Vergewaltigung und mehrfacher Missbrauch: Schwere Vorwürfe gegen Stiefvater
Ein Heilbronner soll seine Stieftochter über Jahre schwer missbraucht haben. Der Angeklagte hat keine Erklärung für die Vorwürfe. Ermittler fanden aber belastende Indizien auf seinem Handy.

Weil er seine minderjährige Stieftochter über Jahre hinweg sexuell schwer missbraucht und in mehreren Fällen vergewaltigt haben soll, muss sich ein 31 Jahre alter Heilbronner seit Montag vor dem Landgericht verantworten. Der Angeklagte bestreitet die Taten. An den Vorwürfen sei nicht das Geringste dran, so der Beschuldigte.
In neun rechtlich selbstständigen Fällen habe sich der Angeklagte zwischen 2013 und 2019 des mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung einer Minderjährigen und Schutzbefohlenen schuldig gemacht. Beim ersten Mal im Jahr 2013 sei sie fünf oder sechs Jahre alt gewesen, so die Anklägerin. Als das Mädchen sieben Jahre alt war, habe er sie zum Oralverkehr gezwungen. Dabei soll er sie im Vorfeld gefragt haben, ob sie ein Eis essen wolle.
Prozess vor dem Landgericht Heilbronn: Geschlechtsverkehr gegen den Willen des Kindes
2016 soll der Beschuldigte seine damals achtjährige Stieftochter erstmals zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben. Das mutmaßliche Opfer gab an, sich gewehrt zu haben. Schließlich habe das Kind wegen der körperlichen Überlegenheit des Beschuldigten aufgegeben, so die Staatsanwältin.
Bis 2021 soll der Angeklagte darüber hinaus mehrfach gegen den Willen des Kindes ungeschützten Geschlechtsverkehr vollzogen haben. Laut Anklage habe er damit erst aufgehört, als bei dem Mädchen die Periode einsetzte und damit die Gefahr bestand, dass sie schwanger werden könnte.
Angeklagter ringt im Prozess vor dem Landgericht immer wieder mit den Tränen
"Ich kann mir das nicht erklären", sagte der Beschuldigte vor der 15. Großen Jugendstrafkammer. "Wir waren immer ein Herz und eine Seele", beschrieb der Deutsche mit kasachischen Wurzeln das Verhältnis zu seiner Stieftochter. Wie seine leibliche Tochter habe er sie behandelt. "Ich war immer für sie da", sagte der Angeklagte.
Er selbst habe auch einen Stiefvater, zu dem er ein sehr gutes Verhältnis habe. "Was ich von ihm gelernt habe, wollte ich an meine Stieftochter weitergeben." Bei seinen Schilderungen zum Verhandlungsauftakt rang er immer wieder mit den Tränen.
Pornofilme auf dem Handy des Angeklagten: Richterin spricht von hartem Tobak
Augenzeugen für die vorgehaltenen Taten gibt es nicht. Steht also Aussage gegen Aussage? Richterin Ursula Ziegler-Göller hielt dem Angeklagten belastende Indizien entgegen. Bei der Auswertung seines Handys haben die Ermittler Pornofilme gefunden, in denen es um Geschlechtsverkehr mit Stieftöchtern und Inzest gehe. "Das ist harter Tobak", so die Richterin. Ja, er schaue Pornofilme an. Da sei er wohl unbeabsichtigt zu diesen Filmen weitergeleitet worden, erklärte der Beschuldigte.
In späteren Chatverläufen forderte die Stieftochter ab 2021 den Beschuldigten immer wieder dazu auf, die Taten zuzugeben. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon zu ihrem leiblichen Vater gezogen. Er antwortete, ob sie ihn denn anzeigen werde, sollte er tun, was sie wolle.
Am späten Vormittag sagte das mutmaßliche Opfer aus Jugendschutzgründen unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus. Für den Prozess sind insgesamt fünf Verhandlungstage angesetzt.
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