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Heilbronn

Kritisch und kreativ: Kandidaten des Heilbronner Jugendgemeinderats werben bei Wahlparty für Stimmen

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Vom 22. bis 26. Januar wird der neue Heilbronner Jugendgemeinderat gewählt. Kritisch, selbstbewusst und kreativ gaben sich die Kandidaten bei einer Wahparty im Deutschhofkeller.

Immanuel Körmann (von links), OB Harry Mergel, Maximilan von der Herberg und Jovana Ilchevska.
Foto: Mario Berger
Immanuel Körmann (von links), OB Harry Mergel, Maximilan von der Herberg und Jovana Ilchevska. Foto: Mario Berger  Foto: Berger, Mario

Sie sind jung, sie sind engagiert und sie wollen in den Jugendgemeinderat: 36 Heilbronner Jugendliche kandidieren für das Amt. Weit über die Hälfte von ihnen gab am Dienstagabend im Deutschhofkeller in Heilbronn einen Einblick in ihr Wahlprogramm - entweder per Videobotschaft, während einer Podiumsdiskussion oder in Form einer Rede.

Unter den Zuschauern waren Freunde, Familie, aber auch Oberbürgermeister Harry Mergel, die Bürgermeister Agnes Christner, Martin Diepgen und Andreas Ringle ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, die Nachwuchspolitiker und ihr Wahlprogramm kennenzulernen.

Kandidaten schauen kritisch auf Heilbronn

Bemerkenswert waren nicht nur die Ideen und Vorschläge, welche die Jugendlichen gern umsetzen würden, sondern auch, wie selbstbewusst und kritisch sie auf das Stadtgeschehen blicken.

Benedikt Bihr, der das Sozialwissenschaftliche Gymnasium am Kolping-Bildungszentrum besucht, will sich beispielsweise für eine bessere Fahrradinfrastruktur einsetzen. Die bisherige lasse zu wünschen übrig und mit ein bisschen Farbe am Straßenrand wäre es nicht getan.

Politische Bildung an Schulen vermissen fast alle Jugendliche

Die Mehrheit der Kandidaten betonte, sich für politische Bildung an ihren Schule einsetzen zu wollen. Weltpolitische Themen würden kaum bis gar nicht im Unterricht behandelt. Selina Roshan will sich für ein Lerncafé und ein Jugendzentrum in Heilbronn stark machen.

Die 15-jährige Fenja Splettstößer warf die Idee eines Gemeinschaftsgartens für Jugendliche in den Raum. Wenn man selbst Gemüse und Obst pflanze, würde man einen ganz anderen Umgang mit Lebensmitteln pflegen, ist sie überzeugt. Stefan Tandareanu will Schulen sicherer machen.

Vorsitzender kandidiert erneut und findet klare Worte

Le Thuc-Anh Do und Greta Distelbarth stellten sich bei einer Podiumsdiskussion den Fragen von Maximilian von der Herberg, Vorsitzender des Jugendgemeinderats, der durch den Abend führte. Man habe zwei Jahre der Jugend wegen der Corona-Pandemie verloren. In Heilbronn gebe es viel Potenzial, noch mehr Freizeitmöglichkeiten zu schaffen, so der Tenor der beiden Jugendlichen. Le Thuc-Anh Do wünscht sich beispielsweise Kulturpässe für alle, nicht nur für 18-Jährige.

Auch Maximilian von der Herberg, kandidiert erneut. Der 18-Jährige kritisierte unbeantwortete Anfragen seitens der Verwaltung genauso wie ein zu kleines Budget. 8000 Euro jährlich für die Umsetzung von Projekten sei zu wenig, wenn die Jugend Politik machen solle.

"Als Jugendgemeinderäte braucht ihr Ausdauer und eine große Portion Überzeugungskraft"

Dass das Kleinspielfeld beim Mönchsee-Gymnasium als ein Standort für eine neue Heilbronner Grundschule herhalten könnte, lehnte der 18-Jährige entschieden ab: "Finger weg!" Dafür gab es lauten Beifall aus dem Publikum. Seine Botschaft: "Als Jugendgemeinderäte braucht ihr Ausdauer und eine große Portion Überzeugungskraft."

Nicht von allen Applaus gab es für Kandidat Mio Trautner, Mitglied im Landesvorstand der Jungen Alternative Baden-Württemberg. Für die LGBT-Community werde schon genug getan. "Holen wir uns, unsere Stadt zurück."

Studienfahrt nach Berlin und mehr erwartet Jugendliche

Auf was sich gewählte Jugendgemeinderäte freuen dürfen, stellte die stellvertretende Vorsitzende, Jovana Ilchevska, vor. Unter anderem erwartet die Nachwuchpolitiker Seminare und Workshops, um sich besser kennenzulernen oder rhetorische Stilmittel zu erlernen.

Auch eine Studienfahrt nach Berlin und ein Besuch im Landtag in Stuttgart stehen auf dem Programm. "Seid nicht schüchtern", lautete ihr Appell. "Die Jugendlichen erwarten, dass wir uns für sie einsetzen." Auch OB Harry Mergel und Erster Bürgermeister Martin Diepgen machten den Jugendlichen Mut. Es gehe darum, in der Gemeinschaft zu wirken und wenn man etwas auszusetzen hat, aktiv zu werden und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, so das Motto der beiden Männer.

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