

Vietnamesisch als Geschmackserlebnis
... sowie Tee und Kaffee.  Foto: Berger, Mario

Die Fischsoße passt auch zu einem weiteren Klassiker der vietnamesischen Küche: der Sommerrolle. Bei "My Sapa" werden sie als Goi Cuon verkauft, so wie sie in Vietnams Süden genannt werden. Sommerrollen sehen ein bisschen wie unfrittierte Frühlingsrollen aus dem Nachbarland China aus. Und sie sind es auch. In das frische Reispapier wird eine ordentliche Mischung frisches Gemüse, Kräuter und nach Belieben noch Schweine-, Hühnerfleisch oder auch Garnelen gewickelt.

In Vietnam werden Sommerrollen in der Regel per Hand im Kreise der Familie zubereitet und dann in geselliger Runde lauwarm mit Erdnuss-, Hoisin- oder eben Fischsoße verzehrt. Beim Abendessen stehen die verschiedenen Speisen in der Mitte des Tisches und jeder darf sich bedienen. Die älteren Familienmitglieder haben dabei den Vortritt. "Wer schlau ist, gibt zuerst den Älteren und dann sich selbst", verrät Thu My Le und schmunzelt.

Traumhafte Landschaften

Und wer sich gefragt hat, woher der Name "My Sapa" stammt - ein Blick an die Wand des Restaurants gibt Aufschluss: Dort hängt ein große Aufnahme der einzigartigen Reisterrassen der Sapa-Region im Nordwesten Vietnams. "Ich liebe die Landschaft unweit des höchsten Berges Fansipan mit 3143 Metern einfach sehr", sagt Thu My Le.

Gemeinsam mit ihrem zweiten Vornamen My war damit der Name ihres Restaurants schnell gefunden - My Sapa. Ein Ort, an dem neben dem Essen auch die Geschichte des Landes Vietnams im Mittelpunkt stehen soll. Zahlreiche Bildbände liegen aus, die sich die Gäste selbst oder aber auch mit Erklärungen von Thu My Le anschauen können.

Vietnam ist eine Reise wert

In der Geschichte Vietnams ging es immer wieder um Unabhängigkeit. Lange gehörte das südöstliche asiatische Land im Südchinesischen Meer zu China, dann waren es Kolonialmächte wie Frankreich, die das Land ausbeuteten. Es folgte der Vietnamkrieg, bevor sich Nord- und Südvietnam vereinigen konnten.

Vietnam ist heute eine sozialistische Republik, in der die Kommunistische Partei als Einheitspartei die Führung von Staat und Gesellschaft beansprucht. Eine organisierte Opposition gibt es ebenso wenig wie eine rechtsstaatliche Gewaltenteilung. "Trotzdem reisen heute immer mehr Deutsche auch nach Vietnam in den Urlaub", sagt Thu My Le. "Das freut mich sehr." Früher hätten viele ihrer Landsleute ein China-Restaurant eröffnet - vietnamesisch wäre zu exotisch gewesen.

 
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