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Nach 33 Jahren: Direktor des Heilbronner Stadtarchivs plant Ruhestand

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Professor Christhard Schrenk gilt einer der profiliertesten Historiker im Südwesten. Seit 1992 leitete er als Direktor das Stadtarchiv Heilbronn. Bei der Vorlage seines Jahresberichts kündigte er nun seinen Abschied an.

Christhard Schrenk, hier mit Dieter Läpples Käthchen-Skulptur im Kleinformat, leitet das Stadtarchiv seit 1992 und noch bis November 2024.
Christhard Schrenk, hier mit Dieter Läpples Käthchen-Skulptur im Kleinformat, leitet das Stadtarchiv seit 1992 und noch bis November 2024.  Foto: Archiv/Sawatzki

Nun ist es offiziell: "Nach 33 Jahren als Amts- und Institutsleiter werde ich Ende November 2024 in den Ruhestand treten." So schreibt der Leiter des Stadtarchivs Heilbronn, Prof. Dr. Christhard Schrenk (65), beiläufig am Ende seines Jahresberichts 2023, den er jetzt dem Kulturausschuss des Gemeinderats vorgelegt hat. Die Stadträte sparten nicht mit Lorbeeren, obwohl der Historiker beteuerte, dass es - genesen von einer Fußverletzung - nicht sein letzter Auftritt in diesem Gremium gewesen sein dürfte. Und bis zur "gebührenden Verabschiedung", so Kulturbürgermeisterin Agnes Christner, gebe ja noch einiges zu tun, - etwa Wissenspause, Waldheide-Gedenkkonzept et cetera.

Anders als in seinem schriftlichen Bericht, in dem die vielen Aktivitäten des Stadtarchivs umfassend dargestellt werden, beschränkte sich Schrenk in der Sitzung auf den Bereich Archivpädagogik. "Sie haben heute den richtigen Fokus gewählt", meinte Albrecht Merkt (CDU), "auch im Namen der FDP." Gerade in Zeiten, da sich "immer mehr Splittergruppen im Besitz der Wahrheit wähnen", könnten junge Menschen "anhand unterschiedlicher Demokratien und Diktaturen, menschlicher Höhen und Abgründen" aus der Geschichte lernen und zu "standhaften Bürgern mit Haltung heranwachsen", die Verschwörungstheorien und anderen Feinden der Demokratie standhalten. "Dem nur anschließen" wollte sich Raphael Benner (AfD), denn "aus der Vergangenheit könnten wichtige Schlüsse für die Gegenwart und Zukunft gezogen werden". Auf Benners Anfrage hin bedauerte es Direktor Schrenk, dass das Stadtarchiv neben dem Personaletat nur über ein kleines Budget von rund 100.000 Euro frei verfüge, über das man Sammlungen ergänze, erhalte, teure Datenspeicher kaufe oder etwa die Stolpersteine für NS-Verfolgte anschaffe.

Direktor des Heilbronner Stadtarchivs Schrenk schließt Lücken in NS-Forschung

"Sie haben das Stadtarchiv entstaubt und vermochten Geschichte auch auf unterhaltsame Weise rüberbringen", sagte Erhard Mayer (SPD). Die vielfältigen archivpädagogischen Angebote nannte er "einfach klasse". Schrenk habe es verstanden, "das Stadtarchiv in die Neuzeit zu überführen, das ist phänomenal", sagte Herbert Burkhardt (FWV). Er hob vor allem die Digitalisierung vieler Bereiche hervor, aber auch Stadtteil-Chroniken und die Beleuchtung der NS-Zeit. Auf Anfrage erfuhr er, dass die Stadt 2025 "500 Jahre Bauernkrieg", auch in Kooperationen, groß würdige, unter anderem mit einem Symposium. Auch ein möglichst authentischer Standort für eine Skulptur des Bauernführers Jäcklein Rohrbach werde gesucht, sagte Karin Schüttler vom Kulturamt. Zudem erfuhr Burkhardt, dass das vergriffene Standardwerk von Heinz Risel über das KZ Neckargartach bald in aktualisierter Form neu aufgelegt wird.


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Schrenk sei es gelungen, "den Menschen Geschichte über digitale Wege zugänglich zu machen", lobte Konrad Wanner (Linke), der hier gleichzeitig noch Potenzial sah. Zudem wünschte er sich über die Würdigung von Jubiläen zum Bauernkrieg und zum Kriegsende von 1945 hinaus auch "50 Jahre NSU muss bleiben". Der Marsch auf Heilbronn und die damit verbundene Rettung des NSU-Werks sei eine entscheidende Weichenstellung für die Region gewesen. Wichtig sei es auch, über die jüngste Elitestudie hinaus, Lücken zur NS-Zeit zu schließen. Nicht zuletzt regte Sylvia Dörr (FDP) angesichts der zunehmenden Internationalisierung Heilbronns mehrsprachige Texte online und in der Dauerausstellung im Otto-Rettenmaier-Haus der Stadtgeschichte an.

So können Kinder aus der Geschichte lernen

Archivpädagogische Angebote ziehen sich laut Direktor Christhard Schrenk "wie ein roter Faden durch die jahrzehntelange Arbeit des Stadtarchivs Heilbronn" - von Veranstaltungen und Führungen zu verschiedenen Themen für verschiedene Altersstufen. Ein Schwerpunkt für ältere Schüler bilden etwa die Stolperstein-Recherchen zum Schicksal von NS-Verfolgten. Zudem wird Geschichte durch vielgestaltige Materialien fassbar, etwa durch die zweibändige Kinderstadtgeschichte. "Materialien für den Unterricht" gibt es auch online mit zahlreichen Themen vom Mittelalter über die Industrialisierung bis zum Thema Pershing/Waldheide. Seit 2015 gibt es die Online-Plattform Mein-Heilbronn.org, speziell für Kinder der Klassen 3 und 4, ein digitales Heimatbuch mit mehreren Tausend multimedialen Dateien, aber auch mit Anregungen zu Vor-Ort-Aktionen und pdf-Seiten zum Ausdrucken für das persönliche Heilbronn-Buch .

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