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Hochschule Heilbronn will mit einem Simulationsworkshop Prüfungsangst bekämpfen

Fake it till you make it? Mit einem Simulationsworkshop der Hochschule Heilbronn sollen betroffene Studierende ihre Panik vor Klausuren in den Griff bekommen.

Lisa Könnecke
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Lesezeit 2 Min
Hochschule Heilbronn will mit einem Simulationsworkshop Prüfungsangst bekämpfen
Prüfungen können einschüchtern und im schlimmsten Fall vor lauter Angst zum Blackout führen. Die Hochschule Heilbronn will dem entgegenwirken.  Foto: David Zorrakino

So manchem Studierenden dürfte dieses Szenario bekannt vorkommen: Da hat man wochenlang am Schreibtisch gesessen und gebüffelt, und dann, während der Prüfung, ist plötzlich alles weg. Blackout. Im schlimmsten Fall hat man nicht nur die Klausur verhauen, sondern baut auch eine Angst vor künftigen Prüfungen auf. Dagegen will die Hochschule Heilbronn mit ihrem neuen Workshop "Prüfungssimulation" vorgehen.

Das zweitägige Angebot wurde im Juni erstmals von der Zentralen Studienberatung (ZSB) organisiert und vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Rahmen "coronabedingter Lernrückstände" finanziell gefördert. Prüfungsängste habe es schon immer gegeben, nur habe die Pandemie das Problem verstärkt, sagt Roland Schweizer, Leiter der Zentralen Studienberatung. Von jetzt auf gleich konnten die Prüfungen nicht mehr in Präsenz stattfinden. Andererseits gibt es Studierende, die bisher nur Online-Klausuren geschrieben haben. Beides habe zu Verunsicherungen geführt.

Expertin für Prüfungsangst gibt Tipps

Abhilfe soll der Workshop schaffen: Mit einer Expertin für Prüfungsangst lernen die Studierenden, wie sie Aufgaben richtig verstehen und lösen, wie sie sich konzentrieren und wie sie mit ihrer Angst umgehen. Am zweiten Tag findet die Prüfungssimulation statt - mit echten Prüfungen aus den vergangenen Jahren und mit Aufsichtspersonen, die die Zeit im Blick haben. Zum Schluss gibt es ein Feedback.

Ob diese Simulation das Gehirn wirklich austricksen kann? "Ich bin überzeugt davon", zeigt sich Roland Schweizer optimistisch. "Jeder Therapieansatz beginnt mit Konfrontation." Um seine Angst in den Griff zu bekommen, müsse man sich ihr stellen, wie überall im Leben. Schweizer erzählt, dass er als Kind am Waldrand aufgewachsen ist und durch Märchen wie Hänsel und Gretel neben einer gewissen Faszination vor allem auch Angst aufbaute. Ihr nachgeben wollte Schweizer nicht, und so entschied er sich für Konfrontation: "Ich bin jeden Tag ein Stück tiefer in den Wald gegangen. Irgendwann stand ich mittendrin. Das war ein unglaubliches Glücksgefühl."

Angst zugeben als mögliche Hemmschwelle

Ob der Workshop fest im Angebot der Studienberatung integriert werden soll, wird sich zeigen: Nur elf Studierende hätten das Angebot bisher wahrgenommen. Selbst Schweizer zeigt sich überrascht: "Ich dachte, man rennt uns die Bude ein." In persönlichen Beratungsgesprächen sei Prüfungsangst ein immer wiederkehrendes und großes Thema.

Der 65-Jährige hat aber auch eine Vermutung, woran der verhaltene Andrang liegen könnte: "Vor ihren Professoren Prüfungsangst zuzugeben, ist möglicherweise eine Hemmschwelle für viele Studierende." Ob man das im Rahmen der Studienberatung oder vor seinem Professor macht, sei ein "gravierender Unterschied". Dort muss das Vorhaben nämlich angemeldet werden, um eine Prüfung aus den vergangenen Jahren für Übungszwecke ausgehändigt zu bekommen. "Wir bleiben dran und schauen, wie wir damit künftig umgehen", gibt sich der Studienberatungs-Leiter optimistisch.

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