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Stadtwerke Heilbronn bereiten sich auf Cyber-Attacken vor

Die Wasserversorgung soll im Versorgungsgebiet der Stadtwerke Heilbronn sicherer werden. Unter anderem will man sich vom öffentlichen Stromnetz unabhängiger machen. Und eine Frage lautet: Werden Bäder bald geschlossen?

Joachim Friedl
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Lesezeit 3 Min
Stadtwerke Heilbronn bereiten sich auf Cyber-Attacken vor
Mehreren Tests zufolge sind Stadtwerke mit dem Betriebszweig Wasser Hackerangriffen bislang geradezu schutzlos ausgeliefert. Die Stadtwerke Heilbronn wollen sich jetzt verstärkt gegen diese Gefahr aus dem Netz wappnen.  Foto: Silas Stein

Die Stadtwerke Heilbronn (SWHN) mit ihren 379 Mitarbeitern haben schon bessere Zeiten erlebt. Der Krieg in der Ukraine mit all seinen negativen Folgen wie Energieknappheit, die Nachwehen der Corona-Pandemie und die hohe Inflationsrate haben bei allen Geschäftsfeldern des regionalen Versorgungsunternehmens deutliche Spuren hinterlassen.

Die Spielräume werden kleiner

In ihrem Geschäftsbericht für das vergangene Jahr, den sie dem Gemeinderat vorlegten, sprechen die Geschäftsführer Erik Mai und Tilo Elser denn auch von "spürbaren wirtschaftlichen Auswirkungen" und davon, das kalkulierte Ergebnis um 1,1 Millionen Euro verfehlt zu haben. Ihr Fazit: "Unsere Handlungsspielräume werden sich in Zukunft einschränken."

Woher kommt unser Trinkwasser?

Trinkwasser wird angesichts des Klimawandels mit zunehmend trockeneren Jahren ein immer wertvolleres Gut werden. Im vergangenen Jahr deckten die Stadtwerke 85 Prozent (7,6 Millionen Kubikmeter) über die Bodensee Wasserversorgung, 1,3 Millionen Kubikmeter (14,4 Prozent) sprudelten aus eigenen Quellen und Brunnen und 0,6 Prozent (53 000 Kubikmeter) lieferte der Gemeindewasserverband Massenbach-Massenbachhausen.

Speicherkapazitäten sollen ausgebaut werden

Dennoch stellen sich die Stadtwerke auf sich ändernde Voraussetzungen bei der Trinkwasserversorgung ein. So entsteht auf der Viehweide in Böckingen ein neues Pumpwerk, über das an heißen Tagen die Spitzenlast gesichert werden soll. Die Fertigstellung soll 2024 sein. Außerdem sollen die Eigenwassergewinnung und die Speicherkapazitäten ausgebaut werden. Unter anderem wird ein neuer Standort für den Hochbehälter Ochsenberg unweit der Ludwigschanze gesucht.

Das Netz der Notstromanlagen wird erweitert

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Absicherung der Wasserversorgung gegen äußere Gefahren - seien es Katastrophen wie im Ahrtal oder Cyberangriffe. Ein Schwerpunkt ist nach den Worten von Erik Mai die "Autarkie der Stromversorgung vom öffentlichen Stromnetz". Dazu werden in einem mittelfristigen Zeitraum die Notstromanlagen erneuert und erweitert.

Zugesetzt hat Corona 2021 den Geschäftsfeldern Stadtbus und S-Bahn: Mit 18,8 Millionen Fahrgästen wurden nur 70 Prozent des Niveaus von 2019 erreicht. Erstmals in der Geschichte der SWHN mussten im Herbst Leistungen reduziert werden, weil wegen pandemiebedingtem Personalausfall nicht alle Dienste besetzt werden konnten.

Gesucht wird ein Standort für ein neues Busdepot

Auch wenn mittelfristig die Busflotte nicht weiter modernisiert werden kann, stehen die Räder bei den Verkehrsbetrieben nicht still. So werden die Job- und Schülertickets digitalisiert und die Haltestellen mit weiteren digitalen Anzeigetafeln modernisiert. Seinem Ende entgegen sieht dagegen der Betriebshof der Verkehrsbetriebe an der Georg-Vogel-Straße. "Der Standort lässt keine Weiterentwicklung in jede Richtung zu", sagt Tilo Elser. Die Suche nach einem neuen Areal für einen Neubau habe bereits begonnen.

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In die Bäder muss investiert werden

2020 und 2021 machte Corona den Heilbronner Frei- und Hallenbädern zu schaffen, jetzt legen sich die Folgen des Ukraine-Kriegs wie dunkle Schatten über die Freizeiteinrichtungen: "Auswirkungen auf den Bäderbetrieb können nicht ausgeschlossen werden", deutet Erik Mai mögliche Maßnahmen an. Das Soleo, das Hallenbad Biberach und zum Teil die Neckarhalde werden mit Gas beheizt. Zu schaffen macht Mai auch, dass wegen des Zustands einzelner Bäder hohe Investitionen mittel- bis langfristig nötig werden. Positiv war, dass im Corona-Jahr 2021 rund 600 Kinder das Schwimmen lernen konnten.

Parkgaragen sind ein Gewinnbringer

Aktiv unterwegs sind die Stadtwerke in Sachen Energiegewinnung. So erhält die 2024 in Betrieb gehende Parkgarage im Neckarbogen (650 Stellplätze) eine Photovoltaikanlage und 195 E-Ladespunkte. Bereits Anfang des Jahres hatten die Werke das Parkhaus Wohlgelegen mit 430 Stellplätzen von der Stadtsiedlung gepachtet und wollen es energietechnisch weiter aufrüsten. Im Parkhaus-Bestand der Stadtwerke befinden sich bereits das Parkhaus am Bollwerksturm und die Parkanlagen beim SLK-Klinikum sowie der Parkplatz an der Lohtorstraße.

Das Versorgungsunternehmen im Kurzüberblick

Die Stadtwerke Heilbronn GmbH (SWHN) gibt es in der heutigen Form seit 2002. Gebündelt sind in dem Unternehmen die Betriebszweige Wasser, Nahverkehr, Bäder, Parken, Eisstadion sowie die Industrie- und Hafenbahn. Die SWHN ist an der Tochtergesellschaft Heilbronner Versorgungs GmbH (HNVG) mit 74,9 Prozent beteiligt. Zum Ende des Geschäftsjahres 2021 beschäftigten die Stadtwerke 379 Mitarbeiter inklusive zwei Geschäftsführer und 13 Auszubildende. Die Personal- und Versorgungsaufwendungen beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 19,6 Millionen Euro.

2021 haben die Stadtwerke Heilbronn rund 8,1 Millionen Euro investiert. Schwerpunkte waren die Erneuerung der Gleisinfrastruktur der Stadt- und Hafenbahn, Investitionen in das Netz der Wasserversorgung sowie der Kauf neuer Stadtbusse.

Die Verbindlichkeiten der Stadtwerke Heilbronn GmbH beliefen sich Ende des vergangenen Jahres auf rund 80,7 Millionen Euro. Getilgt wurden Darlehen in Höhe von 13,5 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote des Versorgers lag bei 65 Prozent. 

 

 

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