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Hospizbegleiter in Heilbronn: Warum Sterbebegleitung auch Freude bereitet

Heidrun Rapp und Karin Bamberg sind seit über einem Jahrzehnt ehrenamtliche Hospizbegleiter beim Ambulanten Hospizdienst Heilbronn.

Von Stefanie Pfäffle
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Lesezeit 2 Min
Warum Sterbebegleitung auch Freude bereitet
Arbeiten gern beim Hospizdienst (von links): Koordinatorin Petra Lutz, Heidrun Rapp und Karin Bamberg sowie Lutz" Stellvertreterin Nicola Hartung.  Foto: privat

Menschen begleiten, bei denen das Ende des Lebens absehbar ist. Zeit investieren, um diesen schöne Momente zu bescheren, sie nicht allein zu lassen und ja, auch, um die Angehörigen zu entlasten. All das und noch viel mehr ist die Aufgabe der ehrenamtlichen Hospiz- und Trauerbegleiter beim Ambulanten Hospizdienst Heilbronn. Heidrun Rapp (79) und Karin Bamberg (70) sind die beiden letzten, die seit dem ersten Ausbildungskurs im Jahr 2010 dabei sind. "Viele denken, es ist sehr schwer. Aber da ist auch viel Freude dabei", betont die Heilbronnerin Karin Bamberg.

Sterbebegleitung: Ausbildung als Bereicherung

Beide Frauen wurden damals letztlich von der damaligen Leiterin Ingrid Reischle überzeugt, die den Hospizdienst neu aufbaute. "Ich hatte bereits zwei Freundinnen beim Sterben begleitet, das war mir also nicht fremd. Aber die Ausbildung war sehr bereichernd", erzählt die Klingenbergerin Heidrun Rapp. Sie habe viel darüber gelernt, was gut tut, auch sich selbst zu reflektieren, sich nicht zu überfordern. "Vor allem habe ich lauter wunderbare Menschen kennengelernt." Für Karin Bamberg war der Kurs ein Test. Da sie auch schon beim Arbeitskreis Leben aktiv war, der Menschen nach Suizidversuch wieder ins Leben hilft, wollte sie wissen, ob das zusammen geht. Und es ging.

Wichtig für Hospizbegleiter: die nötige Distanz

Die ersten Begleitungen waren für beide aufregend. Kann das Erlernte umgesetzt werden, passen Klient und Ehrenamtlicher zusammen? Heidrun Rapp hat fast immer langjährige Begleitungen. Die erste dauerte dreieinhalb Jahre, die aktuelle schon fast acht. "Es war gleich ein nettes Miteinander", erinnert sich die 79-Jährige. Nicht immer ist alles nur einfach. Die nötige Distanz zu wahren etwa, erzählt Karin Bamberg. Wenn Menschen mehr wollen als man selbst zu geben bereit ist, und man nein sagen muss. "Das war für mich immer wieder ein Thema, das geklärt werden musste: Wo sage ich ja, wo nicht." Da müsse sie auch nach sich selbst schauen.

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Wahrnehmen, was der Sterbende möchte

Trotzdem ist ihr ganz wichtig, ganz für den Klienten da zu sein, um wahrzunehmen, was derjenige benötigt. "Das kann dann auch mal eine bestimmte Wurst aus der Metzgerei sein", meint sie lächelnd. Ein Mann wollte sich die anonymen Gräber auf dem Hauptfriedhof anschauen, wollte sehen, wo er bald liegen wird. "Das war dann auch für mich emotional, als ich vier Wochen später nach seinem Tod allein an derselben Stelle stand."

Singen, ein Gebet, vorlesen, spazieren gehen, einfach nur da sein und die Hand halten - die Bedürfnisse der Sterbenden sind gänzlich unterschiedlich und ändern sich auch von Tag zu Tag. "Auch Begleitete können sich für Schönes und Freude öffnen", betont Karin Bamberg.

Austausch bei Dienstbesprechungen

Um all das selbst zu verkraften, treffen sich die Ehrenamtlichen regelmäßig zu Dienstbesprechungen, Supervision findet ebenfalls sechsmal jährlich statt. Für beide Frauen ist das ein wichtiger Bestandteil ihres besonderen Ehrenamts, das sie auch für die nächsten Jahre nicht missen wollen.

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